In vielen Ställen trifft man auf Kühe und Stiere, die über längere Zeit einen Halfter tragen. Solche Tiere erkennt man an Druckstellen und Einschnürungen rund um ihr Maul. Leider sind viele handelsübliche Kuhhalfter von ihren Massen her für grossrahmige Kühe ungeeignet. So zieht ein satt angelegter Halfter den Ober- und Unterkiefer sehr stark zusammen. Das Tier ist beim Trinken und Fressen als auch beim Wiederkäuen eingeschränkt. Es kommt zu einem Verzehrsrückgang bis hin zu schleichender Pansenübersäuerung aufgrund von reduziertem Wiederkäuen. Es besteht zudem die Gefahr, dass ein Tier an der Stalleinrichtung hängen bleibt und sich dabei verletzt.
Nach Gebrauch sofort ausziehen
Oft sind es Problem- oder Risikotiere, die beispielsweise neu in der Herde, ängstlich oder unruhig beim Melken sind, die einen Halfter tragen. Gerade diese Tiere müssen uneingeschränkt Futter und Wasser aufnehmen können. Am besten zieht man einen Halfter nach Gebrauch sofort aus. Ansonsten macht es Sinn, die Mundpartie des Halfters zu öffnen und den Strick grosszügiger zu knüpfen. Anschliessend kann der Halfter mit weniger Zug angebracht werden, ohne dass die Kuh diesen abstreift. Halfter, die von Kühen in Stresssituation getragen wurden, riechen nach Stress. Es kann daher helfen, die Kühe ruhiger zu machen, wenn Halfter hin und wieder gewaschen werden. Auch in Anbindeställen ist der Kopfschwungraum beim Aufstehen unerlässlich. Gerade ältere, schwere Kühe benötigen diesen Weg, um sich in aufrechte Position zu bringen.
Genügend Schwungraum ermöglichen
Man erkennt an Tieren, die zu weit hinten oder diagonal auf dem Läger liegen, dass sie Angst vor dem Aufstehen haben. Ein zu hoher Krippenrand ist ein Grund dafür, die zu kurze Anbindehaltung ein weiterer. Oftmals kann den Tieren mehr Schwungweg ermöglicht werden, wenn die Gesamtlänge der Anbindevorrichtung genutzt wird. In vielen Ställen wurden seit Inbetriebnahme die Anzahl genutzter Kettenglieder nie mehr verändert. So trifft man vielerorts auf Spreizketten, Grabneranbindungen und auch Gelenkhalsrahmen, die mit wenig Aufwand tiergerechter gemacht werden könnten. Nur schon das Verlängern der Anbindung um ein einziges Kettenglied – diese sind meist schon vorhanden, aber nicht genutzt – ermöglicht der Kuh einen zusätzlichen Schwungraum von 5 cm. Zudem gelangt die Kuh einfacher ans Wasser und sie trinkt zügiger.
Der Autor
Christian Manser arbeitet bei der Fachstelle Rindvieh, Landwirtschaftliches Zentrum Salez, St. Gallen. Christian Manser ist schweizweit bekannt als Kuhsignal-Trainer.

