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Im Baselbiet werden Zäune geöffnet – Fünf Rinder eingefangen

Es scheint, dass im oberen Baselbiet in letzter Zeit mutwillig Weidezäune geöffnet werden. Die Folgen könnten verheerend sein, und es ist nicht der einzige Vorfall in der Region. Z. T. hängen die Vorkommnisse mit der Corona-Krise zusammen.

Am Mittwoch der vergangenen Woche zog vormittags eine Meldung im Facebook die Aufmerksamkeit von Bauernfamilien im oberen Baselbiet auf sich. Dort hatte der junge Landwirt Markus Handschin vom Hofgut Grosstanne, Bubendorf BL, geschrieben: «Schaut gut zu euren Weidezäunen! Es gibt zurzeit in unserem Umkreis Leute, welche diese aufschneiden. So war es den Rindern von unseren Nachbarn Rahel und Dominic Sprunger vom Hofgut Wildenstein möglich, sich in unserem Rapsfeld zu tummeln.»

Eine Abenteuerliche Suche nach dem Vieh

Die BauernZeitung erkundigte sich gegen Mittag bei Sprungers, wie es ihnen gehe. Die Bäuerin meinte: «Nach einer halb durchwachten Nacht, wo wir auf der Suche nach fünf ausgebüxten Rindern waren, sind wir müde.» Morgens um halb zwei Uhr habe die Polizei angerufen und gefragt, ob sie Rinder vermissen würden. Beim sofortigen Nachsehen hätten sie festgestellt, dass der Weidezaun defekt sei und die fünf Rinder in Freiheit. Stundenlang suchten sie die Tiere und konnten vorerst eines nach Hause bringen. Weil die anderen nirgends zu erspähen waren, stellten sie die Suche gegen Morgen ein und suchten weiter bei Tageslicht. Die Schilderung der Suche gleicht einem kleinen Abenteuer: Sprungers fuhren mit dem Anhänger hinterher, als sie die zwei Rinder im Rapsfeld von Handschins entdeckten. Einladen konnten sie allerdings nur eines, weil das andere inzwischen wieder Reissaus genommen hatte.

Abgebrochene Zaunpfosten gefunden

«Jetzt, wo alles gut abgelaufen ist, kann ich lachen über die Episode», sagt Rahel Sprunger, «aber während der Suche war es alles andere als lustig.» Das Paar ist dankbar, dass nichts passiert ist. Übrigens hatten sie am Tag bevor die Rinder freikamen, auf einer anderen Weide einen zerstörten und abgebrochenen Eckpfosten gefunden. Fragen bei verschiedenen Familien in der Gegend brachten kuriose Dinge zu Tage. Da öffneten vor rund drei Wochen zwei Teenager Mädchen nachts einen Weidezaun, weil sie fanden, die Tiere hätten zuwenig Platz. Oder Biker, welche offensichtlich auf Wegen und Strassen mehr Fläche für sich beanspruchen, legen Weidezäune nieder, damit sie ungehemmt in und durch Äcker und Wiesen düsen können.

Sich erklären können ist der Wunsch des Bauern

Markus Handschin meint, die Häge seien zwar nicht kaputt: «Aber wenn ich mir vorstelle, was passieren kann. In der Zeit, bis der Bauer den Mangel bemerkt, kann viel Unglück geschehen.» Bauernfamilien sei es wichtig, dass es ihren Tieren drinnen und draussen gut gehe, schliesslich sorgten diese für ihr Auskommen. Wenn nichtbäuerliche Personen das Gefühl hätten, Tiere würden nicht korrekt behandelt, sollten sie an Ort und Stelle auf die Tierhalter zugehen und eine Antwort verlangen. «Wir kümmern uns täglich um die Tiere mit ihren Eigenheiten, uns ist es wohl, wenn es ihnen wohl ist», hält er fest, «so würden wir uns gerne erklären, wenn Leute das Gefühl haben, wir würden sie nicht korrekt behandeln.»

Die Flucht aufs Land

Bei der Umfrage im Baselbiet erwähnten viele Landwirte, was zurzeit überall an abgelegenen lauschigen Orten passiert. Eine Bäuerin am abgeschiedenen Scheltenpass, der den Kanton Solothurn mit dem Kanton Jura verbindet, erzählt von den Kolonnen von Motorrädern, Autos und Wohnwagen, hauptsächlich mit Zürcher und Luzerner Nummern, die sich seit dem Lockdown über die enge, kurvenreiche Strasse quälen. Mittendrin auf einer netten Wiese werde parkiert, Campingmöbel und Kühlboxen würden hervorgeholt und dann werde laut gefeiert. «Und wenn die Fete vorbei ist, dürfen wir Bauern noch den Unrat zusammenlesen», ergänzt sie. Es habe etwas gebessert, weil es mehr Polizeipatrouillen gebe. Die ländliche Bevölkerung hat einerseits Verständnis, dass Städter zurzeit die Natur suchen. Aber wenn dabei Wiesen belagert und zertrampelt und zugemüllt werden, hört das Entgegenkommen auf. Da gebe es nur noch eins – wie beispielsweise im Naturschutzgebiet Wildenstein – wo der berühmte uralte Eichenhain komplett gesperrt werden musste.

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