Felix Näf über die Kaninchenzucht: «Das ganze Tier ist wertvoll»

Die Kaninchenzucht ist die grosse Leidenschaft der Familie Näf. Felix Näf revolutionierte die tiergerechte Haltung der «Chüngel». Sein Sohn Silvan ist drauf und dran dieses Unternehmen weiterzuführen.

Die kleinen Vierbeiner waren schon früh die Passion von Felix Näf. Im Alter von 16 Jahren begann er deshalb, neben seiner Ausbildung als Landwirt, Kaninchen zu züchten. Vor und nach der eigentlichen Arbeit war er mit seinen «Chüngeln» beschäftigt. Aufgrund des stetig zunehmenden Aufwandes entschied sich der gelernte Landwirt, die Kaninchen zu seinem Haupterwerb zu machen. In den 1980er-Jahren hat er zusammen mit seiner Frau Rosmarie Näf den Betrieb vergrössert. Coop avancierte zu einem ihrer Hauptkunden. Die Nachfrage nahm rasch zu und die Arbeit wurde zu viel. Darum hat sich das Ehepaar entschieden, andere Bauern miteinzubeziehen und die Kani-Suisse GmbH zu gründen. Heute ist die Kani-Suisse GmbH einer der Hauptakteure in dieser Branche und der Stall in Beinwil AG verfügt über mehrere Tausend Mastplätze.

Im Stall der Kani-Suisse GmbH hat es mehrere Tausend Kaninchenmastplätze.
Im Stall der Kani-Suisse GmbH hat es mehrere Tausend Kaninchenmastplätze.

BTS-Haltung weit bekannt

Die tiergerechte Haltung von Kaninchen in der Schweiz hat mittlerweile über die Landesgrenzen hinaus Beachtung gefunden. Das praktisch einmalige Stallsystem wurde vom gelernten Landwirt Näf weitgehend selbst entwickelt. Denn Kaninchen sind zwar Gruppentiere, benötigen aber auch die Möglichkeit, sich in Stresssituationen zurückzuziehen. Die Gruppentierhaltung bei Kani-Swiss ermöglicht den Tieren beides: Jeweils acht Mutterkaninchen teilen sich die grosszügig dimensionierte Box mit einem Rammler. Verschiedene Winkel auf verschiedenen Etagen dienen als Ruhe-, Fress- und Versteckzonen. Felix Näf sagt: «Kaninchen sind anspruchsvolle Nutztiere. Sie eignen sich nur für leidenschaftliche Tierhalter.»

Näfs verwerten rund 90 Prozent des Tieres. Kaninchenfleisch gilt als sehr gesundes und proteinhaltiges Fleisch.
Näfs verwerten rund 90 Prozent des Tieres. Kaninchenfleisch gilt als sehr gesundes und proteinhaltiges Fleisch.

Keine Abfallprodukte

Von rund 20 verschiedenen Betrieben kommen die kleinen Kaninchen im Alter von ungefähr 30 Tagen in Näfs Stall nach Beinwil. Dort werden sie während zwei Monaten gemästet. «Wir wollen ihnen ein möglichst schönes Kaninchenleben ermöglichen», sagt Silvan Näf, der Sohn von Felix Näf. Weiter betont er, dass das Tierwohl auf dem Hof der Familie grossgeschrieben werde. «Es gibt keine Abfallprodukte am Tier. Wenn man schon ein Tier tötet, dann muss so viel wie möglich verwertet werden, alles andere ist für mich ethisch nicht vertretbar.» Aus den Nebenprodukten wie Knochen, Ohren oder Pfoten, wird Hundefutter hergestellt. Einzig die ausserordentlich harten Zähne und ein Teil der Vorderläufe können nicht verwertet werden.

