Kurz & bündig
- Markus Grob baut seit 2016 Erdnüsse in Steckborn TG an. - Ab Mai können die Pflanzen in den Boden, die Erdnüsse brauchen Bodentemperaturen ab 8 Grad. - Markus Grob konnte im Spitzenjahr 2019 auf einer Fläche von 20 Aren 30 Kilo Erdnüsse ernten. - 2021 fiel die Ernte aus, da die Krähen im Frühling trotz Vlies die ganze Saat gefressen haben.
Der Thurgau ist bekannt als «Mostindien». Dabei gibt es neben Thurgauer Äpfeln auch Thurgauer Erdbeeren und – man staunt – Thurgauer Erdnüssli.
Um die Weihnachtszeit im Jahr 2015 hatte Markus Grob vom Hardhof in Steckborn im Thurgau die Idee, Erdnüsse auch in der Schweiz anzubauen. «Ich habe Erdnüsse gegessen und dachte mir, mit der Klimaerwärmung sollte es möglich sein, auch in der Schweiz ‹Spanisch Nüssli› anzubauen», erzählt der Metallbauer und Landwirt.
Gesagt, getan. Aus der grössten Erdnuss-Rösterei der Schweiz in Frauenfeld besorgte er sich ungeröstete Erdnüsse und säte diese in einem ersten Feldversuch aus. Die Erträge blieben nicht aus und so machte der Landwirt die folgenden Jahre mit steigender Fläche weiter. «Als grösste Fläche habe ich 20 Aren angebaut», berichtet er. In seinem ertragreichsten Jahr hat er rund 30 Kilogramm Erdnüsse geerntet.
Krähen lieben frisch gesäte Erdnüsse
Doch die Erdnüsse sind nicht nur zu Weihnachtszeit bei den menschlichen KonsumentInnen beliebt. Auch Krähen lieben Erdnüsse, vor allem, wenn sie frisch gesät werden. Als Markus Grob seine 20 Aren Erdnüsse gesät hatte, deckte er diese mit einem Vlies ab, um sie vor Vogelfrass zu schützen. Es half nichts. «Die Krähen müssen die Aussaat irgendwie riechen», merkt er an. Das Vlies wurde aufgepickt und die Erdnüsse verschwanden aus dem Boden. Eine Ernte konnte er 2020 dennoch einbringen.
Dasselbe Problem dieses Jahr: Aus Zeitgründen hat Markus Grob im Frühling 2021 zwei Reihen gesät. Einige Tage später war die Saat von den Krähen aufgefressen – dieses Jahr gibt es keine Thurgauer Erdnüsse von Markus Grob. «Der nasse Sommer wäre ohnehin schlecht für die Erdnüsse gewesen», blickt er zurück, ohne sich die Freude an seinen Erdnüssen nehmen zu lassen. «Ich werde im nächsten Jahr wieder auf einer kleinen Fläche Erdnüsse anbauen, da es mir Spass macht zu experimentieren, auch gegen Krähenfrass.»
Betriebsspiegel Hardhof
Markus Grob, Steckborn TG LN: 11 ha Kulturen: Zuckerrüben, Weizen, Mais, Eiweisserbsen, Landschaftsqualitätsprojekte Mitarbeitende: Markus Grob im Nebenerwerb
Judith Meier, Produktionsleiterin bei Max Schwarz-Zurkinden Biogemüsebau in Villigen AG, hingegen hat 2021 erfolgreich Erdnüsse produziert: Zehn Aren in Folientunnel mit Setzlingen. Die Ernte lässt sich sehen: «Wir hatten nach Sortierung und Röstung rund 120 kg verkaufsfähige Ware.»
Da die Erdnüsse in Tunnel mit Setzlingen produzierten wurden, hatte Meier kein Krähenproblem. «Wir haben die Setzlinge in Folie gepflanzt, um das Unkraut zu unterdrücken und diese weggenommen, als die Pflanzen Blüten bildeten.» Die Produktionsleiterin ist mit dem ersten Versuchsjahr zufrieden: «Auf Grund des kühlen Sommers haben wir eher einen Totalausfall erwartet.»
Allerlei Tüftelei für den Erdnuss-Anbau im Thurgau
Da bislang in der Schweiz keine Anbaumaschinen für Erdnüsse existierten, machte sich Markus Grob im Internet schlau. Erdnüsse könnten ähnlich wie Mais mit einer Einzelkorn-Sämaschine gesät werden, meint er. Zudem biete es sich an, für die Erdnüsse Dämme aufzuschütten, ähnlich wie bei Kartoffeln. Dies würde die Bodentemperatur positiv beeinflussen und die Ernte erleichtern.
Um die Erdnüsse vor der Saat aus ihren Schalen zu trennen, hat er eine «Schälmaschine» gebastelt, die mittels eines Blechs die holzigen Schalen aufreibt. Auch hat sich ein Kollege von Markus Grob aus Amerika eine Einzelkorn-Sämaschine speziell für Erdnüsse besorgt, welche auf die kleinen Platzverhältnisse in der Schweiz angepasst wurde. Doch die Säerfolge seien mässig gewesen, weshalb er teils auch von Hand gesät hätte, berichtet Markus Grob.
