Kurz & bündig
- Die Tröpfchenbewässerung spart bis zu 30 Prozent Wasser, weil sie das Wasser gezielt direkt an die Wurzeln der Kartoffeln bringt.
- Jede Anlage muss individuell geplant werden, da Kosten und Technik von Feldgrösse, Gelände und vorhandener Wasserinfrastruktur abhängen.
- Die Bewässerungsspezialisten sehen die Tröpfchenbewässerung langfristig im Vorteil.
«Zweitheissester Juni seit über 270 Jahren», titelte SRF Meteo während der Hitzewelle im Frühsommer 2026. Gleichzeitig schränkten erste Gemeinden die private Bewässerung ein. Was im Garten sichtbar wird, beschäftigt auch die Landwirtschaft. Längere Trockenphasen und häufiger auftretende Wetterextreme erhöhen den Bewässerungsbedarf im Kartoffelbau, während Wasser gleichzeitig knapper wird.
Eine Möglichkeit, die vorhandenen Wasserressourcen effizienter einzusetzen, ist die Tröpfchenbewässerung. Im Gegensatz zur klassischen Beregnung gelangt das Wasser dabei direkt in den Wurzelbereich der Pflanzen. Die Verdunstungsverluste sind deutlich geringer und das verfügbare Wasser kann gezielter eingesetzt werden.
Beim Besuch beim Bewässerungsspezialisten GVZ-Rossat zeigte sich jedoch schnell: Eine Tropfbewässerung ist keine Lösung «ab Stange». Jede Anlage wird aufgrund der jeweiligen Gegebenheiten individuell geplant.
Jede Anlage ist ein Einzelstück
«Einen Hektarenpreis für eine Tropfbewässerung kann ich leider nicht nennen», sagt Alain Cornuz, Leiter Handel bei der GVZ-Rossat AG. Die Investitionskosten seien von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich und würden von zahlreichen Faktoren abhängen.
Eine wichtige Rolle spielen die Länge und die Breite der Parzellen. Sie bestimmen nicht nur die benötigte Schlauchlänge, sondern auch die Dimensionierung der Hauptleitungen und allfälliger Zwischenelemente.
Ebenso entscheidend ist die Lage des Feldes. Hanglagen erfordern unter Umständen stärkere Pumpen oder zusätzliche Druckminderer. Bei sehr steilen Parzellen kann der Einsatz einer Tropfbewässerung sogar an technische Grenzen stossen.
Ein weiterer Punkt ist die vorhandene Wasserinfrastruktur. Viele ältere Wasserleitungen sind für moderne Bewässerungssysteme zu klein dimensioniert. Reichen Durchflussmenge oder Leitungsdruck nicht aus, müssen Leitungen oder Pumpen ergänzt werden, was die Investitionskosten entsprechend erhöht.
Eine Inforama-Studie (2015–2017) beziffert die Vollkosten einer Zusatzbewässerung von 75 Millimetern Wasser im Freilandgemüsebau ohne Wasserkosten auf rund 1100 Franken pro Hektare für Reihenregner und Rollomaten sowie auf rund 2600 Franken pro Hektare für Tropfbewässerung. Die Studie weist darauf hin, dass die tatsächlichen Kosten je nach Bewässerungssystem, Auslastung und betrieblichen Gegebenheiten variieren können und weitere Vor- und Nachteile der Systeme nicht monetär bewertet wurden.
Für die Spezialisten ist deshalb klar: Vor der Planung einer Anlage steht immer eine betriebsindividuelle Beratung.
So ist eine Tropfbewässerung aufgebaut
Eine Tropfbewässerung besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten:
- Wasserzuleitung zum Feld
- Filtereinheit
- Druckminderer
- Hauptleitung
- Tropfschläuche

Eine zentrale Rolle spielt die Filtereinheit. Schmutzpartikel, Kalk oder organische Bestandteile dürfen die feinen Tropfer nicht verstopfen. Der Druckminderer reduziert gleichzeitig den Leitungsdruck auf den für die Tropfschläuche erforderlichen Betriebsdruck.
Die Tropfschläuche besitzen im Abstand von rund 30 Zentimetern integrierte Tropfer. Dabei handelt es sich nicht einfach um kleine Löcher. Im Inneren sorgt eine flexible Membran dafür, dass trotz unterschiedlicher Druckverhältnisse überall nahezu gleich viel Wasser austritt.
Diese Technik gewährleistet eine gleichmässige Wasserverteilung, gleicht Druckschwankungen aus und verhindert ausserdem auch das Eindringen von Schmutz oder Wurzeln in den Schlauch.
Die Schläuche selbst sind erstaunlich dünn. Je nach Ausführung beträgt die Wandstärke lediglich 0,15 bis 0,20 Millimeter.
Der Schlauch kommt bereits beim Pflanzen in den Damm
Im Kartoffelbau wird der Tropfschlauch direkt beim Legen der Kartoffeln in den Damm eingezogen. Häufig übernimmt eine kombinierte Legemaschine sämtliche Arbeitsschritte in einem Durchgang. Der Ablauf ist einfach:
- Der Damm wird aufgebaut.
- Der Tropfschlauch wird von der Rolle eingezogen.
- Die Kartoffeln werden leicht oberhalb und seitlich des Schlauchs abgelegt.
- Der Damm wird fertig geformt.
Dadurch befindet sich der Schlauch genau dort, wo später auch die Wurzeln wachsen. Das Wasser gelangt direkt in den Wurzelraum und muss nicht erst durch den gesamten Damm sickern.
