Die geschätzt 490 00 Tonnen (t) grosse Kartoffelernte ist noch nicht ganz unter Dach und Fach. Und weil der Produzentenpreis ernteabhängig ist, bekommen die Bauern rund einen Franken weniger als 2019, das sieht das Preissystem so vor.
Die Kartoffelernte 2020 ist gut
Wie lautet das Fazit der diesjährigen Kartoffelernte? Ruedi Fischer ist Kartoffelbauer und Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten (VSKP). «Um ein definitives Fazit zu ziehen ist es jetzt noch zu früh», erklärt Fischer. Die Ernte der Industriekartoffeln sei derzeit noch in vollem Gange und werde durch das regnerische Wetter etwas verzögert. Er weiss aber: «Stand heute kann aber durchaus von einer guten Ernte gesprochen werden.»
Die leidigen Drahtwürmer
Kartoffelbauern melden Drahtwurmlöcher in den Knollen, wie gross sind diese Schäden? Der Drahtwurm sei auch dieses Jahr wieder ein Thema, bestätigt Fischer. «Wir wissen, dass bereits mehrere grössere Posten wegen Drahtwurmschäden für die Frischverfütterung angemeldet wurden» und solche Posten mit Drahtwurmschäden würden registriert. Eine definitive Quantifizierung der geschädigten Mengen werde aber erst nächstes Jahr möglich sein, erklärt Ruedi Fischer.
So sieht die Marktlage aus
Frischkonsum-Kartoffeln waren im Corona-Lockdowns ausserordentlich gefragt, aber «jetzt haben sich die Aberkäufe wieder etwas normalisiert», weiss er. Der Absatz liege aber nach wie vor über dem Vorjahr und er sei guter Dinge, dass trotz hoher Erträge in der Ernte 2020 der Markt nicht zu stark durch Übermengen beeinträchtigt werde. «Der Absatz von Frites hat sich mittlerweile wieder etwas erholt», hat Ruedi Fischer erfahren. Eine grosse Unbekannte im Frites-Bereich sei nach wie vor, wie es mit den Covid-19-Massnahmen weitergehe.
12'000 t Garantielager
«Die Garantielager wurden von 9500 t auf 12'000 t erhöht», erklärt Fischer. In diesen Garantielagern würden nur Kartoffeln (für Frites und für Chips) eingelagert, die aufgrund der Corona-Krise keinen Absatz gefunden haben. «Wichtig ist zu wissen, dass es sich hierbei nur um Vertragsware handelt», betont er. Erntebedingte Überschüsse über die Verträge hinaus würden nicht in den Garantielagern eingelagert. «Erst am Schluss der Einlagerung wird Bilanz gezogen», jetzt mache das noch keinen Sinn.
Im August forderten die Kartoffelbauern Hilfe vom Bund, weil die Kartoffelbranche vor allem bei den Frites grosse Absatz-Verluste erlitt. Weiss der VSKP-Präsident inzwischen mehr? «Die Branche hat ihre Anliegen beim Bund deponiert», bestätigt Fischer. Die Prozesse liefen aber, «und der Entscheid vom Bund ist nach wie vor ausstehend», erklärt Fischer.
Produzentenlager sind ein Thema
Die Auszahlungsmodalitäten sind ständig ein Thema unter den Bauern. «Hier hat sich unseres Wissens für diese Kampagne nichts geändert», weiss Fischer. Richtig sei, dass ein Abnehmer bei der Übernahme von Speisekartoffeln dieses Jahr neu von der Übernahme mit Vorbehalt zur Übernahme ans Produzentenlager gewechselt habe. «Die Übernahme ans Produzentenlager ist ein offizielles Übernahmemodell der Branche», sagt Fischer und fährt fort: «Die VSKP bekennt sich klar zu den Übernahmebedingungen der Branche und somit auch zum Produzentenlager». Es sei für den Produzenten praktisch, wenn seine Ware sofort übernommen und abgerechnet werde, aber mit den Lagerzuschlägen bringe jedoch auch das Produzentenlager gewisse Anreize mit sich.
Rückbehalt von fünf Franken
«Die Terralog wird die mit unseren Lieferanten vertraglich vereinbarten Mengen der diesjährigen Ernte zu den bisher gültigen Bedingungen übernehmen. Die Marktschwankungsreserve oder der Rückbehalt von fünf Franken wird somit wie bisher angewendet. Bei guten Auslagerungsresultaten und einem guten Abverkauf der Ernte, wird dieser Betrag wieder ausbezahlt», erklärte der Terralog-Chef Michel Nick zum Start der Ernte. Ruedi Fischer kommentiert das so: «Die Terralog weicht mit ihrem pauschalen Fünfliber vom Branchenmodell ab. Die Produzenten wurden vorgängig über diesen Rückbehalt informiert. Wir erachten es als problematisch, wenn Geld zurückbehalten wird und gehen davon aus, dass die Terralog wie in den letzten Jahren auch dieses Jahr den Rückbehalt vollständig nachzahlen wird», fordert Ruedi Fischer.
Neue Kaliber bei Saatgut
Jetzt bestellen die Kartoffelpflanzer schon das Kartoffelsaatgut für die Ernte 2021. Bei Chips-Sorten gibt es neue und grössere Kaliber 32 bis 40 mm und 40 bis 50 mm. Was sind die Vorteile der neuen Kaliber? «Da das Pflanzgutkaliber 32–55 mm bei den Chips-Sorten in der Vergangenheit nur wenig Absatz fand, wurde nun auf die Sortierung 32–40 und 40–50 umgestellt», erklärt Ruedi Fischer. Man habe so zwei homogene Kaliber, worin auch die Kleinsortierung einen Absatz finde. «Die VSKP findet diese Anpassung gut», betont der Präsident.

