Schlafen im Kompost. Besser lässt es sich kaum liegen, scheinen die Kühe im neuen Arenenberger-Stall zu sagen. Mitte April kamen 65 Interessierte auf dem Gutsbetrieb zum sechsten nationalen Erfahrungsaustausch über Kompostierungsställe zusammen. Das Tagungsprogramm bot viele Gelegenheiten, um von den Referenten und besonders voneinander zu lernen.
Einstreugut wird zu Kompost
«Ein Kompostierungsstall ist nicht ein Kompoststall», sagte Christof Baumgartner, Berater Milchproduktion Arenenberg, bestimmt. In einem Kompostierungsstall wird das Einstreugut zu Kompost verarbeitet. Statt Liegeboxen steht den Kühen eine grosse Fläche zu Verfügung. Diese ist gefüllt mit weichem, trockenem Material wie Holzspähne, Rindenhacke, das Ausgesiebte von Hackschnitzel oder Sägemehl. Unter mehrmaligem täglichen Wenden und durch die Zugabe von Kot und Urin durch die Kühe beginnt der Kompostierungsprozess, der nicht zu vergleichen ist mit einem Gärprozess. Die Hitze, die bei der Verrottung des Materials entsteht, tötet Keime ab.
Zufriedene Kühe
Die anwesenden Besitzer von Kompostierungsställen behaupteten alle, dass es ihre Kühe noch nie so gut hatten wie auf solch einer tiefen, weichen Matratze. «Unsere Kühe haben gesunde Klauen. Das war immer ein Problem im Anbindestall», sagte zum Beispiel Teilnehmer Franz Gmür. Die Kühe und besonders ihre Euter bleiben sauber. Und wenn der Prozess korrekt ausgeführt werde, bleibe die Eutergesundheit erhalten oder sie verbessere sich sogar. Die Liegefläche der Arenenberger Kühe sieht eher aus wie ein vorbereiteter Garten. Mindestens zweimal täglich wird die Fläche mit einer Bodenfräse bearbeitet. So wird Sauerstoff eingearbeitet und die Feuchtigkeit, die beim Kompostierungsprozess entsteht, kann entweichen. Zweimal wöchentlich wird mit dem Grubber das Material umgegraben. «Der Betonboden bleibt so immer schön trocken», sagt Betriebsleiter Hansjörg Hauser.
«Es gibt nichts zu diskutieren, es funktioniert.»
Roman Gmür, Landwirt mit 6-jähriger Erfahrung mit dem Kompostierungsstall.
Vor drei Wochen wurde das erste Mal eine grössere Menge fertiger Kompost aufs Feld abgeführt. «Mit einem C-N-Verhältnis von 41 zu 1 und einem pH-Wert von 8,5 war der Kompost noch nicht ideal verrottet», sagte Hauser. Ideal sei ein C-N (Kohlenstickstoff zu Nitrat) Verhältnis von 20 zu 1. Nach dem Winter ist das Verhältnis meist höher als später im Sommer, da im Winter viel öfter neues Material eingestreut werden muss und der Prozess stärker stattfindet. Im August soll der Liegeplatz vollständig geleert und neu eingestreut werden.

Geruchsfrei und gesund
Auffallend war der Geruch oder das Fehlen desselben. Kot und Urin verschwinden im weichen Material. In seiner Analyse zum ersten Jahr erläuterte Kilian Appert: «Mortellaro ist weg. Wir hatten sofort bessere Brunstanzeichen und Abkalbungen laufen problemlos ab.» Appert zeigte die Werte der Käsereimilchproben, alle Zahlen sind im sehr guten Bereich. Er riet: «Es ist wichtig, wenn neu eingestreut wird, die Kompostierungsmatte öfters zu bearbeiten.»
Eine Stellungnahme der Hochschule für Agrar- Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) über Kompostierungsställe bestätigt anhand der vorhandenen Studien eine 31-prozentige Emissionsreduktion von Ammoniak im Vergleich zu herkömmlichen Liegeboxenställen. Dafür entstehe deutlich mehr Lach- und Methangas. Christof Baumgartner gab zu denken, dass dafür ein Drittel weniger Gülle entsteht. «Es gibt noch nicht genug Forschung zum Gesamtsystem, um ein abschliessendes Urteil bezüglich Ökobilanz zu fällen», so Baumgartner.
Patrick Hodel aus Zell sollte das Projekt Wärmerückgewinnung aus der Kompostmatte vorstellen, welches er auf seinem Betrieb macht. Er musste krankheitshalber absagen. Das Projekt sieht vielversprechend aus. Die Frostschutzheizung für den Rinderauslauf funktioniert. Ob die entnehmbare Wärme als Wärmequelle für die Heizung des Wohnhauses reicht, das ist seine nächste Frage.
Material wird teuerer
Roman Gmür führt einen Betrieb in Gommiswald. Seit 2016 liegen seine 23 Kühe und Aufzuchtrinder im Kompostierungsstall. Er referierte über die Verfügbarkeit von Kompostmaterial und die Kosten. «Als wir anfingen, war das kein Thema, da war genügend billiges Material vorhanden», erzählte er. Konkurrenz von Biogasanlagen und Holzfeuerungssystemen machte die Materialerschaffung teurerer und komplizierter. «Beim Planen soll die Frage gestellt werden: Woher kommt das Material, auch in ein oder zwei Jahren?», riet Gmür. Er habe angefangen, Lagerraum zu schaffen. Während der Sommermonate gibt es genügend Material. Gmür verglich seinen Kompostierungsstall mit dem Tiefstrohbett seiner Kälber: «Es ist viel sauberer, ich muss eine stierige Kuh nicht rausnehmen.» Stroh kommt als Einstreu für ihn nicht in Frage. Die Kühe würden zu dreckig und es funktioniere nicht als Kompost.
Wertvoller Austausch
In Workshops konnten die Teilnehmer, gemischt in Kompostierungsställe-Betreiber und noch Suchende, ihre Anliegen diskutieren. Die Besitzer von Kompostierungsställen gaben ihre Erfahrungen gerne weiter. Ein Beispiel: Ein Landwirt verwendet erfolgreich trockenen Pferdemist aus 90 Prozent Sägemehl als Einstreugut. Die Feuchtigkeit im Stall war ein Hauptthema. Für Roman Gmür gibt es nur eine Lösung: Material auf die Matte nachliefern und nicht warten, bis sie feucht ist. Die Temperatur in der Matte beträgt um die 35º C, da entweicht viel Feuchtigkeit, die weg muss. Ventilatoren können Abhilfe schaffen.

