Bei der täglichen, allgemeinen Arbeitsbelastung ist es für den Alphirten oft schwierig, eine genaue Beobachtung auf Brunstsymptome auch noch seriös zu machen. Auf vielen Alpen verbringen die Rinder den grössten Teil der Alpzeit draussen, an manchen Tagen werden die Tiere nur per Fernglas gezählt und beobachtet und dies nur zu einer bestimmten Zeit während des Tages. Meist zeigen die Rinder ihre Brunstsymptome im Tagesverlauf unterschiedlich stark. Das Erkennen von allfälligen Brunstsymptomen wird zum Glücksspiel.
Mittlerweile gibt es viele technische Hilfsmittel zur Brunsterkennung, welche in einem Milchviehstall gute Dienste leisten. Diese technischen Lösungen sind auf einem Alpbetrieb nicht umsetzbar.
Verschiedene Zeichen zeigen die Brunst
Das sicherste Zeichen einer Brunst ist das sich Bespringen lassen von anderen Rindern oder Kühen. Manchmal erkennt man abgescheuerte Stellen am Schwanz, welche vom Bespringen herrühren. Die Sichtbarkeit dieses Zeichens kann der Viehbetreuer mit verschiedenen Mitteln verstärken, so dass es auch aus der Distanz gut erkennbar wird. Einerseits gibt es Brunsterkennungsaufkleber, welche eine Farbpatrone enthalten, die beim Aufreiten platzt und so die Brunst signalisiert. Andererseits gibt es die sogenannte «Tail Paint» (eine spezielle Schwanzfarbe). Eine recht dicke, wetterfeste Farbe, welche beim Aufreiten weggescheuert wird. Dieses Verfahren stammt ursprünglich aus Neuseeland und wird dort breit eingesetzt. Im System Tailpainting werden verschiedene Farben verwendet, welche in den verschiedenen Trächtigkeitsstadien eingesetzt werden (z. B. Blau nach dem Kalben vor der ersten Besamung, rot nach der ersten Besamung). Dies ist eine kostengünstige Methode, welche auch auf Alp- wie auf Aufzuchtbetrieben recht zuverlässig funktioniert.
Wer dieses System einmal ausprobieren möchte, kann es in einem ersten Schritt mit einem Viehzeichnungsstift versuchen. Das Resultat ist aber nicht gleich offensichtlich wie bei der Tail Paint. Die Tail-Paint-Farbe wird hart und blättert beim Aufspringen ab, ein Resultat ist so besser ersichtlich.
Der Autor
Adrian Dietrich ist Fachmann für Rindvieh- und Ziegenhaltung und Betriebswirtschaft arbeitet als Lehrer und Berater am Inforama in Hondrich BE.

