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Christbaum-Snack: giftiger, als man denkt?

Pferdehalter geben ihren Tieren gerne mal den ausrangierten Weihnachtsbaum zum Knabbern. Ganz so unbedenklich ist es aber nicht, wie Pferdetierärztin Thea Ryhner in einem Interview mit der BauernZeitung mitteilt.

Die Weihnachtszeit ist vorüber und es ist so weit, den Christbaum abzuschmücken. Bei einigen wird er als Kompost und Brennholz weiterverwendet. Pferdehalter verfüttern diesen gerne als Snack an ihre Tiere. Dabei versteht sich von selbst, dass nur Ungespritzte in den Stall dürfen, die frei von Lametta und Wachsresten sind.

Doch der ein oder andere hat sich sicher schon einmal gefragt: Dürfen Pferde überhaupt Weihnachtsbäume fressen und wie viel davon? Wir haben die erfahrene Pferdetierärztin Thea Ryhner vom Nationalem Pferdezentrum (NPZ) Bern zu dieser Sache befragt.

Frau Ryhner, kommt es häufig vor, dass Sie mit dieser Frage konfrontiert werden?

Thea Ryhner: Ja, wir haben immer um die Weihnachtszeit Anfragen, welche Bäume verfüttert werden dürfen. Tannen gehören zu den schwach giftigen Bäumen. Weiss-, Rot- und Nordmanntannen können in geringen Dosen verfüttert werden. Auch Blautannen könnte man theoretisch verfüttern. Da diese so stachelig sind, werden sie aber kaum gefressen. Fichten dürfen ebenfalls verfüttert werden, jedoch in noch geringeren Mengen.

Was genau ist unter einer geringen Dosis zu verstehen – gibt es eine Maximaldosis, die nicht überschritten werden darf?

Eine wissenschaftlich fundierte Maximaldosis ist nicht beschrieben. Jedoch würde ich nicht mehr als einen Tannenast pro Woche verfüttern.

Wie würde das Tier auf eine Überdosierung reagieren?

Die enthaltenen Tannine können u. a. eine Kolik durch Verstopfung verursachen und die Magenschleimhaut reizen. Um Symptome auszulösen, müssten die Tannen aber über eine längere Zeit verfüttert werden. In der Regel stoppen die Pferde vorher das Fressen. Jedoch besteht die Gefahr, dass aus Unkenntnis Eibe verfüttert werden könnte. Bei Eibe reicht ein kleines Zweiglein von 150 Gramm, um innert 15 Minuten zum Tod des Pferdes zu führen. Tannen können zudem Aborte auslösen, weshalb sie nicht an trächtige Stuten verfüttert werden sollten.

Mussten Sie schon einmal Pferde wegen einer Vergiftung behandeln?

Nein bzw. ja. Aber nicht wegen einer Vergiftung. Auf den Tannenbäumen leben gerne Hirschlausfliegen. Wenn diese auf das Pferd gelangen und es kneifen, zeigt das Tier ein hochgradig gestörtes und verstörtes Verhalten, welches leicht mit einer hoch-gradigen Kolik verwechselt werden kann.

Es heisst, die ätherischen Öle würden gut gegen Atemwegsprobleme helfen. Wie ist Ihre fachliche Meinung dazu?

Einige Pferdehalter hängen Tannenäste im Stall auf, wenn Pferde an Husten leiden. Dies hat aber kaum merkliche Wirkung, da die Dosis des eingeatmeten ätherischen Öls, welches in der Lunge ankommt, zu gering ist. Ätherische Öle können aber einen leicht positiven Effekt auf die Atemwege haben. Tannenspitzchen, welche Ende April/Anfang Mai hellgrün an den Tannen leuchten, werden gerne zur Herstellung von Hustenelixier verwendet oder können direkt verfüttert werden. Zudem kann der Gerbstoff Tannin einen positiven Effekt auf Linderung von Durchfall haben. Aber auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift! Es gibt hervorragende pflanzliche Hustenelixiere im Handel, welche unbedenklich verfüttert werden können, besser wirken und welchen man den Vorzug gebensollte.

Und was sagen Sie zur reinigenden Wirkung auf Pferdezähne? Die Ballaststoffe sollen zudem eine gute Verdauung begünstigen.

Die Wirkung auf die Zähne ist nicht anders, als wenn das Pferd an einem Ast knabbert. Eine spezielle Reinigung tritt nicht auf. Auch die verdauungsfördernde Wirkung durch Ballaststoffe fällt kaum ins Gewicht, wenn man bedenkt, dass ein Pferd ohnehin täglich viele Kilos an Ballaststoffen in Form von Heu, Stroh und Gras aufnimmt.

Welche Baumarten würden Sie Pferdehaltern empfehlen, die lieber bei ihren Tieren auf Nummer sicher gehen wollen?

Besser geeignet wären Äste von Birken-, Apfel- oder Haselbäumen sowie von Weiden. Diese enthalten keine giftigen Stoffe und sind auch für das Pferd angenehmer zu fressen, da sie nicht so stachelig sind.

Ein Snack für weitere Hoftiere?

Ziegen und Schafe tut man mit Tannen als Snack sogar etwas Gutes, sagt Thomas Manser vom Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer (BGK). «Insbesondere Weisstanne wird von Ziegen sehr gerne gefressen. Die darin enthaltenen Tannine sind gesund, unterstützen die Verdauung und erhöhen den Futterverzehr», begründet er. Manser betont aber, dass die Tannen nicht das Grundfutter ersetzen, sondern nur als Ergänzung und Beschäftigung verwendet werden sollten. Bezüglich einer Maximalmenge könne er keine Auskunft geben. «Ich habe bis jetzt noch nie erlebt, dass es zu Problemen gekommen ist, wenn man es regelmässig etwa jeden zweiten Tag frisch anbietet.» Für Martin Kaske von der Rindergesundheit Schweiz gehören Weihnachtsbäume nicht auf den Speiseplan der Rinder: «Sie haben keinen Futterwert, d. h. keine nutzbare Energie und kein Protein.» Auch die Verwendung als Spielzeug gegen Langeweile sieht er kritisch und gibt zu bedenken, dass die starren Nadeln ausrangierter, alter Weihnachtsbäume zu Ver-letzungen des Zahnfleisches führen können. Er rät Rinderhaltern dazu, den Baum lieber zur Deponie zu bringen, als den Tieren anzubieten.

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