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Rückblick auf 100 Jahre Braunvieh Aargau: Es wurde früh auf Leistung gezüchtet

Die Züchter feierten 100 Jahre Braunvieh Aargau. Ehemalige und der aktuelle Präsident blickten zurück auf eine Erfolgsgeschichte.

Braunvieh Aargau, der Kantonalverband der Braunviehzüchter, wurde vor zwei Jahren 100 Jahre alt. Aus bekannten Gründen war damals und im Folgejahr keine Jubiläumsfeier möglich. Letzten Sonntag nun wurde sie nachgeholt. Der Vorstand lud die Züchterfamilien zu einem Brunch auf den Hof von Alois und Esthi Horat in Nesselnbach ein.

Man verzichte bewusst auf viele Reden, meinte Präsident Cyrill Gauch zur Begrüssung der über 200 Gäste. Reichhaltig und aufs Köstlichste verpflegt wurden sie von der Apéro-Chuchi Freiamt.

Die guten Eigenschaften pflegen

Gegründet wurde der Verband am 28. Juni 1920. Er sei damit im Sternzeichen Krebs geboren, so Gauch. Der Krebs gelte als fröhliches und freundliches Gemüt. Er kämpfe sich ehrgeizig durchs Leben und setze sich für seine Werte ein. «Das ist genau das, was auch Braunvieh Aargau ausmacht.»

Ein Grusswort gab es dennoch, und zwar von Markus Zemp, von 1999 bis 2016 Präsident von Braunvieh Schweiz. Er erinnerte an das Freiamt als wichtige Ursprungsregion der Braunviehzucht. Auch bei der Gründung des schweizerischen Verbandes habe ein Aargauer eine entscheidende Rolle gespielt: Der erste Geschäftsführer (1897 bis 1913) war Heinrich Abt aus Bünzen. Die Sechziger- und Siebzigerjahre bezeichnete Zemp als kritische Zeit: «Da hat man vor allem auf schöne Kühe gesetzt, die Leistung war nebensächlich.»

Die Präsidenten Hans Barmettler und Hugo Abt hätten in der Folge die Leistung in den Vordergrund gerückt. «Seither nehmen die Aargauer Züchter national einen Spitzenplatz ein.» Die typischen Eigenschaften des Braunviehs als gute Raufutterverwerter, als robuste Zweinutzungs- und fitte Eiweissrasse gelte es zu pflegen. «Aber», mahnte Zemp, «tragt Sorge, dass die Kühe nicht noch grösser werden.»

Junge essen wieder mehr Fleisch

In seinem agrarpolitischen Streifzug betonte er angesichts des Ukraine-Kriegs den Stellenwert der Selbstversorgung. Die MTI stehe da völlig quer in der Landschaft und ziele auf das Rückgrat der Viehhaltung. Als unrealistisch sieht Zemp – er ist Präsident von Proviande, der nationalen Dachorganisation der Fleischwirtschaft – die Forderungen nach einer Reduktion des Fleischverzehrs. E

ntgegen manchen Medienberichten konsumierten 94 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer regelmässig Fleisch. Und seit 2002 sei der Gesamtfleischverbrauch pro Kopf unverändert. Laut Markterhebungen von Proviande liege der Biomarktanteil insgesamt zwar bei 11 Prozent, bei den Jungen aber nur bei 2 Prozent. «Die jungen Leute konsumieren heute eher mehr Fleisch als die älteren. Berücksichtigt man alle Indikatoren und das Bevölkerungswachstum, braucht es mehr und nicht weniger Fleisch», folgerte Zemp.

Schweizweit leistungsmässig an der Spitze

Cyrill Gauch ist seit zwei Jahren Präsident von Braunvieh Aargau, in den Pandemie-Jahren waren die Aktivitäten natürlich stark eingeschränkt. Die Entwicklung des Verbands massgeblich mitgeprägt haben seine beiden langjährigen Vorgänger Hans Barmettler (1976 bis 1996 im Vorstand, 12 Jahre als Präsident) und Hugo Abt (1996 bis 2020 im Vorstand, 16 Jahre als Präsident).

In die Amtszeit von Barmettler fielen die erste Auktion auf dem Horben sowie, 1977, die erste Horba, die alle zehn Jahre stattfindet. «Ich wollte die Bauern anspornen, vermehrt auf Leistung zu züchten», erklärt Barmettler. «Mein Ziel war es, den Aargau schweizweit leistungsmässig an der Spitze zu positionieren.» Das ist denn auch gelungen und bis heute so geblieben. «Wir haben früh Wert auf gute Zuchtwerte gelegt», ergänzt Abt, «Zuchtwerte und Leistung hängen eng zusammen. Das hatten anfänglich nicht alle begriffen.»

Rassenkonkurrenz war ein Ansporn

Eine Pionierrolle spielten die Aargauer bei der Nachwuchsförderung, wie sowohl Barmettler als auch Abt betonen: «Unsere Jungzüchter waren um Jahre voraus, im Ausstellungswesen hatten sie national eine überproportionale Ausstrahlung.» Abt etablierte ferner einen jährlichen Weiterbildungsanlass.

Und er verweist auf eine kantonale Besonderheit: «Für den Aargau typisch war stets die grosse Konkurrenz zwischen den drei sehr starken Rassenverbänden. Die Vergleiche untereinander waren für alle ein Ansporn. Wenn wir nicht auf den Leistungszug aufgesprungen wären, gäbe es das Braunvieh als Milchrasse nicht mehr», ist er überzeugt.

Horben noch nicht ganz abgeschrieben

Der Vorstand unter Cyrill Gauch will die Weiterbildungsanlässe weiterführen und die Stierenvorstellung zusammen mit Swissgenetics wieder aufnehmen. Und wie steht es eigentlich mit der Horben-Auktion? «Nach der zweijährigen Zwangspause hatten wir wieder einen Anlauf genommen. Es kamen jedoch nicht genug Anmeldungen zustande.

Die meisten Besitzer wollten ihre Tiere behalten, weil der Milchpreis gestiegen ist», erklärt Gauch. Definitiv abgeschrieben sei die Auktion jedoch nicht. «Sie war immer sehr gute Werbung für uns. Und die Verkäufer haben in der Regel bessere Preise erzielt als im Handel.»

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