ABO

Neue Schadschwelle beim Getreidehähnchen

Konnte der Mais noch nicht gesät werden, ist bei der Sortenwahl eine frühe Sorte empfehlenswert.

Die kühlen Bedingungen Ende April und anfangs Mai sowie die feuchte Witterung der vergangenen Tagen haben dem vermehrten Aufkommen und der Eiablage des Getreidehähnchens entgegengewirkt. Durch warme und trockene Bedingungen bis Ende Juni kann sich dies jedoch schnell ändern.

Leistung wurde unterschätzt

Untersuchungen der HAFL und Agroscope haben dazu beigetragen, dass die Schadschwelle aus den 80er- und 90er-Jahren für die Bekämpfung von Getreidehähnchen auf 2019 angepasst wurde. Es hat sich gezeigt, dass in der Vergangenheit die Leistung des Fahnenblatts über- und die der Ähre unterschätzt wurden. Durch einen Blattflächenverlust von 10% des Fahnenblattes, ergibt sich, gemäss zweijährigen Untersuchungen, ein durchschnittlicher Ertragsverlust von gut 1% bzw. beim Verlust des ganzen Fahnenblattes 10%. Eine Larve vermag zirka 20% eines Blattes zu zerstören, was hochgerechnet zu einem Ertragsverlust von 2% führen kann, insofern das Fahnenblatt betroffen ist. Die bisherige Schadschwelle von einer Larve oder einem Ei pro Halm wurde nun auf zwei Larven pro Halm im Stadium 39 bis 50 (Ährenschwellen) und zwei Larven pro Fahnenblatt im Stadium 51 bis 61 (Ährenschieben bis Beginn Blüte) angepasst. Für die Stichprobe werden an zehn Stellen im Feld fünf Halme beurteilt.

Strategie anpassen

Wenn die frühe Maisansaat verpasst und aufgrund der Witterung noch nicht erfolgt ist, gilt es die Strategie anzupassen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Bestände, die Ende Mai gesät wurden, im Vergleich zu Saaten anfangs Mai einen 5% tieferen Kolbenanteil aufweisen. Zudem wurden tendenziell tiefere Gehalte an MJ NEL, verdaulicher organischer Substanz und Stärke festgestellt. Daran ist zu erkennen, dass der Mais im Vegetationsverlauf einen späten Saattermin generell nicht zu kompensieren vermag. Konnte nun keine frühe Saat erfolgen, ist die Wahl einer frühreifen Sorte zu empfehlen. Zudem sollte dem TS-Gehalt bei der Ernte besondere Beachtung geschenkt werden.

Erosionsrisiko beachten

Nebst den genannten Auswirkungen muss bei der Maissaat durch den grossen Anteil an unbedeckter Bodenoberfläche stets das Erosionsrisiko beachtet und minimiert werden. Durch Erosion gehen sowohl Humus und Nährstoffe, als auch durchwurzelbarer Boden verloren. Heterogene Bodenqualitäten entstehen und Kulturpflanzen werden geschädigt. Heute stehen mit unterschiedlichen Bodenbearbeitungsverfahren und Saattechniken, wie der Streifenfrässsaat, diverse Möglichkeiten zur Verfügung, um sich den gegebenen Bedingungen anzupassen. Gemäss der Direktzahlungs-verordnung (DZV) dürfen keine relevanten erosions- und bewirtschaftungsbedingten Bodenabträge auf der Ackerfläche auftreten (2 bis 4 t/ha). Geschieht dies trotzdem und kann nachgewiesen werden, dass es bewirtschaftungsbedingte Folgen sind, gilt es einen eigenverantwortlichen, oder einen von der kantonalen Fachstelle anerkannten Massnahmenplan während mindestens sechs Jahren auf der betroffenen Parzelle umzusetzen. Je nach Kanton besteht eine Meldepflicht und der Vollzug wird unterschiedlich geregelt. Weitere Informationen erhalten Sie bei der betreffenden kantonalen Fachstelle.

Weiterlesen