Aktuell sind vielerorts die Tiere auf der Weide, die Winterfütterung scheint noch weit weg. Klar, dass das Futter auf der Weide maximal ausgenutzt wird, um die knappen Wintervorräte zu schonen. Doch trotz Futterknappheit sollte die Umstellung auf die Winterfütterung gut geplant und langsam angegangen werden.
Pansen langsam angewöhnen
Gerade beim Herbstfutter ist die Struktur ohnehin ein wichtiges Thema. Es sollte bereits jetzt, bei Weidegang, genügend strukturreiches Futter dazugegeben werden. «Bei einem rapiden Wechsel wird der Organismus der Kuh stark belastet», erklärt Selina Hug, Fütterungsberaterin am Strickhof. Sie führt aus: «Wenn sich die Pansenmikroben nicht anpassen können, kann eine Mangelsituation entstehen. Das Futter vermag vom Körper nicht entsprechend umgesetzt zu werden.»
So ist die Nährstoffnutzung schlechter, diese gehen durch den Körper, ohne dass sie verwertet werden können. «Je fliessender der Übergang, desto besser», sagt Hug. Gut wäre es, die Raufutter-Ration langsam über zwei bis drei Wochen zu steigern, damit sich die Pansenmikroben optimal anpassen können.
Auf fehlende Nährstoffe achten
Wer als Ersatz für das fehlende Raufutter Stroh einsetzen möchte, sollte dies gut vorbereiten. Die Pansenmikroben brauchen mindestens zwei Wochen Angewöhnungszeit, während der der Anteil kontinuierlich gesteigert werden kann.
Jonas Salzmann von der UFA, empfiehlt, bei Milchkühen nicht mehr als 2,5 kg/Tag Stroh pro Tier zu verfüttern, da die Fermentation im Pansen sonst nicht mehr möglich ist. Mit dem hohen Fasergehalt würde die Passagegeschwindigkeit verlangsamt und so das Futteraufnahmevermögen vermindert. «Ein Leistungseinbruch wäre die Folge», mahnt Salzmann.
Beim Jungvieh kann, je nach Strategie, bis zu zwei Drittel der Ration mit Stroh ersetzt werden. Allerdings muss bei dieser Fütterung mit einem guten Ergänzungsfuttermittel ergänzt werden.
Beispielsweise Zuckerrübenschnitzel können die Pansenmikroben dabei unterstützen, den hohen Fasergehalt abzubauen. Mit dieser Fütterung sind jedoch keine grossen Zunahmen oder Leistungen zu erwarten.
Silage aus Zwischenfutter über den Winter verteilen
Aus dem Zwischenfutter konnte an vielen Orten noch ein oder zwei schöne Schnitte gemacht werden. Diese Silage ist oft, wie bei Herbstsilagen üblich, eher nass. Dadurch ist die Gärqualität schlechter, was bedeutet, dass es eher zu Fehlgärungen kommen kann. «Speziell bei der Silage aus Zwischenfutter ist, dass es zwar viel Rohprotein enthält, dieses aber in Form von Ammoniak gebunden und so für die Kuh nicht verfügbar ist», erklärt Jonas Salzmann.
Zudem enthalte es wenig Magnesium und viel Calcium, was die Magnesiumaufnahme reduziert, gibt er zu bedenken. «Eine gute Versorgung mit Mineralstoffen, insbesondere mit Magnesium, ist notwendig, um einem Festliegen vorzubeugen.» Er würde die Silage aus Zwischenfutter daher über den Winter verteilen, um dies so zu entschärfen.
Reicht das vorhandene Futter?
Vor dem Start der Winterfütterung ist es wichtig, sich klar darüber zu werden, wie viel von welchem Futter effektiv auf dem Betrieb zum Einsatz steht. Die verschiedenen Futtersorten sollten den unterschiedlichen Ansprüchen der Tiere gegenübergestellt werden. Daraus lässt sich eine Strategie entwickeln, um die bestehenden Tiere gesund durch den Winter zu bringen.
Gerade bei zugekauftem Futter kann der Nährwert stark abweichen. Hier kann eine Analyse sinnvoll sein und dabei helfen, die Fütterungsplanung zu optimieren. Selina Hug weist darauf hin, dass nach dem proteinreichen Herbstfutter wieder tiefere Harnstoffwerte angestrebt werden sollten, da dadurch die Leber stark belastet wird. Zudem dürfen trotz der Futterknappheit keine Kompromisse bei der Futterqualität gemacht werden. Schimmliges Futter und verdorbene Silage müssen konsequent entsorgt werden.

