Seit Jahresbeginn ist die revidierte Tierschutzverordnung in Kraft. Einige Punkte der revidierten Verordnung betreffen die Viehausstellungen. So werden beispielsweise lange Zwischenmelkzeiten, welche die natürliche Form des Euters verändern oder zu einem unnatürlichen Füllungszustand führen, verboten.
Auch «mechanische, physikalische oder elektrische Eingriffe am Euter, welche die natürliche Form des Euter verändern oder zu einem unnatürlichen Füllungszustand führen» sind neu per Gesetz verboten. Doch reicht die angepasste Verordnung, um übervolle Euter an den Viehausstellungen langfristig zu verhindern?
Schauen besucht
Eine Arbeitsgruppe unter der Federführung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) war diese Schausaison im Einsatz, um dieser Frage nachzugehen. Sie haben die drei grössten Ausstellungen (Swiss Expo in Lausanne VD; IGBS an der Tier & Technik in St. allen und Expo Bulle in Bulle FR) genauer unter die Lupe genommen.
Sie sollten von staatlicher Stelle aus beurteilen, ob die neue Tierschutzverordnung die erhoffte Wirkung erzielt. Das offizielle Fazit der Arbeitsgruppe über die drei Schauen liegt erst Mitte Juni vor. Doch bereits jetzt zeichnet sich ab: Zusätzliche Weisungen zur Verordnung dürften lediglich eine Frage der Zeit sein.
«Es reicht nicht»
Dass der Ehrenkodex der Arbeitsgemeinschaft für Rinderzüchter (ASR) in die Tier-
schutzverordnung aufgenommen wurde, sei sicherlich ein starkes Signal gewesen, sagt Fabien Loup vom BLV und Leiter der Arbeitsgruppe. Aber: «Es reicht nicht.» Die Formulierungen in der Verordnung seien zu generell und würden daher zu wenig greifen.
Das grosse Problem: fehlende, objektive Kontrollinstrumente. Wann ist ein Euter «zu voll» und stört das Wohlbefinden des Tieres? Richter, Züchter, Tierarzt – die Beurteilung des Füllungszustands eines Euters erfolgt mangels geeigneter Instrumente nach wie vor subjektiv und sorgt daher immer wieder für viel Diskussionsstoff und erschwert einen einheitlichen Vollzug.
Konkrete Merkmale wie der Euterdruck
Das soll bald der Vergangenheit angehören. «Im Idealfall ab Ende 2015», erläutert Loup. Dann soll das Organisationskomitee einer Viehausstellung über entsprechende Instrumente verfügen, um eine klare Linie zwischen «zu voll» und, «das Tier leidet nicht» ziehen zu können. Zurzeit forscht die Tierklinik in Bern nach Möglichkeiten, den Füllungszustand eines Euters objektiv zu ermitteln. Konkrete Merkmale, dass könnten nach Fabien Loup die Bildung von Ödemen sein, der Euterdruck usw. Welcher der zuverlässigste Parameter ist, soll sich im Verlauf der Studie klären. «Wir wollen die Schauen nicht abklemmen», stellt Loup klar. Doch übervolle Euter und die damit verbundene Beeinträch tigung des Tierwohls dürften nicht mehr geduldet werden.
Regionalschauen werden unter die Lupe genommen
Nachdem in einer ersten Phase die drei grossen Schauen im Fokus waren, sollen in einer nächsten zweiten Phase die Regionalschauen besucht werden. Klares Ziel ist nach wie vor, dass Schauen ohne staatliche Kontrollen tierschutzkonform ablaufen.
Julia Schwery

