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So fliesst das Wasser im Stall auch im Winter

Um die Tränken und Wasserleitungen bei tiefen Temperaturen im Stall frostfrei zu halten, helfen Isolation, Pumpen und Heizung. Markus Bucheli vom BBZN Hohenrain gibt Tipps zu den verschiedenen Möglichkeiten.

Kurz & bündig

- Bei tiefen Temperaturen besteht die Gefahr von eingefrorenen Tränken oder Wasserleitungen. - Dagegen hilft, das Wasser mittels Umwälzpumpe in Bewegung zu halten. Wenn das nicht ausreicht, muss geheizt werden. - Markus Bucheli vom BBZN Hohenrain erklärt die verschiedenen Systeme der frostsicheren Tränken. - Auch das Futter darf in der Qualität nicht abnehmen, andernfalls geht die Leistung der Tiere zurück. - Ein Kaltstall muss ein Kaltstall bleiben und darf nicht zum Warmstall eingehaust werden.

Eine Schweizer Kuh gibt im Tag durchschnittlich 20 bis 30 Liter Milch. Um diese Leistung zu erbringen, muss sie viel trinken: Bis zu 100 Liter können es pro Tag sein. Nebst der Produktion von Milch braucht das Tier auch Wasser für die Erhaltung wichtiger Lebensfunktionen. Der Zugang zu Wasser ist also für die Kühe, aber natürlich auch für alle anderen Nutztiere, enorm wichtig – auch im Winter.

Dem Bedürfnis nach Wasser kann der Winter einen Strich durch die Rechnung machen. «Kritisch wird es, wenn die Temperaturen unter den Nullpunkt sinken und das Wasser über mehrere Stunden im Becken steht, ohne bewegt zu werden», sagt Markus Bucheli, Berater am Berufsbildungszentrum BBZN Hohenrain LU.

Wenn die Tränke zufriert, muss alles unternommen werden, um das Wasser wieder fliessen zu lassen. Noch besser ist, wenn der Frost erst gar keine Chance hat.

Wenn die Pumpe an die Grenze kommt, kann Heizen weiterhelfen

Das Problem des gefrierenden Wassers kann gelöst werden, indem das Wasser in einem Kreislauf läuft und darin mit einer Kreislaufpumpe bewegt wird, schlägt Markus Bucheli vor. «Oder, wenn genug eigenes Wasser vorhanden ist, kann der Landwirt das Wasser permanent durch die Leitungen zirkulieren lassen und zuhinterst in die Drainage leiten. Hier kann auch ein Frostwächter eingebaut werden, der sich erst öffnet wenn eine gewisse Temperatur unterschritten wird.»

Jedes Umwälzgerät kommt aber irgendwann an seine Grenzen. Wenn dann die Gefahr der eingefrorenen Leitungen noch nicht gebannt ist, muss zusätzlich geheizt werden.

«Für kurze zehn Meter vom einen zum anderen Stall können Heizbänder um die Wasserleitungen gelegt werden», sagt Bucheli. Das gesamte Leitungsnetz so zu schützen, macht aber wenig Sinn: «Da geht zu viel Energie verloren und die Lösung ist nicht sonderlich effizient.»

Porträt von Markus Bucheli
Markus Bucheli, Berater am BBZN Hohenrain erklärt, wie energieeffizient vor Frost geschützt werden kann.

Eine gute Isolation ist Grundvoraussetzung

Wichtig bei allen Leitungen sei eine gute Isolation: «Isolieren kommt noch vor dem Umwälzen oder dem Heizen. Das ist die Grundvoraussetzung», sagt Bucheli. Damit die Heizung nicht permanent läuft, wird die Temperatur des Vor- und Rücklaufes gemessen. So startet die Heizung erst, wenn eine gewisse Temperatur erreicht ist. Dabei muss der Landwirt auch nicht daran denken, die Heizung anzuschalten.

Wenn ein grösserer Umbau des Stalls ansteht und ein Frostschutz mittels Beheizung gewünscht ist, bieten sich Thermoröhren an.

«Bei diesem Prinzip wird die Wasserleitung unterirdisch bis senkrecht unter die Tränke geführt. Im Boden, rund 60 Zentimeter tief, ist die Leitung vor Frost geschützt», erklärt Bucheli. Von der Stelle, an der die Leitung nach oben steigt, wird sie beheizt. Das Ganze ist mit Isolation ummantelt, um die Wärme zu halten.

