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Mit Pumpe und Heizung gegen zugefrorene Wasserleitungen im Stall

Hansueli und Stefan Lüscher pumpen das Wasser durch einen Kreislauf. So verhindern sie zugefrorene Leitungen und Tränken in ihrem Stall. Nach einem besonders kalten Winter trafen die beiden Landwirte weitere Massnahmen. Mit Erfolg.

Kurz & bündig

- Um im Winter zugefrorene Leitungen im Stall zu verhindern, pumpen Lüschers das Wasser durch einen Kreislauf. Zusätzlich wird das Wasser leicht geheizt. - Kurz nach dem Stallneubau vor 13 Jahren froren die Leitungen trotzdem zu. Für eine Woche mussten Hansueli Lüscher und sein Sohn Stefan improvisieren. - Heute treffen die Landwirte mehrere Massnahmen zur Frost-Vorsorge: Heizstrahler, Netz als Windstopper und ein gut ausgelasteter Stall.

Zum Trinken, zum Waschen, zum Melken. Im Stall wird viel Wasser verbraucht. Im Winter ist fliessendes Wasser jedoch nicht selbstverständlich. Schnell einmal kann eine Leitung oder – etwas weniger schlimm – eine Tränke einfrieren. Viele LandwirtInnen haben gegen das Eis im Stall verschiedene Massnahmen ergriffen.

So auch Hansueli Lüscher. Der 62-jährige Landwirt führt in einer Generationengemeinschaft mit seinem Sohn Stefan einen vielseitigen Betrieb in Muhen AG. Im Schweinestall, beim Jungvieh und im Laufstall der Milchkühe setzen Vater und Sohn verschiedene Massnahmen um, damit es gar nicht erst zu zugefrorenen Wasserleitungen kommt.

Auf dem Betrieb der Familie Lüscher gibt es zwei Wasserkreisläufe, einen im Milchviehstall und einen bei den Schweinen. Eine Umwälzpumpe bewegt das Wasser durch die beiden Kreisläufe. Zusätzlich wird das Wasser im Winter auf rund 10 Grad aufgeheizt. Lüscher betont, dass die Pumpe auch im Sommer laufe, mit einem angepassten Programm, ohne zu heizen. «Würden wir den Sommer über abstellen, hätten wir anfangs Winter Mühe, die Pumpe zum Laufen zu bringen. Da wäre alles verkalkt», erklärt Hansueli Lüscher.

Sibirische Kälte und zu wenig Kühe im Stall

Das Kreislaufsystem hält das Wasser in Bewegung. Die Heizung leistet ihren Beitrag, um die Leitungen vor Frost zu schützen. Eingebaut wurden Leitungen, Pumpe und Tränken beim Stallneubau vor 13 Jahren. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Leitungen tief genug vergraben werden, sodass ihnen die Kälte nichts anhaben kann.

Trotzdem erlebten Lüschers gleich im zweiten Winter eine böse Überraschung: Das Wasser fror ein. «Weshalb, das weiss ich gar nicht mehr so genau», sagt Hansueli Lüscher. Es spielten sicherlich mehrere Faktoren eine Rolle: Es war ein sehr kalter Winter, sibirische Kälte hielt die Temperaturen in der Schweiz mancherorts für zwei Wochen bei -10 Grad und kälter.

Lüschers, die mit der Technik im neuen Stall noch nicht viele Erfahrungen sammeln konnten, hatten wohl die gewünschte Wassertemperatur etwas zu tief eingestellt. «Und dann war es schon zu spät», erinnert sich Lüscher. Ausserdem war der Stall nicht vollständig mit Kühen belegt. Das bedeutete, dass weniger häufig getrunken wurde. Das Wasser war nicht in Bewegung und fror noch schneller zu.

Lüschers blieb nicht viel anderes übrig, als Tauwetter abzuwarten. In der Zwischenzeit stellten sie den Silowagen in den Laufstall und füllten diese alle paar Stunden mit frischem Wasser, damit die Kühe die nötige Menge trinken konnten.

Betriebsspiegel der Familie Lüscher

Hansueli und Therese Lüscher, Stefan und Käthi Lüscher, Muhen AG LN: 45 ha Kulturen: Silomais, Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Dinkel, Erdbeeren, Herbsträben, Kunstwiese, Ökoflächen Tierbestand: 75 Kühe, 35 Aufzuchttiere, 12 Mastkalber, 120 Schweine-Mastplätze Weitere Betriebszweige: Verkauf von Weihnachtsbäumen Arbeitskräfte: Generationengemeinschaft von Hansueli Lüscher mit Sohn Stefan. Ehefrauen Therese und Käthi Lüscher. 2 Lehrlinge.

Melkroboter und Laufgang waren ebenfalls frostgefährdet

Gleichzeitig machten auch andere Mechanisierungen im Stall zu schaffen. Der Entmistungsschieber fror ein. Lüschers mussten mit der Kippschaufel den gröbsten Dreck aus dem Laufgang kratzen. Beim Melkroboter musste ausserdem penibel darauf geachtet werden, dass regelmässig Kühe zum Melken kamen. Andernfalls wäre insbesondere der Arm mit den Zitzenbechern eingefroren.

