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Mehr Luft für das Wohlbefinden der Kühe

Eine erhitzte Kuh steht viel mehr und bringt dadurch weniger Leistung. Dagegen können Lüftungssysteme im Stall helfen. Am Stallgang des Ebenrain-Zentrums wurden die Grossraum-Deckenventilatoren im Boxenlaufstall des Gutsbetriebs vorgestellt.

«Eine Kuh, die viel liegt ist gesünder und leistet mehr. Das bedeutet mind. 1 Liter mehr Milch pro Kuh und Tag für jede extra Stunde Liegen», berichtet Fabian Dettwiler am Stallabend des Ebenrain-Zentrums für Landwirtschaft, Natur und Ernährung in Sissach vergangene Woche. Durch das Liegen werde das Euter um 30 Prozent mehr durchblutet als beim Stehen, «wir erlangen damit zudem ein effizienteres Wiederkäuen und die Klauen ruhen, werden durchblutet und trocknen ab», führt er weiter aus. Ob die Kuh letztendlich liegt oder steht, entscheide u. a. auch die Körpertemperatur.

«Eine abgekühlte Kuh mit weniger als 37,8°C Körpertemperatur liegt ab. Ist die Kuh mit 39°C aufgeheizt, steht sie wieder auf. Durch Stehen kühlt die Kuh aber nur um 0,26°C pro Stunde ab. Also muss zusätzlich gekühlt werden», stellt Dettwiler fest. Dies kann mit Hilfe von Beschattung, Wasser, Sprinkler und vor allem mit Luft geschehen. Denn schon 3 m/s Luftströmung (bis 5 m/s) würden für ein Abliegen ausreichen. Luft benötige die Kuh vor allem am Kopf. Damit leitet er über zum Fachexperten Thomas Jenni vom Familienunternehmen Jenni Lüftungen AG mit Sitz in Ruswil.

Abliegende Kühe heizen sich gegenseitig auf

In Milchviehställen gibt es zig verschiedene Lösungen, um Luftströmungen zu erzeugen. Die Jenni Lüftungen AG bietet beispielsweise über 200 Modelle von Ventilatoren und verschiedenste Lüftungssysteme an. «Wenn man nicht vor Ort ist, lässt es sich schwer sagen, welches Lüftungssystem für den jeweiligen Stall am besten geeignet ist. Eine allgemeine Lösung, die sich für jeden Stall eignet, gibt es schlicht nicht. Deshalb bin ich lieber vor Ort, schaue, wie das Gelände und die Situation aufgebaut sind», erklärt Thomas Jenni. Er hat das Lüftungssystem auf dem Gutsbetrieb in Ebenrain geplant und umgesetzt.

«Eine allgemeine Lösung, die sich für jeden Stall eignet, gibt es nicht.»

Deshalb empfiehlt Thomas Jenni von der Jenni Lüftungen AG eine Vor-Ort-Beratung, um Stall und Gelände einschätzen zu können.

Der 1999 erstellte Boxenlaufstall des Gutsbetriebs besitzt keinen deckenlastigen Heustock, der gegen die Sonneneinstrahlung als Isolation dient. Ausserdem ist der Stall nur rund drei Meter hoch. «Wie sich ein Stall aufheizt, hängt von der Höhe des Stalls, dessen Lage und der Dach­isolation ab», konstatiert Jenni. Aber auch vom Abstand der Tiere zueinander: «Weil die Kühe in den Liegeboxen dicht nebeneinander liegen, wärmen sie sich gegenseitig auf. Auch atmen sie gegenseitig ihre Abgase ein, weil die Luft stehen bleibt.» Deshalb sollte das Hauptaugenmerk auf die Liegefläche gelegt werden. In einem weiteren Schritt sind aber auch Fressachsen, Abkalbeboxen, Melkstände und Warteräume zu optimieren.

Klima besser steuern lassen als selbst fühlen

Wie kann man das Klima im Stall am besten steuern? «In der Praxis bewährt sich am besten eine automatische Klimasteuerung mit Temperaturfühlern», sagt Thomas Jenni. Mit einer Klimasteuerung wird die Drehzahl – von einer oder mehreren Ventilatoren-Gruppen – automatisch geregelt. «Zur Abkühlung im Stall empfehlen wir auch aus Hygienegründen immer eine gute Ventilation. Eine Wasservernebelung im Stall empfehlen wir nicht, weil diese im Sommer nur kurzfristig für eine Temperatursenkung sorgen und es dadurch im Stall sehr feucht und tropisch wird.»

