Sie ist der ganze Stolz der Züchterfamilie Käthi und Hanspeter Schmitz aus Wiedlisbach BE: Die 19-jährige Wehribach Joliam Lisa, die seit Kurzem die sagenhafte Grenze von 170 000 kg Milch überschritten hat. Genau gesagt hat diese Ausnahmekuh eine aktuelle Lebensleistung von 170'674 kg. Umgerechnet gibt das 8500 kg Butter, 17 000 kg Käse, oder 24 366 kg Milchpulver.
Immer noch ein Fundament wie eine Dreijährige
Lisa, die immer noch putzmunter dasteht, hat mit dieser Leistung einen neuen Schweizer Rekord bei den roten Kühen aufgestellt. Wie eine 3-jährige Jungkuh marschiert sie noch zum Fotoshooting. Ein Körper so breit wie ein Panzer, eine obere Linie, die ihresgleichen sucht, und ein Fundament, das immer noch sehr korrekt ist, so präsentiert sich die «alte Dame» dem Besucher der «BauernZeitung», der so eine Kuh in diesem Alter noch nie gesehen hat.
Aber einen Makel hat Lisa, sie wird leider nicht mehr trächtig. «Die Eierstöcke sind der Grund», sagt Hanspeter Schmitz. Und: «Trotz der letzten Kalbung im Januar 2012 gibt sie immer noch 14 kg Tagesmilch. Und solange sie gesund bleibt und keine Altersbeschwerden hat, werden wir unsere Lieblingskuh natürlich behalten», sagen Käthi und Hanspeter
bestimmt. «Sie hat sozusagen Familienanschluss bei uns.»
Ein Fest zu Ehren von Lisa
Die rote SF-Kuh Lisa hat eigentlich keine berühmten Vorfahren, denn sie stammt von dem eher unbekannten deutschen Stier Joliam (Nomad × Thor) ab. Milch hat Lisa trotzdem gegeben und zwar viel Milch. Standardlaktationen von bis zu 12 400 kg Milch erzielte die rüstige 19-Jährige pro Jahr. Auch einige ihrer Töchter haben die Grenze von 50 000 kg Milch schon überschritten.
«Trotz ihrer 96 Punkten, war Lisa nie eine Ausstellungskuh. Sie ist auf unserem Betrieb deshalb auch nie sonderlich aufgefallen, bekam keine Sonderbehandlung und leistet tagtäglich ihre Arbeit», so der Betriebsleiter. Aber spätestens als Lisa die 150 000er-Marke überschritten hat, bemerkten Schmitz, dass sie doch etwas Besonderes im Stall hatten. «Zu Ehren von unserer Lisa haben wir diesen Meilenstein im April 2012 mit einem grossen Fest, mit zirka 100 geladenen Gästen, gefeiert.»
Lisa ist zusammen mit den anderen 50 Kühen in einem Laufstall untergebracht. Gemolken werden die Kühe in einem 2×4-Fischgräte-Melkstand. In der Vegetationszeit sind diese halbtags auf der Weide. Dank der offenen Stalltür kann Lisa zwischen Weidegang oder Stall wählen. «Sie bleibt vielfach lieber im Stall», sagt Hanspeter.
Stiere mit hohen Gehaltswerten
Die rüstige «Dame» ist aber nicht die einzige langlebige Kuh bei Schmitz, denn schon sechs Kühe haben die 100 000er-Grenze auf ihrem Hof überschritten. «Für unseren Betrieb suchen wir eine pflegeleichte Kuh, mit einer idealen Grösse (150 cm), einem guten Exterieur und hohen Gehaltswerten. Diese Punkte werden auch bei der Stierenauswahl berücksichtigt. Big Apple, Marine, Rasul, Armani, Savard, Acme, Ladd, Pitbull und diverse Prüfstiere sind zurzeit die meisteingesetzten Stiere.
Den 34-ha-Michwirtschafts- und -Ackerbaubetrieb bewirtschaftet die Familie Schmitz zusammen mit einem Lehrling. Auch der Junior Alexander, der zurzeit die Betriebsleiterschule besucht, ist zirka 50 Prozent auf dem Betrieb tätig. Die restliche Zeit arbeitet er auswärts. «Aber auch die Grossmutter und die beiden Töchter helfen nach Bedarf immer noch tatkräftig mit», sagt die Betriebsleiterfamilie.
Neben der Milchproduktion gehören noch vier Pensionspferde und zwei eigene zum Betrieb. Aber auch der Ackerbau hat einen grossen Stellenwert: Zuckerrüben, Getreide und Silomais werden angepflanzt. Schmitz liefern ihre Milch, als Direktlieferant, der Emmi. «Neben dem Milchpreis wird unter anderem auch die Lademenge wie auch die Gehaltswerte (Fett 4%, Eiweiss 3,3% Grundpreis) mithonoriert», sagt der Landwirt. «Ich könnte mir gut vorstellen, dass in Zukunft ein Fettkontingent ins Leben gerufen wird, so wie es in Kanada üblich ist.
Mais ist und bleibt ein günstiges Futtermittel
Und wie steht der Betrieb der neuen AP 2014–17 gegenüber? «Mit der graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion können wir wegen unserem hohen Maisanteil nichts anfangen. Mais ist und bleibt halt ein günstiges Futtermittel, auf das wir auf unserem Betrieb nicht verzichten wollen», hält der Meisterlandwirt fest.
Und: «Um die wegfallenden Tierbeiträge zu kompensieren, versuchen wir weiter die Maschinenkosten zu senken. Auch die Beiträge für eine nachhaltige Ökologie werden wir so gut wie möglich ausschöpfen.»
Auf jeden Fall scheint die Hofnachfolge gesichert, denn der 23-jährige Sohn Alexander steht schon in den Startlöchern und interessiert sich auch für die Viehzucht.
Peter Fankhauser