«Mein Sohn Stefan war rund um die Uhr im Einsatz, um grössere Frostschäden zu verhindern», erzählt Lüscher. Hansueli Lüscher und seine Frau Therese kamen früher als geplant aus den Ferien zurück und konnten ablösen und unterstützen.

Nach einer Woche stiegen die Temperaturen wieder an und die Leitungen tauten auf. Seit jenem Winter gefror glücklicherweise nie mehr das ganze Wassersystem ein. «Wir achten darauf, dass anfangs Winter alles bereit ist, um im Frostfall schnell reagieren zu können», sagt Hansueli Lüscher.

Die Pumpe ist gewartet. Der Heizstrahler, an der Decke über dem Melkroboter installiert, ist einsatzbereit. Sobald die Temperaturen unter 4 Grad sinken, schaltet die Heizschlange ein. Gegen die Liegeflächen hin ist der Melkroboter mit herabhängenden Plastikstreifen vor dem Wind geschützt. Wird zusätzlich die Türe aus dem Milchraum nach draussen gut verschlossen, hält der Melkroboter auch tiefe Temperaturen aus. Ausserdem ist der Stall nun vollständig ausgelastet, sodass regelmässig Kühe zum Melken und an die Tränke gehen.

Eine Heizschlange hängt über dem Melkroboter.
Heizstrahler über dem Melkroboter: Der schaltet bei Temperaturen unter 3 Grad automatisch ein.

Mit dem Netz den Wind ausbremsen

Der Wind ist ein Faktor, der bei Lüschers eine wichtige Rolle spielen kann. Der Betrieb liegt oberhalb des Dorfs am Hang. Zieht im Winter die Bise, kühlt sie den Stall zusätzlich aus.

Wegen der Topografie konnten Lüschers den Stall nicht ganz nach ihren Wunschvorstellungen in die Landschaft stellen: «Am Hang macht es Sinn, dass wir den Laufhof auf die Güllegrube stellen», erklärt Hansueli Lüscher. Der Stall ist also nun gegen Norden hin offen, statt – idealerweise – gegen Süden. Lüschers wirken der Bise entgegen, indem sie bei Bedarf ein Netz spannen und so den Wind am Eingang zum Stall bremsen.

Hansueli Lüscher rollt das Netz aus, das als Windschutz vor dem Laufhof dient.
Wenn die Bise besonders stark zieht, kann Hansueli Lüscher ein Netz als Windstopper spannen.

Mit dem Stallbau erweiterten Lüschers die Stallfläche. Seither halten sie die Milchkühe im neuen Stall, während die Aufzucht und die Mast der Kälber im alten, umgebauten Anbindestall erfolgt. Dieser Stall ist nicht an den Wasserkreislauf angeschlossen. Hier kommen andere Methoden zum Einsatz, um den Frost fernzuhalten. Bei der Aufputzleitung, die zur Selbsttränke führt, ist beispielsweise ein Heizband angelegt. Das Wasser, das die Tiere trinken, läuft lauwarm und leicht dampfend in die Tränke.

Frage nach der Stromquelle beschäftigt die beiden

«Der alte Anbindestall ist nicht so frostempfindlich wie der Laufstall, der offen und dadurch auch exponiert ist», sagt Lüscher. Zwar entfernten Hansueli und Stefan Lüscher die Fensterscheiben schon vor längerem, um genügend Frischluft zu den Kälbern zu bringen. Doch bei besonders eisigen Temperaturen können die Landwirte mit einem Vlies die Fenster wieder abdecken, um Minustemperaturen im Innern zu verhindern. Zusätzlich sind unterhalb der Fenster Tücher gespannt, um damit das Absinken der kalten Luft auf die liegenden Kälber zu verhindern.

Die beiden Umwälzpumpen mit integrierter Heizung beim Milchvieh- und Schweinestall haben je eine Leistung von 3000 Watt. Das braucht einiges an Strom, um die Geräte am Laufen zu halten. Darüber macht sich Hansueli Lüscher ebenfalls Gedanken. «Aktuell sind wir noch am Stromnetz angeschlossen. Eine Solaranlage auf dem Stalldach überlegen wir uns aber schon», verrät Lüscher. Das würde die Landwirte unabhängiger machen.

Bereits heute werden das Wohnhaus und drei Nachbarhäuser mit Schnitzelheizung im Fernwärmeverbund geheizt. «Wir pflegen viele Waldränder und Hecken und können mit dem herausgeschnittenen Holz eigene Energie produzieren», erzählt Lüscher.

Eine Leitung geht etwas vergessen – und muss geflickt werden

Am Ende des Rundgangs zeigt Hansueli Lüscher auf eine Leitung im Schweinestall, an deren Ende jeweils die Schuhe gewaschen werden. «Bei der hier habe ich schon ein paar Mal vergessen, das Wasser abzustellen», sagt Lüscher und lacht: «Dementsprechend oft musste ich sie schon flicken.» Abgesehen davon fliesst auf dem Betrieb das Wasser zu jeder Jahreszeit.