Der Kampf gegen übervollen Eutern an Ausstellungen geht in die nächste Runde. So hat die Fakultät VetSuisse der Universität Bern im Auftrag des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) eine Studie zum Thema «Verlängerte Zwischenmelkzeiten und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit von Milchkühen» erstellt (wir berichteten). Neben Tierärzten waren auch Vertreter der Zuchtverbände, wie auch die Organisationsspitzen der grossen Viehausstellungen anwesend.
Die Meinungen sind unterschiedlich
Ab wann gilt ein Euter als überladen? Diese Frage ging man an derInformationsveranstaltung vom letzten Dienstag im Tierspital in Bern nach. Trotz Studie scheint das Problem weiterhin ungelöst zu sein. Dies verdeutlichten auch die unterschiedlichen Voten aus dem Publikum.
Für die einen ist ein Euter, welches 18 Stunden oder mehr nicht gemolken wurde, noch nicht überladen und für die anderen reicht es schon, wenn das Euter zu tropfen beginnt. «Jetzt sind wir alle gefordert», sagte Fabien Loup vom BLV auf Anfrage der «BauernZeitung».
Konkret plant das BLV, den Füllzustand der Euter an Ausstellungen zu messen. Als Merkmale dienen die Euterfestigkeit (kontrolliert durch einen Dynamometer) und die Wasseransammlungen im Euter sowie die unterschiedliche Belastung der Hinterbeine der Kuh (bestimmt durch eine 4-Fuss-Waage). «Weist eine Kuh eines dieser Kritieren auf, ist dies ein Ausscheidungsgrund», so Loup.
Die grossen Ausstellungen werden kontrolliert
Ob gesetzlich reglementiert oder per Ehrenkodex: Ungelöst bleibt das Problem, ab wann ein Euter überladen ist. Eine wissenschaftliche Definition gibt es nicht, die Formulierung in der Tierschutzverordnung lässt entsprechend Ermessensspielraum.Diesen Spielraum will man aber weiter eindämmen.
Die zuständigen Kantonstierärzte und das BLV werden nun in den nächsten
Tagen, zusammen mit den beteiligten Zuchtverbänden, Organisatoren von grossen Milchviehausstellungen und verschiedenen Richtern, zusammenkommen. Dort wolle man Massnahmen diskutieren, wie lange Melkpausen bei Milchviehausstellungen wie der Swiss Expo, Expo Bulle, Tier & Technik, BEA, Olma und Luga vermieden werden können.
Schweizer Richter bevorzugen
Auch auf die Richter scheint in Zukunft noch mehr Veranwortung zu kommen als ihnen lieb ist. «Diese müssen endlich den Mut haben, Kühe mit Anzeichen von überladenen Eutern, bei der Klassierung zu bestrafen und in die hinteren Ränge zu stellen», fordert Fabien Loup. Hier plädiert der Fachmann ganz klar für Schweizer Richter. «Sie sind zum Glück noch sensibler, als Richter aus dem Ausland, welche doch vermehrt Verständnis für überladene Euter zeigen.» Loup ist überzeugt, dass dies eine Signalwirkung auf die Züchterschaft geben würde.
Philipp Kohler von der Vetsuisse, der die Studie präsentierte, kam zum Schluss, dass die «Versuchskühe» in der Studie, welche 24 Stunden nicht gemolken wurden, Ödeme (Wasseransammlungen) in der Unterhaut des Euters entwickelten. «Nach 18 Stunden bekommt eine Kuh ganz klar Probleme mit ihrer Gesundheit», sagte Kohler. Und: «Ihre Bewegungen werden beim laufen unnatürlich. Die Gliedmassenstellung verlagert die Kuh so, um dem Euter mehr Platz zwischen den Beinen zu schaffen, um so ihre Schmerzen zu lindern.»
Peter Fankhauser

