Gerade in den Sommermonaten wird auf ein Unwohlsein oft die Frage gestellt: Heute schon genug getrunken? Täglich eine ausreichende Menge Wasser zu sich zu nehmen, fördert den Nährstofftransport im Körper, sichert die optimale Thermoregulation und unterstützt nicht zuletzt einen stabilen Kreislauf. Das gilt für Mensch und Tier gleichermassen.
Ausreichende Hydration ist wichtig
Für Schweine ist die Aufnahme einer ausreichenden Wassermenge in jeder Lebensphase wichtig. Bei der rasanten Gewichtszunahme von Mastschweinen etwa, wird eine ungenügende Wasseraufnahme mit direkten Leistungseinbussen in Verbindung gebracht. Zuchtsauen sind ebenfalls besonders auf genügend sauberes Wasser angewiesen. Das Postpartale-Dysgalaktie-Syndrom (auch bekannt als Milchfieber oder MMA) tritt beispielsweise häufig nach dem Abferkeln auf und steht in direktem Zusammenhang mit reduzierter Wasseraufnahme.
Der Wasserbedarf variiert
Schon bei Saugferkeln, deren Hauptflüssigkeitslieferant zwar die Muttermilch ist, wird eine Wasseraufnahme aus der Tränke bereits in den ersten 18 Stunden beobachtet, das zeigen Studien.Verschiedene Aspekte wie zum Beispiel Aussentemperatur, aufgenommene Futtermenge und -zusammensetzung und der physiologische Zustand (z. B. Stress oder Krankheit) beeinflussen ebenfalls den Wasserbedarf. Grundsätzlich unterscheidet sich der tägliche Wasserbedarf bei Schweinen verschiedenen Alters wie folgt:
- Saugferkel (<28 Tage): 0,2–0,4 Liter
- Absetzer ( –25 kg): 1–4 Liter
- Mastschwein 25–50kg: 4–6 Liter
- Mastschwein 50–75kg: 5–8 Liter
- Mastschwein 75–110kg: 7–10 Liter
- Sau am Ende der Tragzeit: 10–15 Liter
- Laktierende Sau: 15–30 Liter
Um eine ausreichende Wasserversorgung zu ermöglichen, ist es essenziell, den Tieren eine funktionsfähige und verlässliche Tränkeanlage zu bieten. Die gängigsten Modelle in der Schweizer Schweinehaltung seien Nippel- oder Beckentränken, wobei Nippeltränken deutlich häufiger in den Ställen zu finden sind. Da sind sich Christine Neubert, Beraterin für Tierhaltung bei der Inforama, und Alois Estermann, Tierarzt und Verkaufsleiter bei der UFA Sursee, einig.
Tränke muss für alle gut zu erreichen sein
Besonders zu empfehlen sei laut Alois Estermann der Lubing-Nippel. Der Druck sei bis auf 1 Bar einstellbar, denn der Nippel funktioniert auch bei geringem Wasserdruck. Weitere Vorteile: Der Druck kann am Nippel selbst eingestellt werden, die Schweine können auch von der Seite Wasser aufnehmen und der Wasserverlust sei sehr gering. Christine Neubert gibt zu bedenken, dass die Nippeltränken auf der richtigen Höhe installiert werden müssen, so dass alle Tiere den Nippel gut erreichen können.
Aus Beckentränken nehmen Schweine mehr Wasser auf
Während die Nippeltränke zumeist bei Mastschweinen zum Einsatz kommt, findet man bei säugenden Sauen und deren Ferkeln als «Mutter-Kind-Tränke» oft die Beckentränke. Eine kleine Menge Wasser sammelt sich dabei auf die Betätigung des Tieres hin in einem kleinen Becken und kann dann aufgesaugt werden. «Fürs Tier wäre eine Beckentränke absolut das Beste», erklärt Alois Estermann. «Man weiss, dass ein Tier, welches aus einer offene Tränke trinken kann, mehr Wasser aufnimmt als ein Tier, dem eine Nippeltränke zur Verfügung steht.» Aber warum?
Das Schwein ist ein Saugtrinker
Das Trinken aus einer offenen Wasserfläche entspricht dem natürlichen Trinkverhalten des Schweines, was die Schnauze ins Wasser eintaucht und dann einsaugt. «Bei den Nippeltränken muss daher darauf geachtet werden, dass die Tiere auch tatsächlich genug Wasser aufnehmen», ergänzt Christine Neubert. Obwohl die ausreichende Wasserversorgung in der Schweinehaltung ein hohes Mass an Wichtigkeit einnimmt und Beckentränken für eine höhere aufgenommene Wassermenge sorgen, sind diese seltener im Einsatz.
Becken verschmutzen leicht
«Aus hygienetechnischen Gründen ist die Nippeltränke der Beckentränke vorzuziehen und zu empfehlen», erklärt Alois Estermann diesen Umstand. In Beckentränken sammelt sich durch das stehende Wasser viel Schmutz und es entsteht ein Biofilm. Deshalb müssen die Beckentränken täglich gründlich gereinigt werden, um einem Krankheitseintrag vorzubeugen. Das sei viel Arbeit, so Estermann weiter. Das Risiko eines Krankheitseintrages sei bei Beckentränken aufgrund der verminderten Hygienestufe höher, bestätigt Christine Neubert. «Das heisst nicht, dass Tiere, denen eine Beckentränke zu Verfügung steht, öfter krank sind. Aber das potenzielle Risiko ist in dem Fall einfach höher», so Neubert weiter.
Auf Hygiene achten
Vor allem bei empfindlichen Saugferkeln, die oft aus einer Mutter-Kind-Tränke trinken, ist auf eine disziplinierte Hygiene zu achten. Ausserdem müssen die Richtwerte der Wasserhygiene eingehalten werden und das Wasser muss von guter Qualität sein, ergänzt Alois Estermann. Schlussendlich findet sich bisher in den Schweineställen noch keine Tränke, die das natürliche Trinkverhalten der Schweine bedient, aber trotzdem die hygiene- und arbeitstechnischen Vorteile der Nippeltränke einschliesst.

