Kurz & bündig - Der Scharfe Hahnenfuss ist im grünen Zustand giftig. - Frühes Beweiden in Kombination mit einem Säuberungsschnitt drängt den Scharfen Hahnenfuss zurück und fördert die dicht wachsenden Weidegräser. - Die Schadschwelle für eine chemische Flächenbehandlung liegt bei 10 Pflanzen pro Quadratmeter.
Gibeligelbe Pferdeweiden, das ist keine Seltenheit. Der Scharfe Hahnenfuss verbreitet sich gerne und üppig, wenn nicht stets an der Weidepflege gearbeitet wird. Das Unkraut bevorzugt feuchte Standorte mit guter Stickstoff- und Kaliumversorgung und schlechter Grasnarbe. Daher ist der Scharfe Hahnenfuss häufig auf Weiden und lückigen Naturwiesen anzutreffen.
Das Unkraut ist aber nicht nur problematisch, weil es gute Futtergräser verdrängt, sondern auch, weil es giftig ist. Auf der Weide wird der Scharfe Hahnenfuss deshalb von den Tieren gemieden. Im Dürrfutter wird das Gift abgebaut und ist daher ebenfalls unproblematisch. In der Silage hingegen dauert es rund zwei Monate, bis sich der Gehalt an giftigem Protoanemonin auf ein gesundheitlich unbedenkliches Mass reduziert.
«Für Rindvieh ist der Scharfe Hahnenfuss im Grünfutter ab einem Anteil von mehr als 10 Prozent giftig», sagt Bruno Stucki, Leiter des Geschäftsbereiches Landwirtschaft bei der Eric Schweizer AG. Geringe Anteile im Bestand seien aber tolerierbar.
«Über die frühreifenden Samen kann sich der Scharfe Hahnenfuss rasch verbreiten und Grasnarbenlücken füllen», ergänzt Herbert Schmid, Futterbauberater an der Liebegg. Frühzeitiges Handeln im Frühjahr ist also wichtig, um das Unkraut in den Griff zu bekommen.
Früh mit Weiden beginnen drängt Scharfen Hahnenfuss zurück
Der Scharfe Hahnenfuss kann bereits ab Mitte April mit der Blüte beginnen und fängt dann bald mit der Samenreifung an. Das Unkraut bildet eine grosse Anzahl Samen, die bis zu mehr als 20 Jahre im Boden überleben können. Früher Weidebeginn bei trockenen Bedingungen hilft, den Scharfen Hahnenfuss zurückzudrängen. «Durch den Tritt werden breitblättrige Unkräuter wie der Scharfe Hahnenfuss geschädigt und gleichzeitig Gräser zur Bestockung angeregt», erklärt Bruno Stucki.
Da der Scharfe Hahnenfuss auf der Weide nicht gefressen wird, kann er im ersten Aufwuchs aufstängeln und insbesondere in den Geilstellen schon früh die Samenreife erlangen. Die Weiden sollten daher frühzeitig gesäubert und die Futterreste abgeführt werden. Bei spät bestossenen Weiden ist der Scharfe Hahnenfuss reif, bevor die Weide fertig abgefressen ist. «Dieses Problem ist häufig aus Angst vor zu strukturarmem Futter auf Pferde- und Mutterkuhweiden anzutreffen», weiss Herbert Schmid. Die Struktur sollte im Stall zugefüttert werden, während das Weidegras vom frühzeitigen Weidegang profitiert und der Scharfe Hahnenfuss besser bekämpft werden kann.
«Der Scharfe Hahnenfuss tritt an Standorten auf, wo Düngung und Nutzung nicht im Gleichgewicht stehen.»
Bruno Stucki, Eric Schweizer AG
Portionen vormähen und anwelken lassen
«Weiden mit Scharfem Hahnenfuss werden problemlos gefressen, wenn eine Tages- oder Halbtagesportion beim schönen Wetter vorgemäht wird und die Tiere das angewelkte Futter einen Tag später fressen können», erklärt Herbert Schmid.
Wird eine mit Scharfem Hahnenfuss verunkrautete Fläche im ersten Aufwuchs nicht benötigt, dann sollte diese stehen gelassen und noch vor dem Abreifen der Samen gemäht werden. So kann der Samenkreislauf ebenfalls unterbrochen werden.

Lücken füllen und standortangepasste Gräser säen
«Pferdeweiden sind besonders betroffen, da in der Schweiz kaum eine Pferdeweide nicht übernutzt wird», weiss Bruno Stucki. Der Scharfe Hahnenfuss ist ein Lückenfüller. Daher ist es wichtig, Sorge zur Grasnarbe zu tragen und wenn möglich nur bei guten Wetterbedingungen zu weiden.
