Kurz & bündig
- Die Familie Enderli betreibt neben dem Landwirtschaftsbetrieb ein Lohnunternehmen und übernimmt oft den gesamten Maisanbau für andere Betriebe. - Moderne Sätechnik mit kombinierter Mikrogranulat- und Unterfussdüngung sowie mit dem Einsatz verzögernd wirkender Dünger sorgt für eine gezielte Nährstoffversorgung. - Aufgrund steigender Düngerpreise gewinnt die Nährstoffeffizienz zunehmend an Bedeutung.
Mais ist ihr Spezialgebiet. Familie Enderli aus Pfäffikon im Zürcher Oberland führt einen Landwirtschaftsbetrieb mit 115 Munimastplätzen und einem grossen Lohnunternehmen mit diversen Dienstleistungen in den Sektoren Landwirtschaft, Transport und Forst. Mitinvolviert sind auch die beiden Söhne Marco und Andrin Enderli, welche den Landwirtschaftsbetrieb und das Lohnunternehmen operativ leiten. Der Mais, den die Gebrüder im Frühling säen, häckseln und dreschen sie im Herbst in Zusammenarbeit mit Beat Keller von der Firma Keller Agro Kalk- und Landesprodukte aus Ettenhausen bei Wetzikon ZH sowie zwei weiteren Unternehmen.
Familie Enderli und Beat Keller haben sich über die Jahre viel Wissen rund um den Maisanbau angeeignet. «Als Lohnunternehmer hat man mittlerweile auch eine Beratungsfunktion. Viele Betriebsleiter halten eine grosse Anzahl Tiere und haben deshalb nicht mehr so viel Zeit für den Acker- und Futterbau», stellt Andrin Enderli fest. Häufig werde der gesamte Maisanbau ans Lohnunternehmen ausgelagert.
Bereits im Jahr 1989 hat Vater Fredi Enderli mit der Maissaat im Lohn begonnen. Heute stehen eine 8-reihige Maissämaschine und eine 4-reihige Streifenfrässmaschine auf dem Betrieb, die jährlich zusammen rund 200 Hektaren Mais säen. Beide können sowohl für die konventionelle Pflugsaat wie auch für Mulch- oder Streifenfrässsaat eingesetzt werden. Zusätzlich sind die Sämaschinen mit je zwei Düngertanks ausgerüstet: einer ist für Mikrogranulat und der andere für die Unterfussdüngung. Die Düngevorrichtung haben Enderlis selbst konstruiert, mit dem Ziel, die Sätechnik vom Gewicht her möglichst leicht zu halten, um mit einem kleineren Traktor zu fahren. «Gleichzeitig wollten wir die Düngung so einrichten, dass der Kunde den Dünger und die Düngungsart frei wählen kann», ergänzt Andrin Enderli.
Die Düngung ist gerade im Mais sehr unterschiedlich. Nebst der Versorgung mit Hofdüngern gibt es zahlreiche Strategien mit Mineraldüngern. Da stellt sich auch die Frage, wie viel der zur Saat und zu Beginn der Entwicklung gegebenen Nährstoffe effektiv in die Pflanze gelangen.
Das Lohnunternehmen legt Wert auf effiziente Düngung, weshalb vorwiegend verzögernd wirkende Mineraldünger der Firma Timac Agro Swiss eingesetzt werden (siehe Kasten «Weniger Verlust mit stabilisiertem N-Dünger»).

Wegen hoher Düngerpreise wird Nährstoffeffizienz wichtiger
«Die Nährstoffeffizienz muss stärker in den Fokus gelangen, zumal die Düngerpreise stark steigen und gleichzeitig der Nährstoffeinsatz in der Landwirtschaft immer mehr eingeschränkt wird», sagt Andreas Kappeler, Berater bei Timac Agro Swiss.
Die Einschränkung von Stickstoffeinheiten sei ein Riesenthema auf den Tierhaltungsbetrieben. «Wer schönen Mais haben will, muss ihm auch etwas geben», betont Fredi Enderli.
Die Frage ist aber, in welcher Form man dem Mais die Nährstoffe gibt, damit sie auch wirklich dort ankommen, wo sie hinsollen. Denn verlorene Nährstoffe sind teuer und belasten die Umwelt. Ausserdem hat Mais den grössten Nährstoffbedarf erst in der Schossen- und Blütephase.
