Die Region im Süden vom Schwarzwald ist bekannt für den Ackerbau. Mais, Weizen und Raps bestimmen das Ortsbild. Die meisten Wiesen an den Hängen sind längst dem Pflug gewichen. In einem Seitental, im Schatten des Langen Randens, mussten die Äcker wieder den Wiesen Platz machen. Als Hanspeter Bleuler den Wetzenhof in Schleitheim übernahm, stellte er dessen Strukturen auf den Kopf.
Es muss mehr Freiheit her
Als Vater Christian Bleuler 2010 ankündigte, dass er den Hof an seinen Sohn abgeben wollte, arbeitete Hanspeter Bleuler noch zu 100 Prozent bei einem Lohnunternehmen im Kanton Solothurn. Er konnte nicht einfach seine verantwortungsvolle Stelle kündigen. Der Vater führte einen herkömmlichen Betrieb mit Ackerbau, Rinder- und Schweinemast. Die Schweinemast blieb, Christian Bleuler besorgt diese Arbeit weiterhin.
Die Rindermast und den grössten Teil des Ackerbaus hat Hanspeter Bleuler jedoch aufgegeben. «Ich musste eine Lösung finden, damit ich etwas mehr Freiheit hatte», erzählt er. Heute spielen Pferde, wo Getreide wuchs, und Hochstamm-Feldobstbäume zieren die Landschaft rund um den Hof. Die Umstellung machte den jungen Bauer zum Spott vieler Landwirte. Auch seine Eltern sorgten sich um den Betrieb, den sie mit viel Fleiss aufgebaut hatten. Es war nicht einfach, gegen die gängigen Traditionen anzukämpfen.
Traditionelles hat Platz
Die Pferdeweide hat Tradition auf dem Wetzenhof. Früher gab es eine Fohlenweide, als der Betrieb noch Teil des Gutshofs des Spitals in Schaffhausen bildete. Hanspeter Bleuler fand, das würde gut in seine Strukturen passen. 95 Prozent seiner 37 Hektaren liegen um den Hof. Obwohl die Region eine der trockensten der Schweiz ist, bleibt sein Land durch den Schatten des Hügelzugs lange nass und kalt. Die Böden sind karg, genau das Richtige für extensive Wiesen. Heute werden nur noch auf acht Hektaren Weizen, Triticale, Gerste oder Roggen angebaut und auf zwei Hektaren Zuckerrüben. Mais gibt es keinen mehr. Der Druck der Wildschweine vom Wald her war zu gross. «Wenn schon Zäune aufstellen, dann lieber für Pferde», war Bleulers Erkenntnis.
«Das funktioniert nicht», wurde Bleuler immer wieder gesagt, als er für eine Alters- und Winterweide für Pferde Informationen sammelte. Er sei zu nahe an der Grenze, die Deutschen können das billiger anbieten, er würde keine Kunden finden, er würde «verlumpen». Bleuler hörte nicht auf die negativen Stimmen. «Mir wurde immer klarer, dass es für mich das Richtige ist. Ich finde es eine Herausforderung, etwas zu machen, das man nirgends abschauen kann.» Der 43-jährige Landwirt spricht leise und ruhig. Bleuler war schon als Kind anders, was damals nicht immer einfach war. Heute weiss er das Anderssein als Tugend zu betrachten. «Nur immer anders, sonst ist es langweilig», meint er lachend.
Betriebsspiegel Wetzenhof
Ort: Schleitheim SH Arbeitskräfte: Betriebsleiter Hanspeter Bleuler, sein Vater Christian Bleuler, Mitarbeiterin Angela Ganter LN: 37 Hektaren Höhenlage: 550 m ü. M. Produktionszweige: 280 Mastschweine, 30 Pensionspferde, 1100 Obstbäume, 8 ha Getreide, 2 ha Zuckerrüben Produktionsweise: IP-Suisse
Die Kunden kamen
Ein grosszügiger Pferdestall wurde erstellt. Die befestigten Plätze vor dem Gebäude sind für Schweizer Verhältnisse sehr gross. Dadurch, dass die Weiden an den Hof grenzen, können die Pferde selbst entscheiden, wann und ob sie auf die Weide wollen. Die Kunden kamen. Heute sind es um die 15 Pferde auf der Altersweide und nochmals etwa 15 auf der Winterweide, die von November bis März angeboten wird. Eine Facebook-Seite wirbt mit idyllischen Fotos von spielenden Pferden in der Abendsonne. «Die Mund-zu-Mund-Werbung läuft gut. Ich denke, dazu gehört, dass bei uns die Pferde ihr Leben geniessen dürfen», sagt Hanspeter Bleuler. «Dann ist der Preis zweitrangig.» Die Mitarbeiterin Angela Ganter ist für die Pferde zuständig. Bleuler ist geschieden und hat zwei schulpflichtige Kinder, die zur Hälfte bei ihm wohnen.
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Auf Ökoausgleich gesetzt
Schon im Herbst 2010 pflanzte Hanspeter Bleuler die ersten Obstbäume. «Ich suchte nach extensiven Alternativen, die zum Betrieb passen», erklärt er. Mit Hochstamm-Feldobstbäumen können Direktzahlungen aufgewertet werden. Dazu kommt, dass ihm das Obst gefällt. Jedes Jahr pflanzte Bleuler einige Hundert Bäume mehr. Heute wachsen 1100 Apfel- und Birnbäume von 15 robusten und alten Sorten heran. «Mit den Bäumen sind alle meine Wiesen in Ökoausgleichsflächen vernetzt, es hat keine Lücken.» Die Bäume werden maschinell geschüttelt und die Früchte von Hand aufgelesen und für den Direktverkauf zu Most verarbeitet. Für die Zukunft erwägt Bleuler eine maschinelle Auflese. Handelsdünger und Pflanzenschutz dürfen keine verwendet werden auf den Ökoflächen. Die Bäume müssen fachgerecht geschnitten und das Obst verwertet werden.
Bleulers Offenheit für andere Ideen kommt vielleicht daher, dass er drei Jahre auf Landwirtschaftsbetrieben im Ausland verbrachte: in Kanada, Australien und Neuseeland. «Wenn du die Ortstafel eine Weile von hinten ansiehst, schaust du die Welt anders an», glaubt der Bauer.

