Kurz & bündig
- LandwirtInnen können in der Feldhasen-Förderung einen wichtigen Beitrag leisten. - In weiten Reihen gesätes Getreide bietet den Feldhasen Schutz. - Seit Ende 2018 ist «Säen in weiten Reihen» vom BLW als «regionsspezifische Biodiversitäts-Fördermassnahme» anerkannt und damit in einzelnen Kantonen anmeldbar. - Die Beiträge sind mit 1000 Franken pro ha attraktiv.
Der Bestand des einstmals vielerorts gesichteten Feldhasen ist seit 2001 massiv eingebrochen. Wurden 2001 in der Nordwestschweiz noch 3000 Feldhasen gezählt, waren es 2016 nur noch deren 1000.
Wie kam es zu diesem Zusammenbruch und welche wichtige Rolle spielt die Landwirtschaft dabei, den Bestand wieder aufzuwerten? Das Projekt «Getreide in weiten Reihen» stösst auf reges Interesse seitens der LandwirtInnen.
Im Jahr 2007 nahm sich der Verein «Hopp Hase» in Zusammenarbeit mit Akteuren aus Vogel- und Naturschutz der Problematik an. Es wurden zwei Massnahmen getestet, um den Feldhasen wieder im intensiv bewirtschafteten Ackerland anzusiedeln.
Unterschlupf und Schutz dank grösseren Saatabständen
Unter anderem wurde die Massnahme «Getreide in weiten Reihen» eingeführt. Sie bietet dem Feldhasen durch grössere Saatabstände zwischen den Reihen eine Unterschlupfmöglichkeit und Schutz vor Fressfeinden.
Doch nicht nur Feldhasen, auch die seltener gewordene Feldlerche profitiert von dieser Massnahme, da sie für ihren Nistplatz freien Ackerboden benötigt. Hierzu werden ein bis zwei Reihen jeweils bei der Ansaat des Getreides ausgelassen.
Auch IP Suisse hat die Massnahme «weite Reihe» in ihr Punktesystem Biodiversität eingeführt. Schliesslich hat das Bundesamt für Landwirtschaft BLW Ende 2018 die Massnahme als «regionsspezifische Biodiversitäts-Fördermassnahme» für den Kanton Bern anerkannt, erklärt Markus Krähenbühl, Sachbearbeiter ökologischer Ausgleich und Verträge vom Landwirtschaftsamt Bern LANAT.
Im Sommer 2019 wurde Getreide in weiten Reihen in Bern und sechs weiteren Kantonen als Massnahme zur Förderung des Feldhasen und der Feldlerche umgesetzt, so Krähenbühl. Das Projekt wurde breit kommuniziert:
- durch Informationen anlässlich der Stichtagserhebung 2019,
- durch die Erhebungsstellen der Gemeinden,
- durch die Aufnahme der Massnahme in die Anleitung zu den Vernetzungsmassnahmen und
- durch Mund-zu-Mund-Propaganda.

Der Sommerhafer hat eine bessere Standfestigkeit
Matthias Ramseyer bewirtschaftet gemeinsam mit seinem Bruder Niklaus einen 43 ha grossen Betrieb mit diversen Ackerkulturen. «Wir haben 2019 erstmals Saathafer in weiten Reihen angesät», erzählt er.
Erst haben Matthias und Niklaus Ramseyer von den 4 ha Sommerhafer versuchsweise nur eine Hektare in weiten Reihen angesät, um zu schauen, ob Ertragseinbussen auftreten. Dies war jedoch nur minim der Fall.
Das Projekt sei auch wegen seines finanziellen Beitrags interessant, merkt Matthias Ramseyer an. Pro Hektare, die in weiten Reihen angesät wird, bekommen die Landwirte 1000 Franken Biodiversitäts-Förderbeitrag, die im Rahmen der Vernetzungsprojekte verfügbar sind.
«Uns ist vor allem aufgefallen», berichtet Matthias Ramseyer, «dass der in weiten Reihen gesäte Hafer eine bessere Standfestigkeit hat und weniger lagert.»
Betriebsspiegel der Gebrüder Ramseyer
Matthias und Niklaus Ramseyer, Winterswil BE LN: 43 ha LN, 12 ha Wald Kulturen: Saatgetreide, Raps, Mais, Kunstwiese, Quinoa, Saatkartoffeln Tierbestand: 55 Mastrinder Arbeitskräfte: Gebrüder Ramseyer und Fritz Ramseyer
Matthias Ramseyer sagt weiter, dass die Saat in weiten Reihen sicher auch für Insekten und Vögel attraktiv sei. Hasen habe er selbst keine gesehen, aber Feldlerchen und Wespenspinnen, die wegen ihrer gelben Färbung besonders auffällig sind.
Voraussetzung für ein gutes Gelingen der Feldhasenförderung ist eine gut bestockende Getreidesorte, meint Matthias Ramseyer. Dies kann Unkrautdruck vorbeugen.
Zudem kann auch die Stickstoffgabe etwas früher erfolgen, da der Hafer mehr Platz hat, um schneller zu bestocken. Durch die bessere Standfestigkeit könne die erste Stickstoffgabe auch leicht erhöht werden, merkt der Agronom an.