Alle Tränken auf gleichem Niveau ermöglichen mehr Bewegung

Beim Beheizen von Leitungen sieht Markus Bucheli einen grossen Nachteil: Die Abhängigkeit vom Strom. «Erstens muss ich überlegen, woher der Strom kommt und ob ich Notstrom brauche. Zweitens kann es teuer werden. Bei einem Verbrauch von rund 3 Kilowatt kann das Heizen Kosten von 60 Rappen pro Stunde verursachen», rechnet Bucheli vor. Zum Vergleich: Eine Pumpe zum Umwälzen des Wassers verbraucht etwa 60 Watt – also rund 50 mal weniger.

Nicht zuletzt sind elektrische Lösungen auch heikel betreffend Unfallrisiko. Eine handwerklich saubere Lösung ist unbedingt notwendig – ein Gebastel im Stall oder bei der Tränke gefährdet Mensch und Tier.

Mit der Niveautränke nennt Bucheli eine Möglichkeit, die viel sparsamer ist. Bei diesem System sind alle Tränken im Stall auf der gleichen Höhe und miteinander verbunden. In einem frostsicheren Raum steht eine Art «Reservoir» mit Schwimmer, wie er auch beim WC vorkommt. Sinkt das Wasser durch das Trinken der Tiere bei einer der Tränken, werden alle Tränken gemeinsam aufgefüllt. So bleibt das Wasser in allen Leitungen in Bewegung und kann weniger schnell gefrieren.

«Dabei muss gut auf die Hygiene und saubere Tränkebecken geachtet werden. Denn der Dreck verteilt sich rasch im ganzen Stall und verschmutzt das gesamte Tränkesystem», warnt Bucheli.

Wenn statt dem Heizsystem das Radio an der Steckdose hängt

Egal, welche technische Einrichtung im Stall zum Einsatz kommt – im Herbst muss der Landwirt kontrollieren, ob alles funktioniert. «Wartungsarbeiten sind nötig, sonst kommt es beim ersten Frost zu bösen Überraschungen», mahnt Bucheli. Pumpen können verkalken und nach der Sommerpause Mühe haben, anzulaufen.

«Klassisch auch der Fall, bei dem der Heizschlange der Stecker gezogen wurde, weil stattdessen im Sommer das Radio an der Steckdose hing», sagt Bucheli. Ein Kontroll-Rundgang vor dem Winter empfiehlt sich also wärmstens.

Kühe dürfen von Frost-Problemen nichts mitbekommen

Wer mit allen Mitteln versucht, den Frost vom Stall und vor allem den technischen Einrichtungen abzuhalten, muss darauf achten, dass die Tiere nichts davon mitkriegen. Milchkühe müssen beispielsweise jederzeit so mit Futter versorgt werden, wie sie es sich gewohnt sind. Man kann ihnen nicht gefrorene Futterklumpen zumuten, sonst sinkt die Milchleistung und die Tiergesundheit. Beim Wasser gibt es sowieso keine Kompromisse. Wenn nichts mehr läuft, muss man mit Kesseln laufen und auf eine gute Idee hoffen, die Einrichtung zumindest provisorisch in Betrieb zu kriegen. Keine Garantie auf milde Winter Oft ist es ein Zufall, dass sich eine Wetterlage so entwickelt, dass es zu einer Kältewelle mit tagelangen Minustemperaturen kommt oder nicht. Ausschliessen lässt sich dies nicht und wenn es wieder einmal soweit ist, kann man froh sein, bei früheren Ereignissen gewisse Verbesserungen getätigt zu haben. Auch wenn der Frost nur wenige Tage dauert, profitiert man von Vorkehrungen, damit die Infrastruktur nicht davon betroffen wird – und dass man bei der täglichen Arbeit nicht von einem Notfall zum anderen springen muss. Kaltstall muss ein Kaltstall bleiben Ein Stall, bei den man im Winter Durchzug vermeiden kann, schützt die Infrastruktur besser als ein offener Stall. Allerdings muss trotzdem auf genügend Frischluft geachtet und die Lufthygiene muss gewahrt bleiben. Einen Kaltstall kann man im Winter nicht zu einem Warmstall einhausen. Als Vorbereitung auf den Winter sollte das Material bei isolierten Leitungen kontrolliert werden. Schäden durch Mäuse oder die Nutztiere selber sind möglich. Besonders gefährdet sind Stellen,wo die Leitung aus dem Boden treten. Es empfiehlt sich auch, sämtliche Tränkestellen, Gülleleitungen, Querkanäle und Schieberentmistungen zu kontrollieren. Störungsanfällige und verschleissanfällige Teile wie Federn an Tränken oder Antriebsteile bei Schieberentmistungen, die zu Betriebsausfällen führen können, werden im Winter stärker belastet. Eine bauliche Vorsorge kann ebenfalls über den Frost hinweghelfen. Beispielsweise wenn die Mistschieberfläche so angelegt ist, dass man diese mit einem Traktor zum entmisten befahren kann, sollte der Schieber nicht mehr funktionieren. Beat Schmid