Funktionaler Stall für Top-Kühe

Alle, ob gross oder klein, setzen sich in der Familie Kern für die Braunvieh-Zucht ein. Sie haben mit Holzhofs Bender Valencia eine Champion im Stall. 2022 wurde der Milchviehstall um 18 Liegeboxen erweitert und der Heustock neu gebaut. Der Stall ist hell und gut durchlüftet.

Umgeben von Obstbäumen und saftigen Wiesen liegt der Holzhof. Hier am Wellenberg ist es ruhig. In der Nähe führt der Schwabenweg vorbei. Betriebsleiter Christian Kern trifft letzte Vorbereitungen. Am Nachmittag ist der erste Weidegang geplant.

Silofrei mit Mähweide

Die Familie Kern produziert silofreie Milch zur Produktion von Rohmilchkäse. «Wir züchten Braunvieh, weil wir mit dieser Rasse eine hohe Grundfutterleistung mit ausgezeichneten Milchgehalten erreichen können», erklärt Christian Kern. «Zudem sind die Kühe robust und langlebig, was es uns ermöglicht, die Kosten für die Remontierung tief zu halten», fügt er an.

Während der Vegetationszeit wird ein Mähweidesystem betrieben. Rund 18 ha Naturwiesen liegen in unmittelbarer Nähe. «Die Kühe sollen ihr Futter selbst holen, nicht zu gross sein und über ein gutes Fundament verfügen.» Die Mischration im Winter ist auf eine Milchleistung von 26 kg ausgelegt. Das Grundfutter stammt zum grössten Teil vom Betrieb. Um die Struktur der TMR zu verbessern, wird Luzerne zugekauft. Die Fütterung erfolgt ad libitum.

2019 übernahmen Christian und seine Frau Monika den Holzhof von Christians Eltern, später auch den Betrieb von Monikas Familie. Dieser liegt nur fünf Autominuten entfernt. Zehn Mutterkühe und ein Teil der Rinder werden dort versorgt.

Ein Champion im Stall

2022 wurde der Milchviehstall um 18 Liegeboxen erweitert und der Heustock neu gebaut. Der Stall ist hell und gut durchlüftet. Eine Kuh sticht heraus: Sie ist grösser, am ganzen Körper geschoren und trägt eine grüne Nummer auf der Flanke. «Das ist Valencia. Sie ist ein schönes Tier mit gutem, ruhigem Charakter. Fundament, Beckenbreite, Euter und obere Linie entsprechen unseren Zuchtzielen. Ihre Persistenz ist ausgezeichnet», führt Christian Kern aus.

Holzhofs Bender Valencia wurde an der 23. Topshow IG Braunvieh Thurgau-Bodensee zur Champion und Schöneutersiegerin gekürt. Den Titel «Champion» errang sie bereits zum zweiten Mal. «Die Thurgauer Züchtergruppe bewegt sich auf einem guten Niveau. Der Titel ist eine Anerkennung für unsere züchterische Arbeit und macht mich etwas stolz», sagt Kern. Valencia kam 2019 zur Welt und stammt aus der Zucht von Christians Vater Armin. Dieser arbeitet zu 100 % im Betrieb, ist in allen Betriebszweigen einsetzbar und vertritt den Betriebsleiter bei Abwesenheiten zusammen mit seiner Frau Susanne.

Holzhof

Name: Monika und Christian Kern Ort: Amlikon-Bissegg LN: 33 ha Viehbestand: 60 Milchkühe, 10 Mutterkühe, 100 Zuchtsauen

Gemolken wird in einem 2 × 3 Autotandem-Melkstand. Die Option für einen Melkroboter wurde beim Umbau offengelassen. «Wir haben uns aber für einen Mistroboter entschieden, waren zu Beginn mit seiner Leistung aber nicht zufrieden,» erzählt Kern. Erst jetzt sei der Roboter so programmiert, dass er effizient arbeite. Überzeugt ist der Landwirt hingegen von der Einstreuanlage. Geschnittene Quaderballen werden im Ballenauflöser zerkleinert. In der Strohmühle werden die Halme auf eine Länge von 6 cm gehäckselt und aufgeschlossen. Dadurch wird das Stroh saugfähiger. Anschliessend wird es entstaubt und über ein Rohrsystem zu den Abwurföffnungen über den Boxen oder in den Schweinestall befördert. «Wir sind schneller und sparen Arbeitszeit ein. Es staubt nicht, und wir können – ausser bei Wind – jederzeit einstreuen», sagt er.

Fruchtbarkeit verbessern

Verbesserungspotenzial sieht der Betriebsleiter vor allem in der Fruchtbarkeit. Aktuell seien z. B. 2,3 Besamungen pro Tier notwendig. Eine mögliche Ursache sieht Christian Kern in den langen Hitzeperioden: «Wenn kein Regen fällt, zersetzen sich Gülle und Kuhfladen nicht. Wir lagern verschmutztes Futter ein, was wir über die TMR wieder verfüttern.» Durchfall und ein Abfallen der Milchleistung beim Einzeltier seien die Folgen davon.

Das Ziel sind 15 bis 20 Aufzuchtkälber pro Jahr. Zur Zucht selektierte Kühe belegt Kern grösstenteils mit gesextem Sperma. Kühe, deren Kälber für die Nachzucht nicht infrage kommen, werden mit Limousin oder Blonde d’Aquitaine belegt.

Ein Drittel der Aufzuchttiere wird in Sedrun gealpt. Die übrigen Kälber werden im Prättigau und Val Lumnezia im Vertrag aufgezogen. Getränkt wird mit angesäuerter Milch. Auch bei den Galtkühen in der Transitphase setzt Kern auf saure Mineralsalze, um Aceton und Milchfieber vorzubeugen. «In der ersten Phase füttern wir ausschliesslich nährstoffarmes Heu», führt er aus.

Gutes Herdenmanagement

«Das Trockenstellen erfolgt nach einem genauen Plan und die Boxenhygiene wird bei uns grossgeschrieben. Auch beim Zitzentauchmittel sparen wir nicht», zählt Christian Kern auf. So seien sie mit Eutergesundheit und Zellzahlen sehr zufrieden. Bei über 60 % der Tiere könne auf Antibiotika zum Vergalten verzichtet werden.

Die Leidenschaft für die Braunviehzucht ist bei der Familie spürbar und scheint sich bereits auf die nächst Generation zu übertragen. Tochter Alina (5 Jahre) möchte nächstens mit Capri am Kälberwettbewerb der Viehzuchtvereine am Wellenberg und Herdern und Umgebung teilnehmen. Dafür übt sie fleissig und mit viel Geduld, auch wenn Capri im Moment wohl eher die saftige Wiese als den Vorführring im Sinn hat.