Geringer Aufwand und attraktive Entschädigung
Florian Burkhalter, Bereichsleiter ökologischer Ausgleich und Verträge beim LANAT, betont weiter, dass sich diese Art von Getreideanbau lohne, weil der Aufwand für die Landwirte gering sei und die Entschädigung attraktiv. So könne auf einfache Art und Weise etwas zur Erhaltung einer bedeutenden Leitart für die Biodiversität getan werden.
Checkliste für Getreide in weiten Reihen
- Mindestmenge 20 Aren - 50 m Abstand zu Haupt- und Nationalstrassen - Geeignet für Sommer- und Wintergetreide - Gut bestockende Getreidesorten wählen (geringerer Unkrautdruck) - Wintergetreide kann im Herbst ab 1. Oktober bis am 1. Januar beliebig oft gestriegelt werden. Zwischen dem 1. Januar und dem 15. April darf nur einmal gestriegelt werden. Sommergetreide nur einmal. - Chemische Unkrautregulierung: Ist gemäss ÖLN erlaubt. - Achtung: Ob chemische und mechanische Unkrautregulierung kombiniert werden dürfen, ist je nach Kanton unterschiedlich! - Saatabstand mindestens 30 cm - relativ geringer Aufwand und sehr geringe Ertragseinbussen - Reduktion der Saatmenge um 40 % auf die Gesamtfläche bezogen.

Herausforderung: Den Unkrautdruck im Griff behalten
Herausforderungen in dieser Anbauweise des Getreides gibt es durchaus. Matthias Ramseyer erklärt, dass insbesondere die strengen Striegel-Vorgaben teils hinderlich seien, um den Unkrautdruck im Griff zu behalten. Laut LANAT-Leitfaden zum Getreide in weiten Reihen ist zwischen dem 1. Januar und dem 15. April nur ein Durchgang mit dem Striegel erlaubt.
«Beim Sommerhafer ist die Herausforderung, dass wir Mitte Februar oder Anfang März säen und der Hafer noch nicht sehr standfest ist, wenn wir Anfang April striegeln», erklärt er. Das weniger intensive Striegeln kann bei Sommergetreide wie Hafer zu grösserem Unkrautdruck führen.
Dies deshalb, weil die Unkräuter nicht ausgerissen werden und sich zu einem späteren Zeitpunkt (nach dem 15. April) erneut vermehrt Unkräuter bilden können. Dann könne man noch chemisch bekämpfen. Aber beim herbizidlosen Anbau, wie Matthias Ramseyer ihn mit seinem Bruder praktiziert, sei dies nicht die gewünschte Lösung.
Bei Wintergetreide hingegen könne ein intensives Striegeln im Herbst bereits viel gegen den Unkrautdruck bewirken. Hier schade es auch nicht, wenn man vor dem 15. April nochmals durchstriegelt, da dass Getreide dann bereits standfest ist.
Hinzu kommen die Lagekriterien und die Einstellung der Sämaschinen mit den verschiedenen Schareneinstellungen, ergänzt Florian Burkhalter. Die Lage der Getreideflächen sei wichtig, da Flächen, die an Nationalstrassen oder Schnellstrassen grenzten, nicht beitragsberechtigt seien. Zudem hätten sich Fragen bezüglich der Saatmuster in weiten Reihen ergeben.
Trotz dieser Herausforderungen berichtet Florian Burkhalter, dass das Echo für die Massnahme positiv ist. Auch Lohnunternehmer hätten viel Erfindergeist gezeigt und pneumatische Sämaschinen entwickelt, welche das gewünschte Saatmuster säen können.

Ansaat in weiten Reihen als wirkungsvolle Massnahme
Die Bewirtschaftung von Ackerflächen mit Getreide in weiten Reihen ist auf positives Echo gestossen und wird nun von diversen Kantonen und Gemeinden als wirkungsvolle Biodiversitäts-Fördermassnahme anerkannt und umgesetzt.
Interessant wäre es, die Beiträge für die Bewirtschaftung mit und ohne Herbizide abzustufen sowie zusätzliche Lagekriterien, wie ein zwingender Abstand zur Siedlungsfläche, einzuführen.
Durch die herbizidlose Bewirtschaftung wird das Nahrungsangebot für die Feldhasen verbessert und durch den Abstand zur Siedlungsfläche der Druck von Fressfeinden minimiert. Dies könnte zu einer noch besseren Erholung der Hasenpopulation beitragen, bemerkt Florian Burkhalter vom Berner LANAT abschliessend.
Mehr Biodiversität im Ackerbau
Das Ressourcenprojekt zur Förderung der Biodiversität im Ackerbau hat zum Ziel, bei den zwei meist angebauten Kulturen in der Schweiz (Winterweizen und Mais) durch biodiversitätsfreundliche Bewirtschaftungsmassnahmen die Artenvielfalt zu fördern. Darunter sind Feldhasen, Feldlerchen, Insekten und weitere Nützlinge. Die Massnahme «Getreide in weiter Reihe» ist eine dieser Massnahmen. Das Projekt hat 2019 begonnen und wird 2024 abgeschlossen. Die Resultate des Projekts sollen in die Anpassung der Biodiversitäts-Förderbeiträge auf Kantons- und Bundesebene einfliessen. Partner: HAFL, Universität Bern, Swiss no-till, Agridea