Nach der Ernte werden die Schläuche wieder entfernt. Je nach Erntetechnik werden sie während des Rodens direkt aufgewickelt oder zunächst auf dem Feld abgelegt und anschliessend eingesammelt. Aufgrund ihrer geringen Wandstärke handelt es sich um Einwegprodukte; eine Wiederverwendung ist nicht vorgesehen.
Wasser von unten statt von oben
Die Tröpfchenbewässerung spielt im Schweizer Kartoffelbau bislang noch eine eher untergeordnete Rolle. Vor allem grössere, spezialisierte Kartoffelbetriebe wenden diese Technik an, während sie im Gemüsebau schon länger verbreitet ist. Kritiker verweisen auf die höheren Investitionskosten, während Befürworter Vorteile in der gleichmässigen Wasserverteilung, der Knollenqualität und den Erträgen sehen.
Daniel Möri, Projektleiter bei der GVZ-Rossat AG, sieht insbesondere gegenüber der klassischen Beregnung klare Vorteile.
Bei einer Beregnung werden nach dem Reihenschluss nicht nur die Pflanzen, sondern auch Boden und Luft zwischen den Reihen befeuchtet. Die Bestände bleiben länger feucht, wodurch der Pilzdruck steigt.
Bei der Tröpfchenbewässerung gelangt das Wasser dagegen ausschliesslich in den Wurzelbereich. Die Blätter bleiben trocken, was das Risiko für Pilzkrankheiten reduziert.
Entscheidend sei jedoch vor allem die gezielte Nutzung der verfügbaren Wasserressourcen. Wer nur über ein begrenztes Wasserkontingent oder ein Speicherbecken verfüge, könne mit derselben Wassermenge deutlich länger bewässern als mit einer Beregnungsanlage. Die Bewässerungseffizienz der Tropfbewässerung ist im Vergleich zu einer Beregnungsanlage um bis zu 30 Prozent höher. Gerade in trockenen Jahren könnten einige zusätzliche Bewässerungstage über Ertrag und Qualität entscheiden.
Ein weiterer Vorteil besteht in der Möglichkeit der sogenannten Fertigation. Dabei werden wasserlösliche Nährstoffe direkt über das Bewässerungssystem ausgebracht (siehe Infokasten). Für die präzise Dosierung des Düngers kommt eine Dosierpumpe (Dosatron) zum Einsatz, welche die Nährlösung proportional zum Wasserdurchfluss dosiert.

Recycling bleibt eine Herausforderung
Ein Nachteil der heutigen Systeme sind die dünnwandigen Einwegschläuche, die nach einer Saison ersetzt werden müssen.
In Deutschland und Frankreich bestehen bereits Recyclinglösungen, bei denen die Schläuche gesammelt, zerkleinert und als Rohstoff wiederverwendet werden.
In der Schweiz steckt diese Entwicklung noch am Anfang. Auch die GVZ-Rossat AG würde ein funktionierendes Rücknahmesystem begrüssen. Der Markt sei derzeit jedoch noch zu klein, damit sich entsprechende Recyclinglösungen wirtschaftlich etablieren liessen.
Gehört die Zukunft der Tropfbewässerung?
Trotz der höheren Anfangsinvestitionen sehen die Bewässerungsspezialisten die Zukunft klar bei der Tröpfchenbewässerung.
«Wer heute neu in eine Bewässerungsinfrastruktur investiert, sollte auf Tropfbewässerung setzen und nicht mehr auf klassische Beregnungssysteme», lautet ihre Empfehlung.
Bestehende Rollomaten oder Beregnungsanlagen werden zwar vielerorts noch über Jahre weiter genutzt werden. Hinsichtlich Wasserverbrauch und Bewässerungseffizienz seien sie der Tropfbewässerung jedoch klar unterlegen.
Ob das Wasser künftig von oben oder von unten kommt, dürfte deshalb zunehmend zur strategischen Entscheidung auf den Betrieben werden.
Fertigation: Nährstoffe direkt an die Wurzel bringen
An den Landor-Feldtagen 2026 wurde die Kombination von Tröpfchenbewässerung und Düngung, die sogenannte Fertigation, vorgestellt. Dabei werden wasserlösliche Nährstoffe zusammen mit dem Bewässerungswasser direkt in den Wurzelbereich der Kartoffeln ausgebracht. So lassen sich die Pflanzen zum optimalen Zeitpunkt bedarfsgerecht versorgen.
Im gezeigten Versuch war die Stickstoffversorgung mit insgesamt 160 kg N/ha bereits vor der Pflanzung weitgehend abgeschlossen. Zur Pflanzung wurde Sulfamid 30 % eingesetzt. Zusätzlich erfolgten bis Mitte Juni zwei Blattdüngergaben mit Phosphor zur Förderung des Knollenansatzes.
Nach der Blüte diente die Fertigation vor allem der gezielten Kaliumversorgung. Vorgesehen waren zwei Gaben Kaliumnitrat, um die Vitalität der Stauden zu erhalten und die Knollenqualität zu verbessern. Das wasserlösliche Kaliumnitrat eignet sich besonders für die Ausbringung über Tropfschläuche. Gleichzeitig unterstützt der Nitratanteil die Kaliumaufnahme der Pflanze.
Nach Einschätzung von Landor ist gerade diese präzise Nährstoffplatzierung ein wesentlicher Vorteil der Tröpfchenbewässerung. Selbst in Jahren mit geringem Bewässerungsbedarf können die geplanten Düngergaben mit kleinen Wassermengen zuverlässig ausgebracht werden.