Das Lohnunternehmen Enderli setzt folgende Düngerstrategie ein: Mikrogranulat und eine Unterfussdüngung zur Saat, danach eine Kopfdüngung im 6- bis 8-Blatt-Stadium. Das Mikrogranulat wird direkt über einen separaten Schlauch punktgenau zum Saatkorn abgelegt. Im Mikrogranulat sind die wichtigsten Nährstoffe wie verfügbarer Phosphor, etwas Stickstoff, Schwefel und Zink vorhanden, die für eine schnelle Jugendentwicklung von Bedeutung sind.
Zur späteren Nährstoffabdeckung dient die Unterfussdüngung. Das Düngerkorn wird 5 cm unter und neben dem Saatkorn als Depot platziert, damit die Maiswurzeln zum Düngerkorn hinwachsen, um die Nährstoffe aufnehmen zu können.

P-Mangel im Blut der Kuh wegen im Boden gebundenem Phosphor
Der Mais bildet zu Beginn nur ein grobes, wenig tief reichendes Wurzelwerk, was besonders bei der Phosphoraufnahme zu Engpässen führt.
Phosphor ist am besten verfügbar bei tieferem pH-Wert um 6,5. Bei höherem pH-Wert, wie das in vielen Böden der Fall ist, bindet sich das negativ geladene Phosphatteilchen an das positiv geladene Kalzium oder Magnesium im Boden. In dieser Form kann es von der Pflanze nicht aufgenommen werden. «In den Bodenproben ist zwar Phosphor vorhanden, aber für die Pflanzen nicht verfügbar», stellt Andreas Kappeler fest.
Mais braucht am meisten Phosphor während der Kolbenbildung. Daher ist es besonders wichtig, dass bei der Unterfussdüngung ein geschützter Dünger eingesetzt wird, damit der Phosphor nicht schon vorher im Boden festgelegt wird. Das hat noch weiterreichende Folgen. «Der Phosphormangel im Blut bei den Kühen hat auch damit zu tun. Der Phosphor ist im Boden festgelegt und gelangt nicht mehr ins Futter», fasst Kappeler zusammen.
Daher ist Mais sehr gut als Hofdüngerverwerter geeignet, da Hofdünger die Nährstoffe später freisetzen. «Alles ist ein Kreislauf, die Nährstoffe, die wir auf dem Feld ausbringen, sollten übers Futter wieder in unsere Tiere gelangen», ergänzt Fredi Enderli. Ähnlich sieht es beim Schwefel aus.

«Mais braucht Schwefel, um einen hohen Rohproteingehalt entwickeln zu können - gleich wie Getreide.»
Andreas Kappeler, Berater Timac Agro Swiss
Schwefel im Mais erhöht Rohproteingehalt
Der Schwefelbedarf von Mais werde häufig unterschätzt. «Früher zeigte der Silomais in Futteranalysen Werte von rund 80 Gramm Rohprotein pro Kilogramm. Heute sehe ich kaum noch Werte über 60 Gramm», beobachtet Andreas Kappeler. Das habe mit der mangelnden Schwefeldüngung zu tun.
Für die Stickstoffumwandlung zu Protein braucht es Schwefel. Beim Getreide ist das bekannt, beim Mais gehe das häufig vergessen. «Kaum jemand erwähnt, dass Mais auch einen wesentlichen Teil an Rohprotein an die Ration liefern kann», sagt Kappeler.
Stickstoff und Schwefel arbeiten also zusammen. Doch auch bei der Stickstoffdüngung ist Vorsicht geboten. «Mais verzeiht viel. Wenn man beim Getreide zu viel Stickstoff düngt, fällt es um, Mais aber nicht», beobachtet Fredi Enderli. Stickstoff hat aber einen Einfluss auf die Pflanzengesundheit. «Für mich gehören die Düngung und der Pflanzenschutz zusammen», sagt Andreas Kappeler. Zu hohe Nitratgaben würden zu Zwangsernährung der Pflanze führen und haben zur Folge, dass die Zellwände der Pflanzen dünn werden. Dadurch sind sie anfälliger auf Schädlinge und Trockenheit.
