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Silomais besser nicht überreif werden lassen

Soll die Stärke im Pansen oder im Dünndarm verfügbar sein? Erntezeitpunkt und Lagerdauer sind entscheidend für das Verhalten der Stärke.

Der Umgang mit der Maispflanze in Bezug auf den optimalen Erntezeitpunkt und das Verhalten in der Fütterung gab bei etlichen Landwirten rückblickend über die letzten Jahre Anlass für Diskussionen. Die Auswirkungen von Mais in der Fütterung sind ein Abbild dessen, was wir auf dem Feld ernten.

Dies bestätigt Thomas Thalmann, Milchviehspezialist beim UFA-Beratungsdienst Sursee, im folgenden Interview.

Viele Maisbestände präsentieren sich noch in vollem Grün, bzw. sie sind noch nicht geerntet. Ist das richtig oder worauf wird noch gewartet?

Thomas Thalmann: Es gibt grundsätzlich kein richtig oder falsch. Vielmehr ist der Erntezeitpunkt passend oder unpassend in Bezug auf die Eigenschaften und Erwartungen an den Mais in der Fütterung.

Welches ist denn der passende Erntezeitpunkt?

Der passende Erntezeitpunkt ist abzuleiten aus Erfahrungen vergangener Rationen. Der eigentliche Ertrag sowohl in Trockensubstanz als auch in Stärke ist mit einsetzender Teigreife erreicht. Ab diesem Zeitpunkt entscheiden wir vielmehr über das Verhalten der Stärke beim Wiederkäuer: Setzen wir den Fokus auf hohe Verfügbarkeit im Pansen oder liegt die Gewichtung auf verfügbare Stärke im Dünndarm.

Wo kann der Landwirt Einfluss nehmen auf das Verhalten der Stärke?

Durch einen früheren Erntezeitpunkt lässt sich der Anteil Pansen-löslicher Stärke erhöhen. Der Anteil an verdaulicher Stärke (Bypassstärke) im Dünndarm wird durch einen späteren Erntezeitpunkt gefördert. Zu beachten gilt, dass durch zunehmende Lagerdauer im Silo die Pansenverfügbarkeit ansteigt. Zu reife Maisposten sollten daher erst nach sechs bis acht Monaten Lagerdauer in die Fütterung eingeplant werden, was in der Praxis oft nicht beachtet wird. Die Praxis zeigt, dass eine optimale Maisration den Anteil von 25 bis 28 Prozent Bypassstärke (pansenstabil) nicht übersteigen sollte.

Habe ich richtig verstanden: Sie tendieren bei der Milchviehfütterung auf die Ernte von nicht überaltertem Mais. Was sind die Vorteile?

Wir optimieren damit das Abbauverhalten der Stärke (Pansen-betonte Verdaulichkeit). Langfristig stabilisieren wir die Silage dank tieferem pH. Ausgehend von mehr Restzucker in der noch grünen Pflanze wird die Gärung begünstigt. Die Verdichtung der Silage ist besser gewährleistet (Häckselqualität). Zudem sind die Pflanzen weniger von unerwünschten Pilzen befallen.

Ist es denn nicht so, dass älterer Mais eine beruhigendere (stopfende) Wirkung auf den Verdauungsfluss hat?

Die Maispflanze von heute ist nicht mehr die gleiche wie vor 15 Jahren. Das Reifeverhalten vom Kolben deckt sich nicht mehr mit dem Alterungsprozess der Restpflanze (Stay-green-Effekt). Der Anteil verholzter Pflanzenbestandteile (Lignin) ist in den letzten Jahren durch Züchtung stark reduziert worden; dies zum grossen Vorteil einer höheren Restpflanzenverdaulichkeit. Der stopfende Einfluss von Mais in der Ration ist somit, unabhängig des Erntezeitpunktes, nicht mehr gegeben.

Ich folgere: Der Einsatz von Mais in der Futterration bietet keinen konstanten Wert mehr?

Ja. Die Eigenschaften des Ausgangproduktes Mais sind von Jahr zu Jahr verschieden. Im Vergleich zu den Sorteneigenschaften sind die Einflüsse von Saatzeitpunkt, Wachstumsverlauf, Massenertrag, TS-Gehalt und diversen Umwelteinflüssen viel grösser. Schwankungen des Stärkegehaltes +/−150 Gramm der gleichen Sorte im gleichen Jahr sind keine Seltenheit. Die Erwartungen an den Mais in der Futterration müssen rechtzeitig definiert sein. Es empfiehlt sich, dies in Absprache mit einer Fachperson vor der Maisernte zu definieren. Ebenso ist eine Futteranalyse der Silage ab Rationen in Anteilen von mehr als 30 Prozent von Vorteil. Dies wiederum ermöglicht auch wertvolle Rückschlüsse für das nächste Maisanbaujahr.

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