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Fleischkaninchen dank App einfacher betreuen

Eine App soll einen Überblick der Gesundheit der Tiere verschaffen, der bisher weitgehend fehlte. Das vereinfacht die Betreuung, da Probleme leichter identifiziert werden können.

Im internationalen Vergleich liegen die Schweizer Standards der kommerziellen Haltung und Zucht von Fleischkaninchen auf einem hohen Tierschutzniveau. Die Minimalanforderungen der Schweizer Tierschutzverordnung verbieten unter anderem die Haltung auf Drahtgitterböden und schreiben die Gruppenhaltung von Kaninchen bis zum Alter von acht Wochen vor. Zusätzlich dazu müssen Betriebe, welche unter dem Tierwohlprogramm Besonders Tierfreundliche Stallhaltungssysteme (BTS) oder dem Label IP-Suisse produzieren, weitere Anforderungen erfüllen. So muss etwa allen Kaninchen ein ständiger Zugang zu Raufutter gewährleistet werden und den Tieren steht mehr Platz als in den gesetzlichen Mindestanforderungen zur Verfügung. Zudem ist es vorgeschrieben, dass Mastkaninchen immer in Gruppen gehalten werden und dass ein Teil der Bucht eingestreut sein muss.

Daten fehlen

Trotz dieser artgerechteren Haltungssysteme scheinen Tierverluste jedoch ein erhebliches Problem darzustellen. Exakte Zahlen zur Gesundheit und Leistung sowie zum dazugehörigen Antibiotikaeinsatz in der Schweizer Fleischkaninchenproduktion fehlten bis anhing jedoch grösstenteils. Um die Kaninchengesundheit zukünftig verbessern zu können, wurde inZusammenarbeit der HAFL in Zollikofen mit den beiden grossen Fleischkaninchenproduktionsgemeinschaften Integration Kyburz und Kani-Swiss-GmbH, die den grössten Teil der kommerziellen Fleischkaninchenproduktion in der Schweiz abdecken, ein Projekt lanciert. So konnten erstmals zuverlässige Gesundheits- und Leistungsdaten für die Schweizer Fleischkaninchenproduktion generiert werden.

32 Kaninchenproduzenten und -produzentinnen dokumentierten während eines Jahres jeden neuen Wurf und jede neue Mastgruppe. Der Fokus lag da-bei hauptsächlich auf Tierver-lusten und Medikamenteneinsatz. Zusätzlich wurde auf allen Betrieben eine Bestandesunter-suchung durchgeführt und im Falle von erhöhter Mortalität verendete Kaninchen für weitere Untersuchungen ans Nationale Referenzzentrum für Geflügel- und Kaninchenkrankheiten in Zürich eingesandt.

Grosse Schwankungen

Während des Untersuchungszeitraumes wurde in der Zucht eine durchschnittliche Trächtigkeitsrate von 68,6 % und eine durchschnittliche Wurfgrösse von neun Jungtieren erreicht. Zwischen den einzelnen Betrieben existierten jedoch grosse Schwankungen bezüglich Zucht-leistung. Die durchschnittliche Mortalität der Jungtiere (Geburt bis Absetzen) betrug 14,9 %, diejenige der Mastkaninchen (Absetzen bis Schlachten) lag noch etwas höher bei 17,3 %. Gesundheitliche Probleme wurden in erster Linie in Zusammenhang mit Erkrankungen des Verdauungstraktes gefolgt von Atemwegserkrankungen festgestellt.

Der grösste Teil des Medikamenteneinsatzes entfiel dabei auf die eigentliche Mastperiode. 60 % der untersuchten Betriebe setzten Antibiotika ein. Dies führte dazu, dass rund ein Drittel aller Mastdurchgänge mit mindestens einem Antibiotikum behandelt wurde. Die Resultate zeigen auf, dass Infektionskrankheiten und Tierverluste in der professionellen Schweizer Kaninchenproduktion trotz tierfreundlicher Haltung ein erhebliches Problem darstellen.

Risikofaktoren definieren

Aktuell wird deshalb versucht, Risikofaktoren für erhöhte Mortalität zu definieren, um daraus dann spezifische Präventionsstrategien zu entwickeln, anhand derer die Kaninchengesundheit in professionellen Schweizer Produktionsbetrieben langfristig verbessert und damit auch der umfangreiche Antibiotikaeinsatz reduziert werden kann. Ausserdem wurde im Rahmen des Kaninchengesundheitsprojektes durch die HAFL die kostenlose Webapplikation «HAFL-Rabbit Survey» zur digitalen Datenerfassung in der Kaninchenmast entwickelt.

Erleichtert die Betreuung

Die App bietet den Nutzern und Nutzerinnen eine Möglichkeit, Mastdaten einfach zu erfassen und zentral zu verwalten, um so jederzeit einen guten Überblick über vergangene und laufende Mastdurchgänge zu bewahren. Die Mortalität wird laufend und automatisch berechnet, so können Probleme leichter identifiziert werden.

Die übersichtliche Dokumentation kann Bestandestierärzten die Betreuung erleichtern, da Gesundheits- und Leistungs-daten jederzeit abrufbar sind. Zudem sind die häufigsten inder Kaninchenmast eingesetzten Medikamenten mit den korrekten Absetzfristen hinterlegt und das Freigabedatum wird nach korrekter Eingabe der Behandlungsdauer automatisch berechnet.

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