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«Der Boden ist ein dynamischer Marktplatz»

Nachtkerzen produzieren innert drei Minuten Nektar, wenn sie das Summen von Bienen hören. Gesunde Tomaten schlagen mit ihren Duftstoffen Schädlinge in die Flucht, und Erbsen können das Wasser hören. Mit zahlreichen Beispielen aus aktuellen Forschungsprojekten im In- und Ausland spornte die Referentin Florianne Koechlin zum behutsamen Umgang mit der Natur an.

Pflanzen kommunizieren auf vielfältige Art und Weise miteinander. Was das heisst, führte auf Einladung des Vereins Bio Luzern die Basler Biologin Florianne Koechlin aus.

Erbsen hören das Wasser

Zum Auftakt stellte Florianne Koechlin das «Wood Wide Web» vor, dieses ganz besondere Internet der Waldbäume, das ein riesiges unterirdisches Netzwerk von Wurzeln und Pilzen ist. Es fliessen Nährstoffe. Es ist ein Geben und Nehmen. «Wurzeln sind Oasen, wo wichtige Informationen ausgetauscht werden», sagte Koechlin. «Weil Pflanzen eben nicht so einfach weggehen können, helfen sie sich selber.»

Wenn der Maiszünsler Attacke reitet, holt sich der naturbelassene Mais die Schlupfwespe als Bodyguard, indem er entsprechende Lockstoffe aussendet. Die Referentin berichtete von erfolgreichen Anbaumethoden in Kenia und von den Streifenkulturen in China. «Der Bauernhof der Zukunft setzt auf Mischkulturen», propagierte sie.

Der Boden sei ein dynamischer Marktplatz. So füttere zum Beispiel die Hirse den Flachs ganz natürlich. Mais, Soja und Flachs seien auch so ein bewährtes Team, genauso wie Weizen und Erbsen beziehungsweise Weizen und Linsen. «Mischkulturen liefern zudem 20 bis 30 Prozent mehr Ertrag», sagte Koechlin. Leider sei der Mais, der ja möglichst ertragreich gezüchtet worden sei, heute meist im Stängel zu schwach, um dem Teamplayer Bohne den nötigen Halt zu geben. Zudem dürfe die Bohne nicht zu gross sein.

Umdenken ist nötig

Die Referentin sprach den anwesenden Biobauern aus dem Herzen, als sie sagte, dass man weiterführende Gespräche mit den verarbeitenden Betrieben führen müsse. Heute werde Weizen mit einem kleinen Anteil von 2 Prozent Erbsen noch nicht akzeptiert. Wenn man bestimmte Lebensmittel alternativ verarbeiten könnte, wären entsprechend nachhaltige Anbaumethoden möglich. Mischkulturen könnten zudem die Folgen des Klimawandels mildern helfen, argumentierte Koechlin, Sonneneinstrahlung und Bodenerosion könnten gemindert werden.

Saatgut vor Ort nachziehen

«Pflanzen können sich erinnern, und sie lernen», resümierte Koechlin. Deshalb sei es ratsam, das Saatgut vor Ort nachzuziehen. Hier ging ein Raunen durch die Reihen der Biobauern, denn sie kennen andere Vorschriften. Koechlin nannte weitere Resultate wissenschaftlicher Versuche: Birken konnten sich an die Schädlinge vor vier Jahren erinnern und somit besser reagieren; Tomaten organisierten bei wiederholtem Befall ihre Abwehr gegen Schädlinge wesentlich schneller vor Ort.

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