«Der 1. November war ein Freudentag für alle Älpler(innen)»

Gross ist die Hoffnung auf Wolfsregulationen bei den Tierhalter(innen) nach dem bundesrätlichen Beschluss über die teilrevidierte Jagdverordnung. Das war an der Generalversammlung des Bündner Älpler(innen)-Vereins deutlich spürbar.

Wie auf einer Postkarte präsentierten sich am 4. November 2023 die weiss verschneiten Berge in der Morgensonne von Brigels, wo sich über 90 Mitglieder des Bündner Älpler(innen)-Vereins zur Generalversammlung trafen. Zur Gemeinde zählen fünf Dorfschaften und elf Alpen. Auf deren vier wird noch gemolken. Eine Schafalp wurde vor zwei Jahren aufgrund des Wolfsdrucks aufgegeben, wie von Gemeindepräsident Clau Schlosser zu erfahren war.

Wolf begleitete das Jahresprogramm

Der Wolf beschäftigte die Bündner Älpler(innen) und den Verein auch in diesem Jahr. Präsidentin Christa Buchli gab die aktuellen Zahlen vom Amt für Jagd und Fischerei bekannt: «Mittlerweile leben zwölf Rudel im Kanton Graubünden, dazu kommen noch zwei weitere an der Kantonsgrenze.» Die Anzahl der im Kanton lebenden Wölfe werde auf 130 geschätzt.

Doch es gab auch Erfreuliches zu berichten. So stiegen die Richtlöhne beim Alppersonal leicht an. An der Agrischa in Ilanz und am Alpspektakel in Seewis konnte sich der Verein mit einem Stand präsentieren. Des Weiteren kann sich der Bündner Älpler(innen)-Verein über 14 Neueintritte freuen. Einige waren erst ein paar Sommer auf der Alp, andere Neulinge im Verein haben bereits den 50. Alpsommer hinter sich.

Für 25 Jahre Mitgliedschaft erhielten Karin Niederberger, Peter Heinrich, Daniela und Markus Lehmann und Andres Conzett eine Ehrenurkunde überreicht. Stefan Bless übergab die Wanderpreise zum Alpmeister des Jahres an Martin Plump (Jungvieh) und an Primus Cajochen (Milchviehalp).

«Der 1. November war ein Freudentag für alle Älpler(innen)»
Ehrungen für 25 Jahre Mitgliedschaft konnten Karin Niderberger, Peter Heinrich, Daniela und Markus Lehmann und Vorstandsmitglied Andres Conzett (v.l.) entgegennehmen.

Solidarität mit Alppersonal

Thomas Roffler, Präsident des Bündner Bauernverbandes, richtete klare Worte an die Versammlung: «Der Bündner Bauernverband ist stetig daran, gemeinsam mit den Betroffenen die beste Lösung zu finden, nicht nur beim Thema Grossraubtiere. Dieses ist jedoch zentral.» Der Bündner Älpler(innen)-Verein wandte sich mit dem Anliegen zur Wolfsregulation in einem Brief an Bundesrat Albert Rösti, um den Unmut der Älpler(innen) zum Ausdruck zu bringen.

Der 1. November mit der teilrevidierten bundesrätlichen Jagdverordnung sei daher ein Freudentag für die Älpler und Landwirte gewesen, sagte Christa Buchli. «Es ist immerhin ein erster Schritt in die richtige Richtung.» Die Umsetzung und die Kosten zur Regulierung auf drei Rudel würden die nächsten politischen Herausforderungen.

Auch Nationalratspräsident Martin Candinas besuchte kurzzeitig die Versammlung. In seiner Rede schwärmte er von seiner Patenziege Grittli und betonte, wie wichtig der Austausch mit der Bevölkerung sei. Candinas dankte den Anwesenden für ihre harte Arbeit, um Tradition, Biodiversität und Ordnung in der Natur zu erhalten.

«Mir ist bewusst, dass der Herdenschutz massiv unterschätzt wurde und die Arbeit des Alppersonals ein Knochenjob ist.»

Martin Candinas, Mitte-Nationalrat GR

Graubünden will vier Wolfsrudel regulieren

Basierend auf der teilrevidierten Jagdverordnung hat der Kanton Graubünden am Dienstag das definitive Gesuch zur proaktiven Regula­tion des Wolfsbestands beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) eingereicht. Die Ressourcen würden auf die aktuellen Problemschwerpunkte fokussieren, heisst es in der Medienmitteilung. Der Kanton beantragt die Bewilligung für eine vollständige Entnahme der Wolfsrudel Stagias, Vorab, Beverin und Lenzerhorn. Weiter hat der Kanton die Entnahme von bis zu zwei Drittel der Jungtiere des Wolfsrudels Rügiul im Puschlav und des Wolfsrudels Jatzhorn in Davos beantragt. Neben den nun beantragten 27 Abschüssen sind in den Wolfsrudeln Val Gronda, Stagias, Vorab, Moesola und Lenzerhorn bereits zusätzlich insgesamt 17 bewilligte Abschüsse von Jungwölfen nach bisherigem Recht verfügt.

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