Häufig wird standardmässig im 6- bis 8-Blatt-Stadium Harnstoff gestreut. «Viele denken immer noch, dass Harnstoff ein langsam wirkender Dünger ist. Aber wenn der Boden warm ist, kann dieser innert zwei Wochen zu Nitrat umgewandelt werden», erklärt Andreas Kappeler. Problematisch sei vor allem die Witterung. Der Mais hat den grössten Nährstoffbedarf ab Mitte Juni, wenn das Risiko von Trockenheit erhöht ist. Gemäss Andreas Kappeler geht am meisten Stickstoff verloren, wenn Harnstoff bei 25 Grad Aussentemperatur ausgebracht und nicht eingearbeitet wird, aber dann ein kleiner Regenschauer mit einem Millimeter Niederschlag kommt. «Dann verdunstet viel Stickstoff in die Luft.»
Daher setzen Enderlis bei der Kopfdüngung im 6-Blatt-Stadium einen geschützten Ammonium-Harnstoff-Dünger ein.
Im Vergleich zu herkömmlichem Ammonsalpeter ist der mit der Kalkmatrix geschützte Stickstoffdünger von Timac Agro Swiss rund 40 Franken teurer pro 100 kg. «Schliesslich zählt aber, wie viel der ausgebrachten Düngereinheiten effektiv in der Pflanze ankommen», meint Andrin Enderli.
Da das Lohnunternehmen viele der selbst gesäten Parzellen auch selbst erntet, sehen sie, welche Anbau- und Düngerstrategien die schönsten Bestände liefern.
«Das Pflugverfahren mit breiter Nährstoffversorgung in Form von Hofdünger in Ergänzung von geschützten Mineraldüngern bringt in den meisten Fällen die schönsten Maisbestände», beobachtet Andrin Enderli. Beat Keller dient dabei als Referenz. «Wenn ich beim Ernten mit dem Häcksler 1 bis 2 km/h langsamer fahren muss, dann sehe ich gleich, dass es viel Ertrag gibt.»
«Die eine Anbau- und Düngerstrategie, die bei allen klappt, gibt es nicht. Die Betriebe sind sehr individuell. Zudem dürfen wir die Ertragsabhängigkeit von Mineraldüngern nicht zu gross reden. Ertragslimitierend ist und bleibt immer das Wetter», sagt Andreas Kappeler zum Abschluss.
Weniger Verlust mit stabilisiertem N-Dünger
Auf dem Schweizer Markt gibt es Mineraldünger, bei denen der Stickstoff verzögert wirkt. Deshalb ist er dann verfügbar, wenn der Mais einen höheren Stickstoffbedarf hat. Dadurch geht weniger Stickstoff über Lachgasemissionen oder Auswaschung verloren, dafür gelangt mehr davon in die Pflanze. Nitrifikationshemmer Die Mineraldünger Novatec 26 von Omya und Nitrotec 26 von Landor sind mit einem Nitrifikationshemmer versehen und somit chemisch stabilisiert. Dieser hemmt die Aktivität der Nitrosomonas-Bakterien, wodurch im Boden die Umwandlung von Ammonium zu pflanzenverfügbarem Nitrat verlangsamt wird. Somit bleibt der Stickstoff länger in der stabilen Ammoniumform, was die Stickstoffverluste reduziert. N-Process (Kalkmatrix) Beim Unterfussdünger Locaboost und beim Kopfdünger Sulfammo von der Timac Agro Swiss ist der Stickstoff nicht chemisch mit einem Nitrifikationshemmer stabilisiert, sondern physikalisch geschützt. Der Stickstoff ist mit einer Kalkmatrix ummantelt. Diese Ummantelung muss die Pflanze zuerst auflösen, indem sie über die Wurzeln Säure abgibt. Erst dann wird der Stickstoff für die Pflanze zugänglich. Die Wirkungsdauer dieser verzögerten N-Dünger ist wie auch bei herkömmlichen Mineraldüngern stark abhängig vom Wetter und von der Bodenaktivität.
Betriebsspiegel Enderli Transporte und Maschinenbetrieb GmbH
Fredi, Marco und Andrin Enderli, Pfäffikon ZH LN: 42 Hektaren Kulturen: Weizen, Gerste, Mais, Sonnenblumen und Lupinen Tiere: 115 Mastmuniplätze Lohnunternehmen: Bodenberabeitung, Saat, Pflanzenschutz, Düngerapplikation, Erntearbeiten von Gras und Mais, Transporte Arbeitskräfte: Fredi, Marco und Andrin Enderli sowie 3 Vollzeit- und 1 Teilzeitangestellte Weitere Betriebszweige: Enderli Transporte und Maschinenbetrieb GmbH, Milchtransport, Winterdienst, Forstarbeiten, Zusammenarbeit mit Keller Agro Kalk- und Landesprodukte www.kelleragro.ch

