In den vergangenen Jahren hörten die Zuckerrübenpflanzer oft unerfreuliche Nachrichten an den regionalen Informationsveranstaltungen. Aber am 6. Dezember 2021 in Hendschiken berichtete Josef Meyer, Präsident der Schweizer Zuckerrübenpflanzer, von einem Lichtblick am Zuckerrübenhimmel.
Schweizer Zucker ist gefragt und wird unterstützt. Das Parlament hat das Hilfspaket Zucker verlängert und verankert es im Landwirtschaftsgesetz bis ins Jahr 2026. Das bedeutet konkret:
- Einzelkulturbeitrag von 2100 Franken bis 2026 gesichert;
- Mindestgrenzschutz von Fr. 7.–/dt Zucker;
- 200 Franken Zusatzbeitrag pro Hektare für IP und Bio.
Neue Pflanzer überzeugen
«Dank den besseren Preisen und dem Fortschritt in der Anbautechnik und bei den Sorten lohnt sich der Zuckerrübenanbau», lautete der Werbespruch von Guido Stäger, dem CEO von Schweizer Zucker AG.
Unterstützung bekommt der Schweizer Zucker nicht einfach den Bauern zuliebe. Nur 15 Prozent des Rohstoffs werden im Detailhandel und in der Gastronomie verkauft, der grosse Teil von 85 Prozent geht direkt in die verarbeitende Industrie, und die schmückt ihre Produkte gerne mit dem Schweizer Kreuz.
Nun hofft die Branche auf eine Kehrtwende bei der negativen Entwicklung der Anbaufläche und will wieder mehr Schweizer Rüben in die Zuckerfabriken bringen. Sowohl in Aarberg wie in Frauenfeld könnten mehr Rüben verarbeitet werden. Wobei die Ernte nicht nur durch rückläufige Flächen geschmälert wird, sondern auch durch extensive Anbaumethoden, die gefördert werden und zunehmen. In Hendschiken war gemäss einer Umfrage nur gerade ein neuer potenzieller Zuckerrübenpflanzer anwesend. Aber dank den besseren Rahmenbedingungen beabsichtigen etliche Produzenten, ihre Flächen moderat auszudehnen oder nach einer Pause wieder in den Zuckerrübenanbau einzusteigen.
Gemäss Zahlen von Landwirtschaft Aargau haben dieses Jahr im Aargau 340 Produzentinnen und Produzenten auf gut 1200 Hektaren Zuckerrüben angebaut, darunter 4,51 Hektaren bio.
SBR rückt näher
Die Viröse Vergilbung hat diese Saison in der Region wenig Schaden angerichtet. Der Aargau blieb bis heute auch von der bakteriellen Krankheit Syndrome Basses Richesses (SBR) verschont, sie rückt aber näher, und bis in zwei bis drei Jahren dürfte sie gemäss Luzi Schneider von der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau auch hier ein Thema werden.
Sortenwahl ist wesentlich
Trotz politischer Unterstützung – der Zuckerrübenanbau bleibt anspruchsvoll. Die Absenkpfade für Pflanzenschutzmittel setzt ehrgeizige Ziele, extensive Anbaumethoden fordern heraus. Darum brauche es unbedingt die geeigneten Sorten, betonte Luzi Schneider. Seine Kurztipps zum Anbau 2022: Bodenbearbeitung ist wichtiger denn je; keine zu frühen Saaten; genaue Kontrolle auf Schädlinge und Krankheiten; gezielte Auswahl von Pflanzenschutzmitteln.
Ertrag im Mittelland ist besser als befürchtet
Eine bisher reibungslose Kampagne für den Rübenumschlag Mittelland meldete Geschäftsführer Thomas Vögeli in Hendschiken. Bis Ende der kommenden Woche dürften alle Rüben abtransportiert und die Saison für die Genossenschaft, die mit zwei Bahnratten und zwei Feldmäuse arbeitet, abgeschlossen sein. Der Rübenumschlag Mittelland hat in diesem Jahr insgesamt 120 000 Tonnen Zuckerrüben bewegt. Nicht so viel wie im Vorjahr mit 130 000 Tonnen, «aber die Erträge waren besser als anfänglich befürchtet, der schöne Herbst hat vieles gutgemacht», sagte Thomas Vögeli gegenüber der BauernZeitung. Dabei gebe es grosse Unterschiede zwischen den Parzellen. Von sehr guten Erträgen mit über 90 Tonnen pro Hektare bis sehr schlechten Erträgen in Hagelgebieten oder bei schweren Böden mit Staunässe von unter 20 Tonnen pro Hektare wurde gemäss Geschäftsleitung alles verladen. Beim Zuckergehalt seien ebenfalls grosse Schwankungen zu erwarten. Dank gutem Wetter wurden die Rüben in der Region mehrheitlich bodenschonend und sauber aus dem Boden geholt, erst die spät geernteten Parzellen zeigten mehr Fremdbesatz. Die Genossenschaft ergänzt seit 2020 den Bahnverlad mit dem Transport auf der Strasse. Das hat sich gemäss Geschäftsstelle bewährt und verhilft zu mehr Flexibilität.

