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Das ändert beim Pflanzenschutz 2026

Auch im Jahr 2026 steht der Pflanzenschutz vor Veränderungen. Simon Binder von der Fachstelle Pflanzenschutz am Strickhof erläutert, welche neuen Mittel den Getreide- und Kartoffelanbau erweitern, während bewährte Wirkstoffe wie Metribuzin oder Flufenacet auslaufen.

Kurz & bündig

- Für Getreide und Kartoffeln kommen neue Fungizide mit bekannten Wirkstoffen auf den Markt. - Flufenacet und Metribuzin fallen weg, die Strategien zur Unkrautbekämpfung müssen angepasst werden. - Ein vereinfachtes Zulassungsverfahren ist in Kraft mit dem Ziel der schnelleren Einführung neuer Mittel.

Im Getreidebau kommen mit Balaya, Enduro und Revycare neue Produkte auf den Markt, welche die bereits bekannten Wirkstoffe Mefentrifluconazol und Pyraclostrobin kombinieren. Mefentrifluconazol wirkt systemisch gegen Blattkrankheiten wie Septoria und Rost, während die Wirkung von Pyraclostrobin dank der Bildung von Wirkstoffdepots im Blattinneren als besonders lang anhaltend beworben wird.

Pflanzenschutzmittel im Feldbau 2026

[IMG 3] Das «Mittelheft» bietet einen Überblick über die im Schweizer Acker- und Futterbau bewilligten Mittel. Ausführliche Tabellen geben Auskunft über Wirkungsspektrum, Sonderbewilligungen, Aufbrauchfristen und Anwenderschutz. Die diesjährige Auflage ist ab Mitte Februar 2026 erhältlich. Die Broschüre kann zum Selbstkostenpreis von 6 Franken pro Stück (inklusive Porto) bestellt werden. Die aktualisierte Broschüre

Ergänzt wird die Produktpalette durch das Mittel Verben. Auch hier stellt die Mischung von Prothioconazol und Proquinazid eine neue Kombination bereits bekannter Wirkstoffe dar.

Auf der Herbizidseite fallen alle Produkte mit Flufenacet, darunter Herold SC oder Malibu, bis Jahresende aus dem Sortiment. Flufenacet war bisher als Spezialist gegen Ackerfuchsschwanz ein wichtiger Baustein im Resistenzmanagement. Für die Praxis bedeutet dies, dass im Getreide alternative Strategien für die Unkrautbekämpfung entwickelt werden müssen.

Kartoffeln: Neue Wirkstoffe, alte Lücken

Auch im Kartoffelbau fallen auf der Fungizidseite neue Produktnamen auf. Mit Enervin SC und Gladiator steht der Wirkstoff Ametoctradin neu als Einzelwirkstoff zur Verfügung. Er wirkt gegen Falschen Mehltau bei Kartoffeln. Im letzten Jahr stand Ametoctradin noch in der Mischung mit dem unterdessen verbotenen Wirkstoff Dimethomorph zur Verfügung.

Bei den Kartoffelherbiziden fallen alle Produkte mit Metribuzin, darunter Artist, Arcade, Metric und Sencor SC, bis zum 1. Juli 2026 aus dem Sortiment. Damit bricht ein zentraler Pfeiler vieler Herbizidanwendungen weg. Betriebe müssen ihre Unkrautstrategien neu ausrichten und Alternativprodukte wie Prosulfocarb oder Metobromuron gewinnen an Bedeutung. Aufgrund steigender Behandlungskosten und einer sinkenden Verträglichkeit bei Anwendungen im Nachauflauf wird die Unkrautbekämpfung in Kartoffeln eine zunehmende Herausforderung.

Das Etikett erneuert sich nicht automatisch

Bei Mitteln wie Tanaris oder Spectrum wurden die Auflagen weiter verschärft: grössere Driftabstände zu Wohnflächen und Biotopen, reduzierte Dosierungen und engere Anwendungsfenster. Deshalb sollte jedes Jahr in den aktuellen Broschüren der Firmen oder im Mittelheft des Strickhofs nachgeschaut werden, ob die Auflagen, welche auf dem Etikett des Mittels stehen, noch aktuell sind. Zum Beispiel entfallen ab Ende 2026 alle Ethephon-Produkte mit einer Dosierung von 480 g/l. Da keines der Produkte mit einer Dosierung von 660 g/l eine Bewilligung im Obstbau hat, entfällt ab 2027 die Nutzung im Obstbau zur Blüten- und Fruchtausdünnung.

Unklarheit bei wichtigen Wirkstoffen

Noch sind einige Notzulassungen nicht bestätigt. Für die Zuckerrüben fehlt die Allgemeinverfügung von Propulse gegen Cercospora sowie Acetamiprid (z. B. Gazelle SG) zur Bekämpfung der Grünen Pfirsichblattlaus als Vektor der virösen Vergilbung.

Definitiv endet im Futterbau hingegen die Zulassung von Asulam. Die Aufbrauchfrist läuft am 1. Juli 2026 aus. Für Betriebe, die den Wirkstoff im Grünland oder in Spezialkulturen eingesetzt haben, bleibt damit nur noch das Frühjahr 2026 für einen letzten Einsatz.

Vereinfachte Zulassung mit Swiss Finish

«Wir hoffen, das neue Verfahren beschleunigt den PSM-Zulassungsprozess.»

Simon Binder, Fachstelle Pflanzenschutz, Strickhof [IMG 2]

Bisher wurden Verbote von Wirkstoffen «dynamisch» aus der EU übernommen – in der Regel mit einer Ausverkaufsfrist von einem Jahr und einer Aufbrauchfrist von einem weiteren Jahr. Neu besteht auch für die Zulassung von neuen Wirkstoffen ein vereinfachtes Verfahren, indem die Zulassungsunterlagen aus einem der unmittelbaren Nachbarländer (DE, FR, IT, AT) eingereicht werden können. Anschliessend erfolgt ein «Swiss Finish», bei dem die Schweizer Auflagen zum Gewässerschutz und zum Grundwasserschutz auferlegt werden. Simon Binder hofft, dass das neue Verfahren den Zulassungsprozess auch wirklich beschleunigt.