Corona als Herausforderung

Das Kaninchenunternehmen beliefert viele Restaurants, Spitäler und Altersheime in der Umgebung. «Während des Lockdowns haben wir ein Nullgeschäft gemacht», blickt der gelernte Lastwagenmechaniker Silvan Näf zurück. Durch die Schliessung der Restaurants und das Besucherverbot in Altersheimen sei dort die Nachfrage stark gesunken. Dafür konnte man aber im Detailhandel zulegen. «Dass die Konsument(innen) heutzutage vermehrt auf die Herkunft der Lebensmittel schauen, ist ein grosser Pluspunkt für uns», gibt sich Näf zuversichtlich.

Die Inhaberfamilie von Kani-Suisse: Der Firmengründer und leidenschaftliche Kaninchenzüchter Felix Näf mit seiner Frau Rosmarie und Sohn Silvan Näf.Die Kani-Suisse GmbH beschäftigt heute acht Mitarbeiter.
Die Inhaberfamilie von Kani-Suisse: Der Firmengründer und leidenschaftliche Kaninchenzüchter Felix Näf mit seiner Frau Rosmarie und Sohn Silvan Näf.Die Kani-Suisse GmbH beschäftigt heute acht Mitarbeiter.

Klare Arbeitsteilung

Der Hof ist seit drei Generationen im Besitz der Familie Näf. Silvan Näfs Grossvater war noch ein klassischer Milchbauer, bevor Vater Felix mit den «Chüngeln» anfing. Seit Sohn Silvan ebenfalls zu 100 Prozent im Betrieb arbeitet, wurde die Arbeit aufgeteilt. Felix Näf ist für die Tierbetreuung verantwortlich, seine Frau Rosmarie führt die Buchhaltung. Der Sohn leitet die Verarbeitung und den Verkauf. «Durch die Arbeitsteilung funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut. Jeder ist für sein Departement verantwortlich und weiss, was zu tun ist», bestätigt der Agrotechniker. Seine Eltern wohnen ein paar Minuten vom Hof entfernt. «Dadurch, dass wir nicht 24 Stunden am Tag zusammen sind, lösen sich viele Probleme von allein», sagt er weiter.

«Solange meine Eltern noch auf dem Hof mitarbeiten, kann ich meinen Arbeitstag sehr spontan planen», erzählt der 28-Jährige. Er versuche, am Morgen früh zu beginnen, so dass abends noch genügend Zeit für seine Hobbies bleibe. «An einem schönen Sommerabend drehe ich nach einem strengen Arbeitstag gerne mal eine Runde mit dem Töff. Manchmal muss ich den Kopf lüften und vom Ganzen etwas Abstand gewinnen.» Weiter spielt er in seiner Freizeit in der Guggenmusik oder schiesst mit seinen Freunden Tontauben.

Landwirtschaft hat Potenzial

Alle 14 Tage fährt Silvan Näfauf den Markt, um seine fri-schen und eigenen Produkte zu verkaufen. Durch den Austausch mit den Konsument(innen) merkt er, dass viele Abneh-mer(innen) wenig Ahnung von der Landwirtschaft haben. Manche hätten ein realitätsfremdes Bild von der Landwirtschaft. Mit dem Dialog könne man aber viel erreichen, sagt der Beinwiler. Zudem wünscht er sich in Zukunft mehr Unterstützung von den Behörden: «Die Schweizer Landwirtschaft hat viel Potenzial. Es gibt viele Bauern mit guten Ideen, die Behörden sollten aber den Willen zeigen, diese zu fördern».

Betriebsspiegel Kani-Suisse

Name: Kani-Suisse GmbH Ort: Beinwil (Freiamt) AG Ackerfläche: 21 ha Tierbestand: mehrere Tausend Kaninchenmastplätze Betriebszweige: Kaninchenmast, -verarbeitung und -vermarktung Arbeitskräfte: Felix Näf (Tierbetreuung), Rosmarie Näf(Buchhaltung und Administration), Silvan Näf (Verarbeitung und Verkauf), 8 Mitarbeitermit 500 Stellenprozenten.