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15 000 kg Herdenschnitt: Landwirt Philipp Furrer setzt bei seinen Milchkühen auf eine Hochleistungsstrategie

Bei seinen Milchkühen legt Landwirt Philipp Furrer den Fokus auf hohe Milchleistungen. Im Rahmen des Silohöcks der Schweizerischen Silovereinigung (SVS) stellte er seinen Betrieb näher vor.

Kurz & bündig

  • Philipp Furrer setzt auf seinem Betrieb in Kleinwangen LU auf eine Hochleistungsstrategie und erreicht mit 55 Holsteinkühen einen Herdenschnitt von rund 15 000 kg Milch.
  • Grundlage dafür sind hochwertiges Grundfutter, eine präzise analysierte Fütterung, leistungsfähige Genetik und ein konsequentes Management.

«Ich bin bereits von Kind auf mit einer Hochleistungsstrategie aufgewachsen», erzählt Philipp Furrer, Landwirt aus Kleinwangen LU. Sein Vater stellte die Milchviehherde im Jahr 1976 von Original Braunvieh auf die Rasse Holstein um. Philipp Furrer selbst übernahm den Betrieb im Jahr 2012 und führte die Strategie weiter. Heute umfasst die Herde 55 Holsteinkühe und erreicht einen Herdenschnitt von rund 15 000 kg Milch pro Kuh und Laktation.

Hinter den hohen Leistungen steht auch ein wirtschaftlicher Gedanke. «Die Fixkosten kann ich durch mehr Milch verdünnen», sagt Philipp Furrer. Gleichzeitig ist die verfügbare Stallfläche begrenzt und eine Erweiterung des Stalls kaum möglich. Deshalb setzt er darauf, mit den vorhandenen Kühen möglichst effizient Milch zu produzieren.

Seit dem Bau eines Laufstalls im Jahr 2012 werden die Kühe mit einem Melkroboter gemolken. 2023 wurde der Melkroboter durch ein neues Modell ersetzt. «Die Kühe hatten im alten Roboter viel weniger Platz und haben sich nicht mehr wohlgefühlt. Der neue Roboter ist leiser, bietet mehr Platz, ist schneller und die Kühe können gerader reinlaufen», sagt Furrer. Heute werden im Schnitt 3,3 bis 3,5 Melkungen pro Kuh und Tag erreicht, Spitzenwerte liegen bei 3,6 Melkungen. Auch die Zellzahlen sind sehr gut. Bei rund 80 Prozent der Kühe liegen sie bei unter 100 000 Zellen/ml.

Philipp Furrer ist mit einer Hochleistungsstrategie aufgewachsen und entwickelt diese seit der Hofübernahme im Jahr 2012 weiter. (Bild: zVg)

Qualitatives Grundfutter als Grundlage

Die Grundlage für die hohe Milchleistung wird beim Futterbau gelegt. Philipp Furrer setzt bei den Futtergräsern eine spezielle Mischung mit spätreifen Sorten ein. Bei den Futtergräsern und beim Mais legt er generell Wert auf eine hohe Zellwandverdaulichkeit.

Als Zwischenfutter baut Philipp Furrer zwischen zwei Maiskulturen Triticale an. Damit hat der Landwirt gute Erfahrungen gemacht: «Triticale ist hochverdaulich, sehr ertragssicher und verträgt auch einen späteren Saatzeitpunkt. Gerade in einem Jahr wie diesem ist sie eine grosse Versicherung.» Die Triticale nutzt er nicht als Ganzpflanzensilage (GPS), sondern vor dem Schieben.

Besonders wichtig ist Philipp Furrer eine intensive Bearbeitung des Futters und eine schnelle Konservierung. Das bedeutet, dass eine Silage innerhalb von 24 Stunden fertig ist (vom Mähen bis und mit der Ernte). Dafür braucht es gute Wetterbedingungen und möglichst trockene Böden. Besonders im Frühling ist es wichtig, nach dem Mähen nicht lange zu warten, sondern das Erntegut möglichst rasch zu verteilen und weiterzuverarbeiten. Dadurch sollen die Verluste möglichst gering gehalten werden. Alle Silagen werden mit Siliermitteln behandelt, um eine stabile Gärung zu fördern und Nährstoffverluste zu verringern.

Im Frühling wird zudem die Gülle separiert. Das ermöglicht eine schnellere Düngerwirkung im Boden und reduziert gleichzeitig die Gefahr von Futterverschmutzungen.

Die Fütterung genau analysieren

Eine zentrale Rolle spielt für Philipp Furrer der enge Austausch mit dem Fütterungsberater. Futteranalysen dienen ihm dabei als Grundlage für die Rationsberechnung. Dank der CNCPS-Analyse (CNCPS = Cornell Net Carbohydrate and Protein System) steht eine sehr genaue Datengrundlage zur Verfügung. Bei der CNCPS-Analyse werden neben den chemischen auch die dynamischen Eigenschaften von Futtermitteln erfasst. Neben zahlreichen Mineralstoffen und Spurenelementen wird beispielsweise auch die Geschwindigkeit des Zellwandabbaus bestimmt. Zudem wird das Gärsäuremuster berücksichtigt, anhand dessen sich der Erfolg der Silierung beurteilen lässt.

