«Ich kann mir nicht erklären, wie das BVD-Virus in meinen Stall kam. Es würde mich nicht wundern, wenn der Hirsch, wie bei der Tuberkulose, der Übeltäter ist und das Virus auf unsere Rinder übertragen hat», sagt ein sichtlich betroffener Daniel Zbinden aus Zumholz FR am Küchentisch.
«Ich habe immer gehofft, dass ich kein Tier wegen BVD verlieren muss und jetzt das: Wie aus dem Nichts hatte ich 2014 plötzlich drei neugeborene, positive BVD-Kälber», sagt der Landwirt.
Sofort wurde der Betrieb von den Behörden bis auf Weiteres gesperrt. Aber damit nicht genug: In diesem Jahr schlug das Schicksal wieder zu. Im Januar und im August kamen wiederum zwei BVD-Kälber bei Zbindens auf die Welt.
«Jahrelang haben wir nie ein Tier zugekauft»
Der Betrieb der Familie Zbinden ist nicht der einzige, welcher im Kanton Freiburg mit BVD zu kämpfen hat. Auch der Schulbetrieb Grangeneuve
hat seit Neustem das Virus in ihrem Stall und ist seither für den Handel gesperrt.
«Dieses Jahr verloren wir deswegen schon sechs Kälber», sagt der Viehbetreuer René Mauron auf Anfrage der «BauernZeitung». Auch für Mauron ist es ein Rätsel, wie das Virus übertragen wurde. «Jahrelang haben wir nie ein Tier zugekauft, deswegen verdächtige ich auch das Rotwild.»
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) schliesst aber eine Ansteckung durch den Hirsch aus. «Auch wenn sich Wildwiederkäuer grundsätzlich mit dem BVD-Virus infizieren können, hat eine 2010/11 durchgeführte Studie gezeigt, dass diese in der Schweiz kein Reservoir für das BVD-Virus darstellen», sagt Elena di Labio vom BLV.
Für den leidenschaftlichen Züchter René Mauron, ist der Verlust
ein Stich ins Herz, da doch mehrere BVD-Kuhkälber aus Embriotransfer stammten. «Jetzt herrscht bei jeder neuen Abkalbung grosse Angst», sagt Mauron bedrückt. Für die beiden Betriebe Zbinden und Grangeneuve stellt die Sperrung nicht nur grosse finanzielle Einbussen dar, sondern auch der zusätzliche administrative Aufwand sei enorm.
Bis am Schluss wachsam bleiben
Das BVD-Virus-Programm (Bovine Virus Diarrhoe) läuft nun bereits seit 2008, und bis zum 31. Dezember 2012 mussten alle neugeborenen Kälber mit Ohrstanzen beprobt werden. Obwohl immer noch wenige vereinzelte BVD-Fälle auftreten, ist die Anzahl befallener Tiere, sogenannter persistent infizierte Tiere (PI-Tiere) und Bestände stark gesunken. Das heisst, dass die Krankheit noch nicht ganz ausgerottet ist und es heisst auch, jetzt nicht nachzulassen und weiterhin wachsam bleiben.
Peter Fankhauser

