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Kirschenernte 2026: Top-Qualität, aber weniger Menge als erwartet

Steinobst-Produzenten aus dem Baselbiet und dem Fricktal ziehen nach der Hitzeernte 2026 eine positive Bilanz zur Qualität. Doch bei Taxierung und Festigkeitstests fordern sie mehr Verbindlichkeit vom Handel.

Am 13. August 2026 traf sich die Arbeitsgruppe Erwerbsobstbau (AGEO) des Baselbieter Obstverbands (BOV) auf dem Hof Leim von Marcel Itin in Ormalingen zum traditionellen Nacherntetreffen, organisiert mit den Bildungszentren Wallierhof (SO) und Liebegg (AG).

Im Zentrum stand der Erfahrungsaustausch unter Steinobst-Produzenten – unter dem Motto «Nach der Ernte ist vor der Ernte». Vertreten waren vor allem Betriebe aus dem Baselbiet und dem angrenzenden Fricktal. Stimmen aus dem Schwarzbubenland fehlten diesmal. Zusammen mit Dorneck-Thierstein bilden diese Regionen eines der beiden Hauptanbaugebiete für Steinobst in der Schweiz.

Ein Ausnahmejahr trotz Hitze

Einig war man sich schnell: 2026 war ein aussergewöhnliches Kirschenjahr. «Wir hatten noch nie so gute Kirschen», sagte AGEO-Obmann Beat Sprenger. Die Ernte begann früh – ab der ersten Juniwoche im unteren Kantonsteil, rund eine Woche später im Oberbaselbiet – und startete mit hervorragender Qualität. Bald zeigte sich allerdings, dass im mittleren Sortenbereich fast alle Kirschen gleichzeitig reiften. «Wir mussten schauen, dass die Ware fortkommt», so Sprenger. Sie war schliesslich schnell verkauft.

Ende Juni kletterte das Thermometer auf 40 Grad – die Hitze liess die Früchte teils «schwellen», und die Sorte Regina hatte mancherorts Mühe, ihre Grösse zu erreichen. Die Saison endete abrupt. Mengenmässig blieb die Ernte hinter den Erwartungen zurück: Schweizweit wurden 2380 Tonnen geschätzt, effektiv geerntet wurden 1950 Tonnen – ein Minus von 430 Tonnen. In der Nordwestschweiz fiel die Differenz mit 695 geschätzten und 485 erreichten Tonnen (–200 t) besonders deutlich aus, grösstenteils witterungsbedingt.

Bruno Wirth, Präsident des Aargauer Obstverbands, bestätigte die gute Qualität: Bei angekündigten Hitzewellen habe man jeweils zuerst die exponierten Kronenpartien geerntet, den Rest später. Fruchtqualität und Festigkeit seien hervorragend gewesen: «Solche Kirschen wie dieses Jahr gibt es nicht oft.»

Auch aus pflanzenschutzlicher Sicht war die Bilanz positiv. Pflanzenschutzberater Martin Keller berichtete, in frühen Lagen habe es anfänglich noch Probleme mit der Kirschessigfliege (KEF) und Fäulnis gegeben – diese seien mit der Hitze aber praktisch verschwunden: «Wir hatten noch nie so wenige Probleme mit KEF und Fäulnis.» Qualität, Absatz und Homogenität hätten gestimmt: «Es war eines der besten Jahre.»

Reibungspunkte mit dem Handel

Trotz der positiven Bilanz sorgte ein Thema für spürbaren Diskussionsbedarf: das Verhältnis zum Handel. Mehrfach war zu hören, Händler seien weniger verhandlungsbereit als früher. Für Ärger sorgte bei einigen Abnehmern insbesondere die Taxierung der Ware, die von manchen Produzenten als uneinheitlich wahrgenommen wird – «mal so, mal so» – mit dem Eindruck, die Einstufung variiere je nach Marktlage.

Konkret wurde Martin Keller bei den Festigkeitstests: Deren Resultate hingen wesentlich vom Kühlgrad der Früchte ab. Werde gleich nach der Anlieferung gemessen, fielen die Werte schlechter aus als am nächsten Morgen. Es brauche ein standardisiertes Vorgehen und geschultes Personal, forderte Keller: «Die Professionalität, die der Handel von uns erwartet, muss er auch selber gewährleisten.» Was China und Chile könne, müsse auch in der Schweiz möglich sein.

Verschmorte Früchte ziehen Pilze an

Zum Abschluss richtete Keller den Blick bereits aufs nächste Jahr – ganz im Sinne des Tagungsmottos. Von der Hitze verschmorte Kirschen sollten möglichst rasch von den Bäumen entfernt werden. Andernfalls drohe Pilzbefall, der bis ins Holz vordringen könne. Überstehen die Sporen einen milden Winter, drohten bereits bei der Blüte Probleme: «Dann haben wir die Sauerei.»

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