Entscheide werden gemeinsam gefällt

Mit Käsespezialitäten versucht die Familie Bianchi einen Mehrwert aus ihrer Milch zu erzielen.

Es ist ein frischer und nebliger Februarmorgen, und auf den Feldern liegt die wohl letzte Schneeschicht dieses Winters. Kurz nach den letzten Kurven, die sich das Bleniotal hochschlängeln, ist der Stall der Familie Bianchi kaum zu übersehen.


Verschiedene Generationen


Carlo Bianchi empfängt uns in seiner Arbeitskleidung. Die Kühe wiederkäuen gemütlich, und Martin, der Jüngste und Enkel der Familie, beobachtet sie und hält seinen Traktor fest in der Hand. «Meine Eltern arbeiteten damals im Dorf von Campo Blenio TI, wo mein Vater seinen Stall 1970 erbaut hatte. Ich wuchs in einer Bauernfamilie auf, schon meine Grosseltern und Verwandten hielten damals Milchkühe. Im 2003 haben wir diesen neuen Stall gebaut», erzählt der Landwirt, der dieses Jahr 60 Jahre alt wird.

Die zweite Säule der Familie Bianchi ist Mirta (54), auch sie stammt aus einer Bauernfamilie aus Olivone TI, das Dorf, das wenig unterhalb Campo Blenio liegt. «Als ich 20 Jahre alt war, haben wir geheiratet, dann kamen unsere drei Kinder. Die Kombination von Betrieb und Familie geht gut und gibt einen schönen Ausgleich.» Die neue Generation, die zusammen mit Carlo und Mirta den Betrieb weiterführt, besteht aus Diego (30), Clara (28) und Brenno (25). Nicht zuletzt gehören auch Diegos Ehefrau Tatiana (30) und der eineinhalbjährige Martin zur Familie, und alle zusammen geben ihr Bestes und tragen mit Leidenschaft zum Erfolg des Familienunternehmens bei.


Heute ein einziger Betrieb


Einst hatte die Familie Bianchi vier Höfe. Sie gehörten Carlo, einem Onkel, einem Cousin und einer Tante. Da es nach ihrer Pensionierung keine Betriebsnachfolger gab, wurden die vier Betriebe zu einem einzigen zusammengeschlossen, der heute von Carlo, Diego und Brenno geführt wird. Die Familie betreut 39 Milchkühe, sechs Rinder, etwa 15 Aufzuchttiere, 15 Aufzuchtkälber und ein bis zwei Mastkälber der Rasse Braunvieh und Holstein.

«Die Mastkälber und die männlichen Aufzuchtkälber verkaufen wir einem Privaten aus dem Kanton Graubünden. Von September bis Juni produzieren die Milchkühe 220'000 bis 230'000 Liter Heumilch, die an die Molkerei in Campo Blenio und danach nach Airolo TI zum Caseificio del Gottardo gebracht wird. Die Milch wird als Heumilch produziert, aber ohne «Heumilch-» oder «Bio»-Marke vermarktet, sie kommt als konventionelle Milch auf den Markt. Im Sommer gehen die Kühe auf die Alp Predasca und produzieren 2200 bis 2300 kg Alpe Predasca AOP Käse, der auch über die Lati verkauft wird.»


Das Futter der Milchkühe besteht aus eigenem Heu und etwas Ergänzungsfutter zum Ausgleich der Futterration. Die 2500 Kubikmeter Heu werden zwischen Olivone, Campo Blenio und 
den Monti di Orsera geschnitten (insgesamt 50 ha LN), wo Diego Bianchi verschiedene Wiesen nutzbar machte. Die Familie 
Bianchi bewirtschaftet 65 ha LN, wovon der grösste Teil in der Bergzone IV, und 32 Aren in Olivone in der Bergzone III liegen.


Ein wahres Team


Die Familie Bianchi ist ein wahres Team, das zum Wohle des Familienbetriebs zusammenarbeitet. Diego und Brenno haben keine spezifische landwirtschaftliche Ausbildung und sind zusammen mit ihrem Vater Carlo die Betriebsleiter. Beide haben eine berufliche Ausbildung als Maurer EFZ und seit Kindsbeinen an auf dem Hof mitgearbeitet. Diego liebt Maschi
nen, während Brenno sich mehr um die Tiere kümmert. Beide sind auch für Dritte tätig, machen Transporte, übernehmen Schneeräumdienste und arbeiten im Winter zudem für die Skianlage in Campo Blenio. Clara Bianchi bemüht sich um die Zahlen und die Mehrwertsteuer.


Grosses Vertrauen


Auch Clara Bianchis Freund hilft noch mit, bis er im Juni seine Ausbildung abschliessen wird. «Die Entscheidungen treffen wir in allen Bereichen zusammen und nie unabhängig voneinander. Wir haben grosses Vertrauen zueinander und kommen gut aus.» Die Stärke liege in der Zusammenarbeit. Morgens stehen sie um 5 Uhr auf und schliessen um 18.30 Uhr die Stalltüren. Sie organisie
ren die Arbeit im Voraus. Es sei klar, dass man nicht dann frei nehme, wenn es am meisten Arbeit gebe wie zum Beispiel im Sommer! «Unsere Arbeitsorganisation und Philosophie erlaubt uns die gewünschte Lebensqualität.»

Für den nächsten Sommer plant Familie Bianchi eine Stallerweiterung: Der Heuraum soll vergrössert werden, die Aufzuchtkälber bekommen mehr Platz und der Auslauf im Freien wird vergrössert. Ausserdem berechtigt die zusätzliche Fläche von zwölf Hektaren, die sich mit dem Zusammenschluss der vier Betriebe ergeben hat, zusätzliche zwölf GVE. «Wir hoffen, dass wir diesen Frühling mit den Arbeiten beginnen können, verschiedene werden wir selber ausführen, um die Kosten zu optimieren. Mit der Erweiterung haben wir uns entschieden, einen weiteren Schritt zugunsten unserer Tiere, der Qualität der Milch und unserer Arbeit zumachen.»


Simone Schmid

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