Ihre Zeit als Präsident bei Braunvieh Schweiz neigt sich nach 17 Jahren dem Ende zu. Mit welchen Emotionen verlassen Sie den Verband?
Markus Zemp: Auf der einen Seite freue ich mich. 17 Jahre sind eine lange Zeit. Ich verlasse den Verband mit einem guten Gefühl. Braunvieh Schweiz ist gut aufgestellt. Auf der anderen Seite gehe ich sicherlich auch mit Wehmut. Ich habe dieses Amt ausgesprochen gerne ausgeführt. Der nahe Kontakt zu den Züchtern und dem Personal wird mir sicherlich fehlen. Mir bleiben viele schöne Gedanken.
Sie wurden damals in einer Kampfwahl zum Präsidenten gewählt. Denken Sie hin und wieder noch daran zurück?
Ja, vor allem seit dem Tod von Markus Harder vor zwei Jahren. Ich habe diese Kampfwahl als sehr positiv erlebt und viel daraus gelernt. Wenn man in einer Kampfwahl gewählt wird, ist man stärker, als wenn man mangels Alternativen Präsident wird. Es war ein fairer Wahlkampf mit zwei fähigen Kandidaten. Obwohl die Spannung kurz vor der Wahl zunahm, blieben Markus und ich Freunde. Ich habe seine Arbeit im Vorstand als Vizepräsident sehr geschätzt. Die Kompetenzen waren den Fähigkeiten entsprechend aufgeteilt. Wir waren ein Traumduo. Entsprechend traurig stimmte mich die Nachricht von seinem Tod.
Auf was, das Sie im Rahmen Ihres Präsidiums erreicht haben, sind Sie besonders stolz?
Ein Thema war die Förderung des Viehexports. Das konnte ich in Zusammenarbeit mit Behörden, Viehhandel und der Politik schnell erreichen, unter anderem dank dem Export nach Kosovo, den ich im Rahmen meiner Anstellung beim Schweizer Bauernverband führen konnte. Der Export ist bis zur Abschaffung der Beiträge gut gelaufen. Ein weiteres Ziel war es, die Zusammenarbeit mit den Zuchtverbänden zu fördern. Ich bin stolz, dass mit den Tochterfirmen Qualitas und der Suisselab die kostenintensiven Bereiche gut zusammengeführt werden konnten. Das war ein schwieriger Prozess.
2001 folgte die Reorganisation im Verband mit Fokus auf Dienstleistungen und einer straffen Führung. Ich denke, das ist auch noch heute die richtige Form. Züchterisch war es mir immer wichtig, dass die Hoheit bei den Züchtern bleibt. Das
haben wir erreicht. Wir
bieten als Verband einzig Instrumente an und führen das Herdebuch als Basis. Mir war es wichtig, dass wir neue Instrumente wie die Genomik oder das Sexing relativ zügig eingesetzt haben.
Worauf sind Sie weniger stolz?
Es ist mir nicht gelungen, den Marktanteil der Braunviehtiere zu halten. Auch haben wir es nicht erreicht, dass wir für die hervorragenden Inhaltsstoffe der Braunviehmilch einen fairen Preis erhalten.
Wie kann Gegensteuer gegeben werden?
Wir müssen unsere Stärken ausbauen. Unsere Positionierung mit der fitten Eiweisskuh muss weiter verfolgt werden. Die Braune Kuh hat vor allem im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen Chancen. Wir brauchen künftig mehr denn je eine standortgerechte Kuh, die Raufutter optimal verwerten kann. Aber ich denke, dass die braune Kuh in der Leistungssicherheit noch zulegen muss.
Worauf muss in Zukunft vermehrt geachtet werden?
Die Zucht muss in bäuerlichen Händen bleiben.
Das ganze ungekürzte Interview lesen Sie in der aktuellen BauernZeitung vom 4. November

