Obwohl es diese Woche in einigen Regionen etwas geregnet hat, bleibt die Trockenheit vielerorts dramatisch: Im Berner Mittelland, im Seeland, im Oberaargau, in den Kantonen Solothurn, Freiburg und in beider Basel, wünscht sich die Landwirtschaft sehnlichst Regen. Aber auch in den Jurahöhen und teils im Berner Oberland wird das Gras braun und immer weniger. «Wenn es nicht bald regnet, haben wir noch zwei bis drei Wochen Gras für unsere Kühe», sagt Ruedi Balmer aus Rosshäusern. Da der Gruyère-Produzent keine Silage verfüttern darf, ist Balmer auf frisches Gras angewiesen. «Den Heustock anzapfen möchte ich lieber nicht, denn das Heu wird uns dann im Winter fehlen», sagt der Landwirt. Bleibe die Wettersituation unverändert, werde ihm zwangsläufig nichts anderes übrig bleiben, als seinen Kühen Heu zu verfüttern.
Viel Futtervorrat vom letzten Jahr
Daniel Schaller aus Dotzigen hat diese Woche mit dem Bewässern seines Maises begonnen. «Die Trockenheit setzt ihm massiv zu», sagt er. Das ganze Jahr füttert er seinen Kühen eine Mischration. «Der 1. Und 2. Grasschnitt war diesen Frühling hervorragend», hält er fest. Nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ. Auch habe er noch viel Heu vom letzten Jahr übrig. «Dank der vielen Siloballen und dem Heu, können wir die Trockenzeit noch gut überbrücken», so der Landwirt. Zum Glück habe er auf seinem Betrieb keine Kartoffeln. «Mein Nachbar kommt diesbezüglich mit der Bewässerung kaum hinterher», sagt er.

Auf dem Betrieb von Werner und Urs Kocher im Berner Seeland, hat man mit dem Bewässern des Maises auch schon begonnen. «Bei dieser Hitze müsste man es jede Woche tun.» Doch eine Nacht lang die Bewässerungsanlage mit dem Traktor laufen lassen, benötige im Minimum 400 Liter Diesel. «Das sind zusätzliche Kosten, die man nicht wegschlecken kann», sagt Kocher. Zum Glück habe er diesen Frühling viel Silage und Heu zubereiten können. «Man kann fast zusehen, wie das Gras auf den Feldern jetzt verdorrt», sagt er. Darum hat er auch das Feld, wo neben Gras auch viel Luzerne draufwächst, noch gemäht und die Silage in Ballen gewickelt. «Wenn wir es nicht genommen hätten, wäre es nur alt geworden, den gewachsen habe es auch nicht mehr», so der Landwirt. Grosse Bedenken sieht Kocher auch bei seinen Speisebohnen. «Die müssen wir jetzt unbedingt bewässern, sonst gehen sie kaputt», so seine Beobachtung. Die Pflanzen seien noch klein, der Boden noch nicht geschlossen. Auch der Weizen sei in seiner Gegend vielerorts notreif geworden und müsse in den nächsten Tagen schon gedroschen werden. «Bei der Gerste kamen wir mit einem blauen Auge davon, beim Weizen bin ich mir noch nicht so sicher», sagt der Landwirt. Auch die Zuckerrüben sehen ohne Regen jeden Tag schlechter aus. Bei sandigen Böden lassen die Rüben die Blätter hängen. Auch wachsen würden sie nicht mehr gross. «Wenn die Trockenheit so weitergeht, müssen wir im Herbst mit erheblichen Ertragsverlusten rechnen», befürchtet der Landwirt.

Die Milchleistung ist gesunken
Auch für Roland Zemp auf dem Passwang dürfte es wieder mal ordentlich regnen. «Wir dürfen zwar nicht jammern, am Montagmorgen bekamen wir drei Liter und vor zwei Wochen zirka 20 Liter», sagt er. Trotzdem werden seine Weiden dürrer und dürrer. «Wir lassen die Kühe nachts weiden und erstaunlicherweise kommen sie am Morgen ziemlich rund in den Stall», beobachtet Zemp. Dank des vielen Rotklees in den Heuwiesen sehen die noch gut aus. «Der erste Schnitt war qualitativ hervorragend und jetzt ist der zweite Schnitt, rund 20 Hektar, parat zum Mähen», sagt der Landwirt. Die Weiche Trespe sei zwar dürr, doch der Rotklee, der die Trockenheit besser verträgt, kompensiere dies. «Im Moment haben wir sicher noch genügend Gras. Doch, wenn es bald nicht ausgiebig regnet, müssen wir dieses Jahr Heu zufüttern oder den 2. Schnitt nicht alles für die Heuproduktion mähen. Die Hitze würden auch seine Kühe spüren. ‹Sie sind merklich mit der Milchleistung gesunken›, stellte er fest. Auch mit der Gülle geht der Landwirt vorsichtig um. ‹Wir haben sie mit Wasser verdünnt. Nach dem Regen konnten wir einige Kubikmeter mit dem Schleppschlauch verteilen›, sagt er. Im Moment habe man sicher noch ausreichend Gras, doch, wenn es bald nicht ausgiebig regnet, müssten sie diesjähriges Heu zufüttern.
Auch im Rebbau wird bewässert
Nicht nur die Wiesen und die Ackerkulturen bräuchten dringend Wasser, sondern auch der Rebbau leidet unter der Hitze. «Zum Glück können wir bewässern», sagt die Weinbäuerin Anne-Claire Schott aus Twann. Trockenheit und hohe Temperaturen führen besonders bei jüngeren Reben und bei Reben auf kargen, flachgründigen Standorten mit starker Begrünungskonkurrenz zu Trockenstress. «Zur Entlastung der Rebstöcke dient neben der Triebreduktion die Traubenentfernung», so die Weinbäuerin. Um Sonnenbrand und Hitzeschäden zu vermeiden, sei eine zu starke Entblätterung der Rebstöcke zu vermeiden. «In Zukunft gilt es Rebstöcke anzupflanzen, die besonders Hitze- und Trockenresistenz sind», sagt Schott.

