Edgar und Hugo Pürro sind auf dem elterlichen Betrieb in Alterswil FR aufgewachsen. Der Hof war immer auf die Milchwirtschaft fokussiert; bei der Übernahme als Betriebsgemeinschaft im Jahr 2002 waren 25 Kühe auf dem Betrieb.
«Wir zwei Brüder ziehen am Strick»
«Ganz früher hatten wir noch Simmentaler, diese wurden dann mit Holstein eingekreuzt», weiss der Vater noch. Im Jahr 2011 wurde das Ganze in einen «Gebrüder-Betrieb» umgewandelt und drei Jahre später entstand die neue, grosse Scheune. «Wir haben diese dazumal noch zusammen mit einem Kollegen, der 2020 ausgestiegen ist, im Baurecht gebaut und nun ziehen wir zwei Brüder am Strick», sagen Edgar und Hugo Pürro.
Die Fläche wurde grösser und im Jahr 2014 standen bereits 65 Kühe im Stall. Der 58‑jährige Hugo Pürro ist auf dem Betrieb eher für den Ackerbau zuständig, ist jedoch auch bei den Kühen stark involviert. Seine 59-jährige Frau Ruth ist seit 42 Jahren bei der Migros als Detailhandelsangestellte tätig. Gemeinsam haben sie die Söhne Sven (geboren 1999, Polymechaniker) und Luca (geboren 2004, Plattenleger). An zwei Tagen pro Woche ist Neffe Marc tatkräftig auf dem Hof beschäftigt.
Landwirtschaft ist Familiensache
Der Hauptgrund, warum Pürros auf Kühe der Rassen Red-Holstein (rund 4/5 des Bestandes) und Holstein zählen, ist sicherlich wegen der Milchleistung. Mit aktuell 67 Kühen und gegen 60 Aufzuchttieren, davon 30 auf den Sömmerungs-Alpen, geht die Arbeit nie aus.
«Eigentlich war es immer klar, dass wir auf Milchwirtschaft setzen, obwohl es auch mal Pläne für eine Poulet-Halle gab, so um das Jahr 2002 herum. Wir wollten sogar eine Scheune bauen, aber es kam nicht zustande. Ein Kontingent wurde erstanden und der Betrieb hier sukzessive aufgebaut», sagt der 52-jährige Edgar Pürro.
Der gelernte Landwirt, der früher auch als Betriebshelfer tätig war, ist heute vornehmlich für die Tiere zuständig. Seine Frau Silvia hat nach dem Haushaltslehrjahr fast neun Jahre als Haushälterin gearbeitet. Die 52-Jährige schaut heute dazu, dass niemand hungrig vom Tisch muss. «Wenn mal eine dritte Hand fehlt, bin ich zur Stelle», schmunzelt die stolze Mutter von drei Söhnen (Adrian 2004, Stephan 2006 und Roman 2008), die allesamt die Lehre als Landwirt angetreten haben.
Die Familie muss sich also keine grossen Sorgen um potenzielle Nachfolger auf dem Betrieb machen. Adrian ist bereits im Vollzeitpensum angestellt. Stephan habe ein ausserordentliches Gespür und Flair für Kühe, er werde wohl dereinst den Hof übernehmen, schätzen die Eltern.

Die Brüder haben einen besonderen Nebenjob
Die Milch von Pürros wird zu Greyerzer und Vacherin verarbeitet. Zweimal täglich wird die Milch in die Käsereien nach Wengliswil und Alterswil geliefert – durchschnittlich 550 000 Liter pro Jahr im Lieferrecht. Auf dem Betrieb gab es zudem grosse Veränderungen: Viermal wurde Land zugekauft und die Fläche konnte dadurch stetig erweitert werden.
Ebenfalls gross sind die Unterschiede in der Arbeitsweise. So hat Vater Pürro die Kühe noch bis 1969 von Hand gemolken und die Milch wurde für einen Franken und sieben Rappen verkauft. «Heute ist es manchmal schon etwas kompliziert mit all den Auflagen und Vorschriften, da gab es früher deutlich weniger Bürokratie in unserem Metier», sinniert Edgar Pürro.
Die Brüder hoffen, dass der Greyerzer-Käse bestehen bleibt und Zukunft hat, auch wenn der Export in die USA durch die erhobenen Zölle massiv eingebrochen ist. Speziell ist sicherlich die Tatsache, dass die Gebrüder Pürro ein nebenamtliches Amt ausüben: Beide arbeiten als Totengräber, Hugo bereits seit dem Jahr 1994: «Damals waren es noch deutlich mehr Erdbestattungen als heute, wo die Kremierung im Vordergrund steht», hält er fest.

Bewährtes wird beibehalten
«Dieses Jahr haben wir extrem viele Fliegen», sagt Silvia Pürro lachend, während sie die ungeliebten Insekten abwehrt, die im heissen Sommer zur zusätzlichen Plage werden. Das Vieh ist am Morgen schon früh auf den Weiden, denn gegen zehn Uhr wollen die Tiere wegen der Hitze wieder rein. «Im Herbst stellen wir um und weiden den ganzen Tag. Dieses Konzept hat sich bewährt», betont Hugo Pürro.
Überhaupt wird beibehalten, was sich bewährt, da sind sich die Brüder einig. So wird auch das Fütterungskonzept nicht immer wieder umgestellt; man setzt stattdessen auf Kontinuität. Vieles läuft angenehm; mit den zwei grossen, elektronisch gesteuerten Schiebern geschieht das Misten quasi auf Knopfdruck. Der Viehbestand ist gegen die Blauzungen-Krankheit geimpft und die Gebrüder Pürro achten sorgsam auf die Gesundheit ihrer Kühe.
«Dennoch haben wir letztes Jahr zwei Kühe an einer Euterentzündung durch Klebsiellen-Bakterien verloren. Das ist frustrierend und traurig für uns Landwirte», sinniert Edgar Pürro, der die Situation mit dem Tierarzt analysiert hat. Da die Klebsiellen holzlastig sind und sich in Holzspänen wohlfühlen, sind die Liegeboxen nun nur noch mit gehacktem Stroh ausstaffiert. Zusätzlich wird alle drei Monate gegen die Bakterien geimpft.
Früh auf zum Tagwerk
Für die beiden Landwirte ist früh Tagwache. So steht Hugo Pürro normalerweise um 4.10 Uhr auf und trifft kurz darauf seinen Bruder im Stall: «Im Sommer sind wir bereits fertig mit der Stallarbeit, wenn wir zum Frühstück in die Küche kommen, das dauert im Winter schon wesentlich länger.» Dafür stehen in der Sommerzeit diverse Arbeiten auf dem Feld an: die Heu-, Emd- und Getreide-Ernte. In den Wintermonaten stehen dann die Heckenpflege und ein wenig Holzen im Vordergrund – neben der Versorgung der Tiere natürlich.
Betriebsspiegel Betrieb Pürro
Betriebsleitende: Edgar und Hugo Pürro
Ort: Alterswil FR, voralpine Hügelzone und Bergzone I
Produktionsform: ÖLN
LN: rund 65 ha und ca. 3 ha Wald
Ackerbau: 4 ha Wintergerste; 1,5 ha Triticale; 5 ha Futterweizen; 1 ha Brotweizen; 2 ha Mais
Viehbestand: 67 Kühe und 60 Aufzuchttiere