Die Fütterung der laktierenden Kühe ist bei Philipp Furrer auf eine hohe und konstante Leistung ausgerichtet. Der Trockensubstanzverzehr der laktierenden Tiere liegt bei 27 bis 28,5 kg pro Kuh und Tag. Die hohe Futteraufnahme bildet eine wichtige Grundlage für die Milchleistungen. Jeden Tag wird eine frische Mischung vorgelegt. Die Mischung besteht aus Maissilage, Triticale-Silage, CCM, Biertreber, Sojaschrot, Futterweizen, Maiskleber, Melasse und Mineralstoffen. Auf Dürrfutter wird in der Ration im Sommer vollständig verzichtet, damit bei der Grassilage im Hochsilo genügend Vorschub gewährleistet ist.

Die Kühe erhalten täglich jeweils rund 2,8 kg Kraftfutter am Melkroboter, während sie den restlichen Anteil an der Futterachse aufnehmen. Zusätzlich bekommen sie in der Startphase über den Roboter Propylenglykol und Aminosäuren. Seit 2023 setzt Philipp Furrer zudem Mikronährstoffe ein. «Zu Beginn war ich skeptisch. Heute möchte ich nicht mehr darauf verzichten», sagt er. Gerade im diesjährigen Sommer haben die Kühe weniger gesundheitliche Probleme gezeigt, obwohl auch seine Herde vom Orthobunya-Virus betroffen war. «Das Krankheitsgeschehen hat sich weniger lange hingezogen», so Furrer.

Die genaue Auswertung der Futtermittel und die damit verbundenen Empfehlungen haben sich positiv auf die Milchleistung und die Fruchtbarkeit ausgewirkt. «Entscheidend ist nicht nur, gute Empfehlungen zu erhalten, sondern diese auch konsequent umzusetzen», sagt der Landwirt.

Die Galtphase ist entscheidend für eine erfolgreiche Laktation

Eine genauso wichtige Rolle wie die Fütterung der laktierenden Kühe spielt die Galtphase. Sie ist zentral für einen guten Start in die Laktation und damit auch für die spätere Leistung der Kühe.

Die Galtkühe von Philipp Furrer nehmen täglich rund 14 bis 15 kg Trockensubstanz auf. Die Ration enthält einen Teil der Mischung der laktierenden Tiere und wird mit zusätzlichem Eiweiss, Mineralfutter und gehäckseltem Stroh ergänzt. Seit 2023 kommen zudem saure Salze zum Einsatz. «Das kostet zwar, ist aber günstiger als eine festliegende Kuh», weiss Philipp Furrer. Seither seien deutlich weniger Stoffwechselstörungen aufgetreten.

Die Herde zeichnet sich durch eine hohe Persistenz aus. Teilweise werden Kühe abrupt trockengestellt. Dies funktioniere gut, und die Tiere kämen rasch von den hohen Milchmengen herunter. Am Tag des Trockenstellens wechseln die Kühe direkt in die Galtgruppe und erhalten dort die neue Ration. Sie bleiben bis zur Abkalbung in dieser Gruppe und wechseln anschliessend direkt wieder zu den laktierenden Kühen.

Amerikanische Genetik in der Zucht

Auch in der Zucht verfolgt Philipp Furrer eine klare Strategie. Er setzt mehrheitlich auf amerikanische Genetik. Dabei versucht er, die «Triple-A-Methode» möglichst konsequent umzusetzen.

Das System analysiert die gesamte Anatomie eines Tieres statt nur einzelne Zuchtwerte. Stiere und Kühe erhalten einen Code aus bis zu sechs Zahlen, der ihre körperlichen Vorteile und notwendigen Ergänzungen beschreibt. Bei der Anpaarung wird ein Stier gesucht, dessen Code die anatomischen Lücken des weiblichen Tieres ausgleicht oder ergänzt. Mithilfe dieser Anpaarungsstrategie sollen robuste, langlebige und gesunde Milchkühe ohne Extreme gezüchtet werden.

Eine Kuh mit einem anatomisch gesehen sehr grossen Euter, die dafür aber die entsprechende Milchleistung nicht bringt, passt beispielsweise nicht in diese Strategie.

Der Betrieb von Philipp Furrer zeigt, dass hohe Milchleistungen nicht auf einer einzelnen Massnahme beruhen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von qualitativ hochwertigem Grundfutter, optimierter Fütterung, leistungsfähiger Genetik und einem angepasstem Galtphasenmanagement. «Das Management ist generell sehr entscheidend. Die beste Genetik bringt zum Beispiel nichts, wenn die Fütterung nicht stimmt», verdeutlicht Philipp Furrer. Wichtig sind ausserdem die genaue Auswertung der vorhandenen Daten sowie die Bereitschaft, Empfehlungen und neue Erkenntnisse konsequent in der Praxis umzusetzen.

Betriebsspiegel
der Familie Furrer

Philipp und Michelle Furrer, Kleinwangen LU

LN: 20 ha

Kulturen: Kunstwiesen, Mais, Futterweizen, Triticale als Zwischenfutter

Tierbestand: 55 Milchkühe, 90 Mastschweine

Weitere Betriebszweige: PV-Anlage (160 kWp)

Arbeitskräfte: Philipp und Michelle Furrer, Vater von Philipp Furrer

Auf dem Betrieb von Philipp und Michelle Furrer ist die Milchviehhaltung der wichtigste Betriebszweig. (Bild: zVg)

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