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Güllegas: Gefahr auch in offenen Ställen

Befindet sich die Güllelagerung unter dem Stall, steigt das Risiko für Schadgasunfälle. Die ALB-CH und Agridea bieten Grundlagen zum sicheren Bauen an.

Die Arbeitsgemeinschaft für landwirtschaftliches Bauen und Hoftechnik ALB-CH und Agridea haben das Thema «Güllegase» im gemeinsamen, jährlichen Weiterbildungskurs WBK behandelt.

Denn es werden immer wieder neue Ställe mit Güllelagerung unter dem Stall gebaut. Darüber befinden sich oft Spaltenböden oder Öffnungen mit Rührwerken sind im Stall integriert, so Beat Steiner, Geschäftsführer der ALB-CH: «Das hat uns aufgeschreckt».

In den 1980er-Jahren habe man oft den Gasverschluss zwischen Kanälen und Güllegrube vernachlässigt und geschlossene Güllegruben gebaut, aus denen das Gas nicht entweichen konnte. Es gab viele Unfälle, berichtet Steiner, der sich als Bauforscher an der Forschungsanstalt Tänikon damit beschäftigte.

Schadgasunfälle beim Aufrühren von Gülle verhindern

Um Unfälle zu vermeiden, wurden Grundlagen zur Ausführung von funktionssicheren Kanalsystemen und der Entlüftung von Güllegruben erarbeitet. Fachkundige Bauplaner setzen diese in der Praxis um. Man habe lange geglaubt, dass in Ställen mit offenen Fassaden Güllegase kaum gefährlich seien. Doch auch da ereignen sich beim Aufrühren Schadgasunfälle. Meistens werde nur berichtet, wenn Menschen betroffen seien. «Doch das ist die Spitze des Eisberges.»

Güllegas: Gefahr auch in offenen Ställen

«Offene Umspülkanäle sind für Mensch und Tier gefährlich»

Beat Steiner, ALB-CH

Steiner rät von Umspülkanälen unter Spaltenböden ab. Er empfiehlt Staukanäle, die durch Ziehen eines Schiebers entleert werden. Um die Kanäle auch bei Gülle mit schlechter Fliessfähigkeit ganz entleeren zu können, hilft ein Spülstutzen am Kanalanfang. Bevor man den Schieber zieht, soll über den Stutzen das Gülleniveau leicht angehoben werden. Dies erleichtere das Abfliessen der Gülle, ohne aufrühren oder intensiv nachspülen zu müssen. Aus wirtschaftlicher Sicht sei ab 40 bis 50 Kuhplätzen die Ausführung mit planbefestigten Flächen und entsprechender Entmistungstechnik kostengünstiger als jene mit Kanalsystemen und Spaltenböden.

Spaltenböden mit Verschlussklappen

Spaltenböden mit Verschlussklappen sollen das Ausströmen der Gase aus Güllekanälen verhindern. Dabei öffnet sich schon bei geringer Belastung eine Kunststofflippe oder eine Klappe und lässt die Gülle abfliessen. Danach schliesst die Lippe wieder.

Solche Spaltenböden mit Verschlussklappen wurden in den Niederlanden und Dänemark zur Emissionsminderung von Ammoniak entwickelt. In der Schweiz dürften nach Einschätzung Steiners diese kaum Eingang in die Ställe finden, da hier viel strukturierte Einstreu verwendet wird, um das Tierwohl zu fördern. Diese beeinträchtigt die Funktion der bisher entwickelten Verschlussklappen.

Die Wissensplattform ALB-CH

Die Arbeitsgemeinschaft für landwirtschaftliches Bauen und Hoftechnik ALB-CH ist ein unabhängiger Verein. Sie bietet der landwirtschaftlichen Baubranche sowie bauwilligen Landwirten eine nationale Wissensplattform. So gelangen neue Erkenntnisse aus der Forschung und dem Bauwesen an Berater, Bauschaffende und schliesslich in die Praxisbetriebe. Im Vorstand vertreten sind Bauberatung, Verwaltung, Forschung und Landwirte. Die Geschäftsleitung ist der Agridea angegliedert. Die ALB-CH vermittelt das Wissen über den BauNewsLetter, Weiterbildungskurse und Fachexkursionen. E-Mail: alb-ch@agridea.ch