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Kühe in die Fruchtfolge integrieren

Urban Dörig berichtete am Frühlingsbodentag der Kommission Zukunft Landwirtschaft über seine Erfahrungen mit Gründüngungen. Sein Ziel ist es, auf seinem Betrieb in der beweideten Gründüngung mit kleinen Koppeln nach dem System «Mobgrazing» zu arbeiten.

Viel Frühlingshaftes hatte der Frühlingsbodentag, der am 24. März 2023 in Müllheim TG stattfand, nicht. Es schüttete wie aus Kübeln. Doch das spielte keine Rolle, das Schwerpunktthema Gründüngungen wurde nämlich nicht auf dem Feld, sondern in einem Vortrag erläutert. Eingeladen hatte die Kommission «Zukunft Landwirtschaft» des Verbands Thurgauer Landwirtschaft (VTL).

Gemeinsamkeiten hervorheben

Deren Präsident Peter Haldimann betonte, dass es der Kommission um die Vielfältigkeit der Landwirtschaft gehe. «Wir wollen Wissen vermitteln, Gemeinsamkeiten aufzeigen, hervorheben, was wir gut machen, aber auch ansprechen, was wir in den einzelnen Labels besser machen können.» Während Ralph Gilg die Kommission und ihre Aufgaben vorstellte, beleuchtete Peter Schweizer den Kohlenstoffkreislauf als Grundlage des Lebens. Ralph Bötsch erklärte, dass wie bei einer Maschine auch der Boden seinen Unterhalt benötige, am besten mit Gründüngungen.

Die Kühe unter dem Boden

Urban Dörig hat langjährige Erfahrungen mit Gründüngungen in einem aufbauenden System. Er bewirtschaftet in Dies­senhofen TG den 100 Hektaren grossen Betrieb St. Katharinental mit Acker- und Gemüsebau und Mutterkühen. Der Betrieb ist im zweiten Umstellungsjahr auf Bio. «Meine Kühe sind im Boden», sagte Dörig.

«Die ‹Tiere› im Boden – Mikroorganismen, Pilze, Bakterien, Würmer – brauchen auch jeden Tag Futter.»

Urban Dörig zum Bodenleben

Dazu machte er einen Vergleich: Solaranlagen produzieren bei Sonnenschein auch im Winter Strom. «Es käme niemanden in den Sinn, die Anlagen von November bis März oder im Sommer nach der Ernte abzudecken. Die Äcker lassen wir aber noch zu häufig unbedeckt.» Ohne grüne Pflanzen finde keine Fotosynthese statt, führte er aus, und so kann die Sonnenenergie nicht im Boden gespeichert und das Wasser weniger gut gehalten werden.

Eine von vielen Möglichkeiten

Gründüngungen sind für Urban Dörig eine von vielen Möglichkeiten hin zu einer Kreislaufwirtschaft. Eine Gründüngung müsse vielfältig sein, so Dörig. Seine Mischungen enthalten zwischen sechs und zwanzig Arten, abhängig vom Zeitpunkt im Jahr, der Nachkultur und dem gewünschten Nutzen. Als Grundgerüst sollten sie Gräser, Leguminosen und Kreuzblütler enthalten, es brauche Flach- und Tiefwurzler, hoch- und tiefwachsende Pflanzen. «Dank der gros­sen Breite wird der Boden optimal versorgt für die nächste Kultur.»

Vorteile von Untersaaten

Ein spannendes Thema sind für Urban Dörig Untersaaten. Diese hätten den Vorteil, dass der Boden auch nach der Ernte bedeckt bleibe und so Nährstoffe für das Bodenleben liefere. Der Verzicht auf eine Saat in der wärmsten Zeit des Jahres, wenig Verdunstung und der Fotosynthese-Prozess, der ununterbrochen stattfindet, sind weitere Punkte, die für eine Untersaat sprechen.

«Dort, wo wir keine Untersaaten machen, säen wir möglichst am Tag nach der Ernte eine Gründüngung.»

Urban Dörig zu seinen Erfahrungen mit Untersaaten

Er ermunterte seine Berufskollegen, Neues auszuprobieren. «Am besten in ein paar Maschinenbreiten, ja nicht alles auf einmal umstellen.» Auch Dörig wagt sich immer wieder an Neues heran. Das zweite Jahr in Folge pflanzt der Biolandwirt die Hälfte der Getreidefläche auf Dämmen. Der Mähdrescher ist mit einer Waage ausgestattet. «So sehe ich auf jeder Parzelle auch am Ertrag, ob das nur den Feldhasen und Feldlerchen oder auch mir etwas nützt.»

Kühe sorgen für vegetative Bestände

Urban Dörig strebt an, seine Tiere in die Fruchtfolge zu integrieren. Kreislaufwirtschaft funktioniere nur mit Wiederkäuern, ist er überzeugt. Diese gehörten nicht nur ins Berggebiet und ins Grasland, sondern für lebendige Böden auch ins Ackerland. «Sie können als ‹Werkzeug› eingesetzt werden, um die Bestände vegetativ zu halten.»

Dörig zeigte in seinem Vortrag Bilder von seinen Kühen und Kälbern in einer zwei Meter hohen Gründüngung. Das System habe den Vorteil, dass die Kühe einen Teil der Gründüngung fressen und den anderen Teil einstampfen, was wiederum Biomasse für die Bodenlebewesen gibt. Nicht zu vergessen die natürliche Düngung durch die Kühe und das neue Leben, das aus jedem Kuhfladen wieder entstehe – für den Boden, aber auch als Futter für die Vögel. «Das geht sicher nicht auf jedem Boden gleich gut und mit Mutterkühen besser als mit Milchkühen», schob er nach.

Wie die Bisonherden in der Steppe

Ihm schweben als Vorbild die Bisonherden vor, die früher durch die Steppen zogen. Gerne würde Dörig auf seinem Betrieb in der beweideten Gründüngung mit kleinen Koppeln nach dem System «Mobgrazing» arbeiten. Da Zäunen von Hand in den hohen Beständen nicht möglich ist, wäre der Einsatz von Halsbändern mit GPS-Sendern naheliegend. Diese sind in der Schweiz gemäss Tierschutzgesetz noch verboten. Der Nutzen für die Natur sei noch nicht erkannt worden, bedauert Dörig. Solange wird er seine Kühe noch in seinen drei bis acht Hektaren grossen Parzellen weiden.