Wo jeder Aussteller einen Wanderpreis bekommt

Nach letztjähriger Zwangspause konnte der Traditionsanlass im zürcherischen Hirzel wieder stattfinden. Das Wetter spielte zum Glück mit.

Jeweils am ersten Freitag im Oktober ist es so weit: Die viel befahrene Zugerstrasse wird von der Polizei zwischenzeitlich gesperrt – das Vieh hat an diesem Tag Vortritt. Von allen Seiten strömen die Tiere auf den Viehschauplatz. Zwischendurch kommen auch Traktoren mit Viehwagen an.

Ohne Festzelt

266 Tiere von 16 Ausstellern waren heuer an der Gemeindeschau zu sehen. Corona-bedingt verzichtete der Viehschauverein Hirzel darauf, ein Festzelt aufzustellen; so konnte eine allfällige Zertifikatspflicht umgangen werden. Umso glücklicher waren alle Aussteller, Helferinnen und Besucher der Schau, dass sich das Wetter von der besten Seite zeigte. Letztes Jahr wurde anstelle der normalen Viehschau eine «Mini-Ausstellung» organisiert, bei der jede Ausstellerin ein oder zwei Tiere mitbrachte. Diese wurden dann nicht rangiert – der Anlass war eher ein «Höck» im kleinen Rahmen.

Experten haben Helferinnen

Die Tiere der Rassen Brown Swiss und Original Braunvieh wurden von den beiden Experten Stefan Knecht und Roman Auer eingestellt. Für die Rangierung der Fleckviehabteilungen war Erich Walder zuständig.

Jeder Aussteller hatte abhängig von der Zahl seiner aufgeführten Tiere eine gewisse Anzahl Helferinnen zu stellen. Jedem Experten wurde eine Gruppe Helfer zugeteilt, die die Tiere vorführten. So gestaltete sich die Rangierung der Tiere relativ effizient und zügig.

Rangieren und fachsimpeln

Anders als an Beständeschauen werden die weiblichen Tiere an den Gemeindeschauen dieser Region nicht punktiert, sondern nur rangiert. Einzig die aufgeführten Stiere werden nötigenfalls von einem Experten punktiert. Nur das fehlende Zelt erinnerte am Freitag an Corona, doch das konnte der guten Laune der Besucherinnen nichts anhaben. Die Festgarnituren wurden draussen aufgestellt, die Stimmung war ausgelassen und es wurden Köpfe zusammengestreckt, um zu fachsimpeln.

Nachdem alle Abteilungen eingestellt waren, wurde mit den Schöneuterpreisen fortgefahren. Der Titel der Miss Holstein Hirzel ging an Blackgold-ET Biene der Familie Bär. Beim Braunvieh konnte Blooming Bonitta von der Familie Bill triumphieren und den Titel der Miss Braunvieh Hirzel nach Hause bringen. Diese beiden Kühe konnten in ihren Kategorien jeweils auch den Schöneuterpreis gewinnen.

Blackgold-ET Biene aus dem Stall der Familie Bär sicherte sich den Titel als Miss Holstein Hirzel.
Blackgold-ET Biene aus dem Stall der Familie Bär sicherte sich den Titel als Miss Holstein Hirzel.
Blooming Bonitta von Familie Bill wurde zur Miss Braunvieh Hirzel erkoren.
Blooming Bonitta von Familie Bill wurde zur Miss Braunvieh Hirzel erkoren.

Verein nur für die Schau

Ursprünglich wurde die Viehschau von der 1916 gegründeten «Genossenschaft zur Förderung der Braunviehzucht Hirzel» organisiert. Die Viehzuchtgenossenschaft Hirzel existierte ab 1911 und war für die Milchleistungsprüfung und das Herdebuch zuständig. Diese beiden Genossenschaften fusionierten später zum Braunviehzuchtverein Hirzel.

Vor 20 bis 30 Jahren war die Viehausstellung im Hirzel mit über 400 aufgeführten Tieren noch die grösste Gemeindeschau des Kantons Zürich. Doch auch hier blieb die Landwirtschaft nicht vom Strukturwandel verschont und die Tierzahl sowie auch die Anzahl Milchviehhaltende nahmen immer mehr ab. Deshalb fusionierte der Braunviehzuchtverein Hirzel mit den Braunviehzuchtgenossenschaften Schönenberg und Wädenswil zur Braunviehzuchtgenossenschaft Zimmerberg. Alle Bauern, die im Hirzel nach wie vor eine Viehschau organisieren wollten, formierten sich neu zum Viehschauverein Hirzel.

Nach wenigen Jahren stiessen auch Fleckvieh- und Holsteinzüchter zum Verein, und so ist die Schau heute offen für alle Tiere der bekannten Milchvieh-rassen. Nach der Fusion derGemeinden Hirzel und Horgen im Jahr 2018 sind auch Horgner Milchviehhaltende eingeladen, an der Schau im Hirzel teilzunehmen.

Viele Preise vergeben

Die vielen Wanderpreise konnten während der Ausstellung auf dem Glockenwagen bestaunt werden. Es werden im Hirzel jeweils deren über 30  verteilt.
Die vielen Wanderpreise konnten während der Ausstellung auf dem Glockenwagen bestaunt werden. Es werden im Hirzel jeweils deren über 30 verteilt.

Im Anschluss an die Schau trifft sich der Vorstand des Viehschauvereins jeweils zur Verteilung der über 30 Wanderpreise. Dabei wird aus Solidaritätsgründen darauf geachtet, dass jeder Aussteller mindestens einen Wanderpreis nach Hause nehmen darf. Wem es an der Schau besonders gut läuft, darf sich auch über mehr Wanderpreise freuen.

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