Mit Blick auf die Klimadiskussion haben CO2-Zertifikate eine wichtige Rolle bekommen. «Wir wollen Ökosystemleistungen und Klimaschutz in Wert setzen», führte Hubertus Schmidtke Anfang November 2021 vor den Zürcher Waldbesitzern in Hausen am Albis aus. Sein Unternehmen, die Silva Consult AG mit Sitz in Winterthur, entwickelte eine Methodik, um die ökologischen Leistungen des Waldes zu bemessen. Damit soll die CO2-Senkungsleistung des Waldes verifiziert und sichtbar gemacht werden.
Leistungen des Waldes entschädigen
Konkret geht es darum, dass der Wald mit den finanziellen Mitteln aus den CO2-Zertifikatsgeldern für seine Bindung von CO2 «entschädigt» wird. Die Idee hinter dem Projekt ist eine Inwertsetzung der CO2-Senke im Wald. Damit wird der Zweck verfolgt, eine erleichterte Projektentwicklung mit zentraler Administration und einem gemeinsamen Auftritt der Branche zu schaffen. Dazu gehören gemäss Hubertus Schmidtke auch glaubwürdige Zertifikate und ein gebündeltes Marketing, um eine maximale Vergütung an die Forstbetriebe zu erwirken.
Dafür hat im bewirtschafteten Wald eine Vorratserhöhung zu erfolgen, und es ist ein Verzicht auf Vorratsabbau nötig. Deutlich mehr Wert erhalten Waldstilllegungsflächen, die bereits als Reservate ausgeschieden sind oder es noch werden. Ein Potenzial für Kompensationen ist in neuen Waldflächen vorhanden, die entweder aufgeforstet werden oder durch die natürliche Verwaldung entstehen. Bereits haben schweizweit über zwei Dutzend Forstbetriebe und Körperschaften ihr Interesse an einem solchen Projekt angemeldet. Elf Projekte sind in Arbeit.
Bauma zeigt, wie es geht
Hubertus Schmidtke präsentierte als Musterbeispiel das Wald- Klimaschutzprojekt Bauma im Kanton Zürich mit einem Perimeter von 1012 ha, das über 30 Jahre hinweg umgesetzt wird. Aktuell liegt der stehende Holzvorrat bei 432 m3 pro ha. Bei der Berechnung geht man von einem Normalvorrat von 300 m3 aus. Basierend auf einem Verpflichtungsvorrat von 360 m3, der nicht unterschritten werden darf, kann der Puffer genutzt werden. Grundsätzlich sind in diesem Projekt die volle Nutzung des Zuwachses und sogar eine Absenkung auf 360 m3 möglich, wobei ein Puffer für Kalamitäten (Anm. d. Red.: Holz, das zwar beschädigt ist, aber immer noch genutzt werden kann) bleibt.
So resultiert eine jährlich verfügbare CO2-Menge von 2459 t. Bei einem Zertifikatspreis von 30 Franken je Tonne CO2 ergibt das pro Jahr und Hektare ein Erlös von 73 Franken. Schmidtke verwies auf die Startkosten für die Initialaufwände, welche sich für dieses Projekt in einem kleineren sechsstelligen Betrag niederschlagen. «Solche Projekte gäbe es ohne Geld aus dem Klimaschutz nicht», betonte er.
Kaspar Reutimann, Präsident Wald Zürich, meinte, dass sich zeigen müsse, was solche Projekte für den Wald und die Waldbesitzer bringen. In der Diskussion war hinsichtlich des Systems mit den Zertifikaten von einem modernen Ablasshandel die Rede.
Vortrag in Thayngen
An einer Fachtagung von Wald Schaffhausen in Thayngen zeigte Andreas Rigling von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) auf, wo und wie sich der Klimawandel auf die Waldentwicklung auswirken wird. Die Waldgrenze ist in den letzten 100 Jahren um rund 100 Meter angestiegen. Diese Entwicklung stellt man auch im Alpenraum fest. Dort werden die Wälder dichter, die Waldfläche wächst und das Baumwachstum nimmt seit 1950 kontinuierlich zu. Zugleich zeigt sich verstärkt ein globales Absterben beim Baum- und Waldbestand, was auf Trockenheit und Hitze zurückzuführen ist. Konkret sprach Rigling von einer Baummortalität in Tieflagen und Trockengebieten in den typischen inneralpinen Trockentälern. In seinem Vortrag präsentierte Rigling mögliche Szenarien der Baumartenentwicklung: Die Buche wird sich ab Mitte des 21. Jahrhunderts verstärkt in den Alpenraum und in den Jura zurückziehen. Dasselbe gilt für die Fichte, während die Eiche vor allem im Mittelland an Bedeutung gewinnen wird. Für den Fachmann ist es wichtig, dass man den waldbaulichen Handlungsspielraum auf Trockenheitsresistenz, Bestandesdichte, Betriebs- und Baum arten austestet. «Der Schaffhauser Wald wird sich verändern. Buche und Fichte werden verlieren, wärmeliebende Arten werden zulegen», lautete Riglings Prognose. Er sieht in den Hochlagen ein verbessertes Wachstum, während in den Tieflagen die Wälder zusätzlich unter Stress leiden werden. Für ihn gibt es deshalb ein Baum-, aber kein Waldsterben. Die Waldwirtschaft steht vor grossen Herausforderungen. Konkrete Lösungen sieht der Experte in der Erhöhung der Baumvielfalt, um eine bessere Risikoverteilung zu erwirken. Mit trockenheitstoleranten Baumarten, Mischwäldern und einer naturnahen Waldbewirtschaftung ist eine Erhöhung der Resilienz der Wälder anzustreben.

