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Ist der Anbindestall wirklich ein alter Zopf? Nein, da liegen Sie falsch!

Unser Gastautor reagiert mit seinem Beitrag auf eine Analyse der BauernZeitung. Darin wurde den Produzenten angeraten, sich über die Zukunft der Anbindehaltung Gedanken zu machen.

Wahrscheinlich ist Livio Janett im Berggebiet aufgewachsen, er schreibt in der Analyse in der BauernZeitung vom 10. Februar 2023, der Anbindestall sei dort die Regel, was ich ihm natürlich bestätige.

Fast 50 % der Kühe im Anbindestall

Nachfolgend aber einige Richtigstellungen zu seiner Analyse: Nach unseren Informationen stehen schweizweit immer noch fast 50 % der Kühe im Anbindestall und nicht nur über 40 %. Am RAUS-Programm nehmen 86 % der Kühe teil, Tendenz steigend. Zum Vergleich kommen im Laufstall lediglich 40 % der Kühe in den Genuss von BTS. RAUS im Winter und täglicher Weidegang während der Vegetationszeit sind für uns selbstverständlich. Wenn die Kühe im Sommer gealpt werden, sind sie häufig gar nur zum Melken, bei grosser Hitze oder bei Schneefall im Stall.

Janett wirft die Frage auf, ob der Anbindestall ein alter Zopf und ein Auslaufmodell sei. Keineswegs! Unser System ist beim Tierwohl sowie aus wirtschaftlicher und umweltpolitischer Sicht dem Laufstall ebenbürtig. Nach wie vor braucht es in der Schweiz beide Systeme.

Die Anbindehaltung erfüllt als traditionelle, aber auch zeitgemässe Haltungsform sämtliche Anforderungen: Für das Tier ist sie stressfrei und damit sehr tierfreundlich, die Verletzungsgefahr ist im Anbindestall verschwindend gering im Vergleich zum Laufstall. Gemäss einer aktuellen Umfrage gibt es praktisch keine unfallbedingten Abgänge bzw. Notschlachtungen im Anbindestall. Die Hauptursache für Notschlachtungen im Laufstall ist mit 65 % Vergritten.

Nachhaltig und kostengünstiger

Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Anbindehaltung nachhaltig, ressourcenschonend und viel kostengünstiger. Dadurch ist sie auch ökologisch sinnvoll sowie umwelt- und klimafreundlich. Für den Bauern ist die Anbindehaltung bedürfnisgerecht und innovativ, dadurch zukunftsorientiert und trotzdem traditionell. Nach wie vor werden in der Schweiz neue Anbindeställe gebaut.

Uns ist bekannt, dass im nahen Ausland der Absatz von Milch aus Anbindeställen künftig nicht mehr gewährleistet ist. Wir finden dies äusserst befremdlich, auch dass der Verruf der Anbindehaltung zunehmend in die Köpfe der Konsumenten gedrillt wird. Lasst uns weiter Milch und Fleisch aus der Schweiz konsumieren, lasst uns regional einkaufen, denn so tun wir am meisten für das Klima und die Umwelt! Die Schweiz ist als Grasland der perfekte Lebensraum für Wiederkäuer. An Gras ist noch kein Mensch satt geworden, nur wenn wir es zu Milch und Fleisch veredeln, können wir unsere Ressourcen voll ausschöpfen.

Es waren auch Jungbauern dabei

Janett hat auch geschrieben, dass vor allem die ältere Generation der Einladung für die Hauptversammlung gefolgt sei. Es ist so, dass tagsüber abgehaltene Versammlungen eher von älteren Mitgliedern besucht werden. Leider wirft heute die Landwirtschaft vielfach nicht mehr genug ab, um den Lebensunterhalt ohne Nebenverdienst zu bestreiten. Wer auswärts arbeitet, kann nicht an jeder Versammlung teilnehmen.

Das dem Bericht im «Frutigländer» angefügte Foto präsentiert ein anderes Bild, dort ist ersichtlich, dass auch zahlreiche Jungbauern anwesend waren. Für uns ergibt sich ein Widerspruch, wenn Janett schreibt: «Nach wie vor erachten junge Landwirte also die Anbindehaltung in Kombination mit regelmässigem Weidegang als das Beste für ihren Betrieb und sie engagieren sich dafür.»

Ich bin überzeugt, dass der Anbindestall in der Schweiz auch künftig seine Berechtigung hat!

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