Nach ihrer Aussaat Anfang Mai brauchen die Erdnüsse für ihr Wachstum vor allem genügend Wasser und eine Bodentemperatur von 8 bis 10 Grad. «Dann gehen sie so richtig ab», erzählt Markus Grob. Bei Temperaturen unter 8 Grad sei es für die Wüstenkulturen zu kalt und der Boden zu nass. Erdnüsse seien auch hinsichtlich Krankheiten relativ resistent. Einzig die Bildung von Aflatoxin nach der Ernte sei eine Gefahr und muss vor dem Verzehr unbedingt kontrolliert werden. «Und obwohl ich die Erdnüsse gerne biologisch bewirtschaften würde, brauche ich zwei Herbizide», merkt Markus Grob an.
Mit dem Heissluftgebläse trocknen, im Backofen rösten
Gelb blühend, ähnlich wie eine Erbsenpflanze, entwickeln sich über zwei Monate hinweg bis im September Blüten, bevor das Kraut Ende September abstirbt.
Geerntet werden die Erdnüsse bei Markus Grob mit einem Schüttelroder, der die Dämme unterfährt und die Erdnüsse ausgräbt. Anders als bei den Kartoffeln bleibt das Kraut allerdings mit der Pflanze verbunden und kann erst nach der Ernte abgetrennt werden.
Auch die schwere, humusreiche Erde bleibt an den Erdnüssen kleben. «Ich habe die Erdnüsse dann auf einen Rost gelegt und mit einem Heissluftgebläse getrocknet», berichtet Markus Grob. Somit liesse sich die getrocknete Erde besser von den Erdnüssen entfernen.
«Die Mengen, die ich habe, röste ich im Backofen», erzählt der Landwirt und Metallbauer weiter. Dabei sei es wichtig, dass die Erdnüsse genügend getrocknet sind.
Nach der Röstung, die über 20 Minuten bei 180 Grad in einem normalen Backofen erfolgen kann, sind die Erdnüsse genussreif.
Die Vermarktungsmöglichkeiten der Erdnüsse sind vielfältig
Seine Erdnüsse hat Markus Grob bis anhin direkt und selbst vermarktet. Grosse Mengen für den Detailhandel zu produzieren, schätzt er als eher unrealistisch ein. «Pro Pflanze, die du aussäst, erhältst du je 40 Nüsse bei der Ernte», stellt er fest. Allerdings hat sich bei der Ernte nicht jede Nuss gefüllt und deshalb schwankt der Ertrag sehr stark.
Zudem müsse man die Nüsse im Detailhandel auch kalibrieren. Er schätzt, das vor allem kleinere Spezialitätenläden an Schweizer Erdnüssen interessiert wären. Hier spiele die Kalibrierung auch nicht eine besondere Rolle.
Die Pressung zu Erdnussöl oder die Verarbeitung zu Schweizer Erdnussbutter sei ebenfalls sehr interessant: Wenn in einem ertragsschwächeren Jahr die Ernte nicht sehr schön ausfällt, könnten die Nüsse mit samt der Schale gepresst werden, wie bei Baumnüssen. «In der Nähe gibt es einen Landwirt, der auf seinem Betrieb seinen eigenen Raps presst», erzählt Markus Grob. Dies würde sich auch für Erdnüsse anbieten.
«Lohnen tut sich mein Anbau nicht», gibt Grob offen zu. «Für mich ist es eine Genugtuung, als kleiner, innovativer Macher bewiesen zu haben, dass der Anbau hier funktioniert.»
«Kleinere Spezialitätenläden sind sicher an Schweizer Erdnüssen interessiert»
Markus Grob, Landwirt und Metallbauer
Judith Meier ist der Ansicht, dass Erdnüsse in der Schweiz eine Nischenkultur sind und dass dies auch so bleiben werde. «Dass man es schafft, mit Gewinn zu produzieren, halte ich für sehr schwierig. Im Moment ist der Aufwand vor allem für die Ernte und Weiterverarbeitung noch sehr hoch. Ist man aber ein guter Tüftler und kann Arbeitsstunden sparen, schafft man es vielleicht.» Andererseits sieht sie auch Chancen: «Vor allem der Marketingeffekt ist enorm. Hat man zum Beispiel einen eigenen Hofladen, kann man mit den Erdnüssen vielleicht neue Kunden anlocken.»
Wenig Probleme sieht sie beim Anbau und der Vermarktung. «Ein spezielles Produkt wie Schweizer Erdnüsse finden unserer Erfahrung nach leicht Absatz, vor allem auch als originelles Geschenk.»
Arbeitsintensiv war bei ihr vor allem die Ernte, da sich die Nüsse nicht von den Pflanzen lösen und eine Trocknung auf dem Feld bei uns auf Grund der feuchten Witterung nicht funktioniert hat.
Und: «Um eine möglichst gleichmässige Röstung zu erreichen, haben wir die Nüsse zudem von Hand noch etwas kalibriert.» Auch das brauchte Zeit.
Erdnüsse anbauen
Erdnüsse werden in den USA beispielsweise wie Kartoffeln geerntet und in der sengenden Sonne liegengelassen, um das Kraut abzutrocknen. Für die Erdnussernte in grösserem Stil würde es sich daher anbieten, einen Kartoffelvollernter anzupassen, um die Ernte zu mechanisieren. Somit können auch die Investitionskosten in teure Sä- und Erntemaschinen reduziert werden. Bei der Aussaat ist auf lockeres Erdmaterial zu achten. Nach der Befruchtung verlängert sich das Fruchtblatt der befruchteten Blüte und schiebt sich in die Erde. Dort reift die Erdnuss während der warmen Jahreszeit heran. Bevorzugte Temperatur: 25 bis 30 Grad. Die Erdnuss gehört zu den Leguminosen, was sie auch als stickstoffbindende Pflanze sehr attraktiv macht.