Wenn es im Stall Kuhduschen oder Sprinkler gibt, könne zusätzlich auch die Feuchtigkeit gemessen werden. Die Verdunstungskühlung auf der Haut der Tiere kommt an ihre Grenzen, wenn die relative Luftfeuchtigkeit zu hoch wird. Deshalb werde anhand des TH-Index (Temperatur- und Luftfeuchtigkeits-Index) die Kuhdusche geschaltet und die Ventilator-Tonnen automatisch geregelt. Kann also Wasser nicht mehr verdunsten, stellt sich die Anlage ab. Von einer manuellen Steuerung rät Jenni ab, da es doch zu schwer sei, selbst einzuschätzen, wann eine Abkühlung eingeleitet werden sollte.

Luftströmung sorgt für einen kühlenden Effekt

Im halboffenen Boxenlaufstall in Ebenrain kann bereits am Morgen die Temperatur erhöht sein. Die Liegehalle ist eher lang und schmal an jeder Stirnseite. Eine Strömungskühlung wäre ideal, dies sei aber gemäss Thomas Jenni nur mit einer Zwangsbelüftung zu kontrollieren.

Um die Luft rauszubefördern, wird mit Unterdruck gearbeitet, d. h. frische Luft wird nachgeholt und die schadgashaltige Abluft verdrängt. Dafür hat Jenni Grossraum-Deckenventilatoren mit einem Flügelrad-Durchmesser von 3 m eingebaut. «Die Höhe vom Boden zur Decke muss mind. 2,7 m betragen, um diese Ventilatoren ohne Schutzgitter anbringen zu können – was wir hier gerade so erreichen», sagt Jenni. Mit dem Magnet-Motor wird eine Luftleistung von über 70'000–150'000 m3/h erreicht, was eine Fläche von rund 10 bis 15 m Durchmesser abdeckt und für eine gleichmässige Strömung auch zwischen den Körpern sorgt. Die leisen Magnet-Motoren bewähren sich gemäss Jenni vor allem bei Dauerbetrieb sehr gut. Durch den grossen Durchmesser des Ventilators werden weniger Umdrehungen benötigt und max. nur 500 Watt verbraucht. Bei geringer Luftgeschwindigkeit kann die Luft auch bei kühlen Temperaturen Feuchtigkeit aufnehmen, meint Jenni, was für die Hygiene im Liegebett optimal sei.

Nicht kühler, aber durchlüftet

Beim Stallgang fällt die deutlich geringere Geruchsbelastung durch die Umluft der Ventilatoren auf. Auch ist der Luftstrom bei erhöhter Drehzahl der Ventilatoren zu merken. Ruedi Hirsbrunner, Pächter des Gutsbetriebs, wirft aber ein: «Wir können mit den Ventilatoren die Temperatur kaum beeinflussen. Diese bleibt ähnlich hoch wie gehabt. Dafür müssten wir das Dach des Stalls isolieren. Wäre der Stall höher, wäre die Hitze kein solches Problem.» Mit der Durchlüftung erreiche man aber, dass die Luft in Bewegung bleibt und sich nicht staut, was einen kühlenden Effekt auf das Tier hat.

Kunststoffbügel für mehr Komfort

Im Boxenliegenstall des Gutsbetriebs Ebenrain wurden zudem neue Bügel aus Kunststoff angebracht. Diese haben gemäss Pächter Ruedi Hirsbrunner einen geringeren Durchmesser und mehr Flexibilität. «Man gewinnt pro Box etwa 2 bis 3 cm mehr Platz für die Kuh», sagt er. [IMG 2] Diese Bügel gebe es in verschiedenen Ausführungen. Hier zum Vergleich geschlossene und offene Bügel montiert. Hirsbrunner bemängelt bei den offenen Bügeln, dass die Kuh mit dem Halsband leicht hängen bleiben könnte, was auch einmal passiertsei. Die geschlossenen Bügel seien ihm sympathischer. Nachteilig wirken sich die beweglichen Bügel aus,weil die Kuh sich in der Box kehren und Retour abliegen kann.

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