Bei Bedarf ist eine Übersaat sinnvoll. Da der Scharfe Hahnenfuss feuchte Standorte bevorzugt, ist es bei einer Ansaat wichtig, möglichst standortangepasste Gräser zu wählen. Für Mähwiesen empfiehlt Bruno Stucki den Wiesenfuchsschwanz und den robusten Rohrschwingel in Kombination mit der Wiesenrispe. Auf weniger feuchten Standorten eigne sich zusätzlich das konkurrenzstarke Englische Raigras.
Der Scharfe Hahnenfuss ist nicht nur in Pferdeweiden, sondern auch häufig in lückigen Naturwiesen anzutreffen, die der Dürrfutter- oder Silageproduktion dienen. «Diese werden im ersten Aufwuchs häufig um Mitte Mai geschnitten. Zu diesem Zeitpunkt ist der Scharfe Hahnenfuss bereits samenreif», weiss Herbert Schmid. Wenn gleichzeitig der Regeneration der Horstgräser zu wenig Beachtung geschenkt wird, entstehen Grasnarbenlücken, welche in der Folge verunkrauten. Darum müssen beispielsweise mittelintensive Knaul-graswiesen im ersten Aufwuchs periodisch versamen können.
Dafür werden sie alle drei bis fünf Jahre erst Anfang Juni geschnitten, um Heu für die Rinder oder Pferde herzustellen. Die intensiven Italienisch-Raigras-Wiesen sind sogar alle zwei bis drei Jahre darauf angewiesen, reifen Samen bilden zu können. Dafür lässt man diese Wiesen im zweiten oder dritten Aufwuchs sechs bis sieben Wochen alt werden. «So entstehen wertvolle, stabile Naturwiesen, in denen es der Scharfe Hahnenfuss schwer hat», folgert Herbert Schmid.
«Rindergülle enthält viel Kalium. Zur Abwechslung könnte mal Schweinegülle oder Mist eingesetzt werden.»
Herbert Schmid, Liebegg
Der Scharfe Hahnenfuss ist kali- und stickstoffliebend
Nebst dem frühen Weiden und der richtigen Bestandeszusammensetzung ist auch die Weidehygiene zentral. Kotstellen müssen regelmässig gesäubert werden, um Weideverluste zu vermindern.
Allgemein ist bekannt, dass der kali- und stickstoffliebende Scharfe Hahnenfuss gerne auf nährstoffreichen Wiesen auftritt. «Der Scharfe Hahnenfuss tritt dort auf, wo Düngung und Nutzung nicht im Gleichgewicht stehen», erklärt Bruno Stucki. Die beiden Berater empfehlen daher, die Güllemenge zu reduzieren. Es kann sich lohnen, die Gülleart mal zu wechseln. «Rindergülle enthält viel Kalium. Zur Abwechslung könnte mal Schweinegülle oder Mist eingesetzt werden», empfiehlt Herbert Schmid.
Nebst der Düngung ist auch die Schnitthöhe entscheidend. Liegt diese unter 6 bis 8 Zentimetern, werden die Futtergräser geschwächt und die Unkräuter begünstigt.

Herbizid als letzte Massnahme gegen den Scharfen Hahnenfuss
Bei starkem Auftreten empfiehlt Herbert Schmid eine Flächenbehandlung, sofern die obgenannten Ursachen gleichzeitig bekämpft werden. Die Schadschwelle liegt bei zehn Pflanzen pro Quadratmeter. Zur Bekämpfung sollte ein Wuchsstoff-Herbizid mit dem Wirkstoff MCPB oder MCPA eingesetzt werden. Vom Zeitpunkt her ist der Erfolg am grössten, wenn die Applikation im Knospenstadium vom Scharfem Hahnenfuss erfolgt. Das Wetter sollte dabei warm und wüchsig sein, damit die Pflanzen den Wirkstoff gut aufnehmen und nur geringe Ertragseinbussen entstehen. «Muss gleichzeitig die Blacke bekämpft werden, zeigen Herbstbehandlungen mit dem Mittel Harmony guten Erfolg», erklärt Schmid.
Nach der Behandlung müssen die Lücken durch eine Übersaat oder die Versamung der Horstgräser geschlossen werden. Bei Sackgassbeständen empfiehlt sich die Totalsanierug mit anschliessender Neuansaat. Diese bringt aber nur Erfolg, wenn die passende Saatgut-Mischung gewählt wird.
«Der flächendeckende Einsatz von selektiven Herbiziden gegen den Scharfen Hahnenfuss sollte aber als letzte Möglichkeit angesehen werden», findet Bruno Stucki. Herbizidmassnahmen dienen lediglich zur Symptombekämpfung. Solange die Bewirtschaftung nicht angepasst werde, befinde sich der Bestand schnell wieder dort, wo er vor der Behandlung gewesen sei.

