Dank transparenten Solarmodulen kann Lubera die Sonnenergie doppelt nutzen

Die Lubera AG realisiert in Buchs ein 16'000 m2 grosses Gewächshaus mit Photovoltaik-Anlage. Die Module sind direkt ins Dachglas integriert. Dadurch gelangt mehr Licht zu den Pflanzen. Die überschüssige Energie wird ins Stromnetz eingespeist.

In Buchs im St. Galler Rheintal entsteht derzeit eines der modernsten Gewächshäuser der Schweiz. Bauherrin ist die Lubera AG, ein Produktions- und Züchtungsbetrieb für Obst und Beeren für den Erwerbsobstbau und Private. 6500 Solarmodule werden bis Ende März auf dem Dach der neuen Gewächshäuser eingebaut. Dabei handelt es sich nicht um gewöhnliche Nullachtfünfzehn-Module, sondern um speziell für diese Anlage entwickelte Module der Westschweizer Firma Insolight.

Viel Licht für die Pflanzen

Die Solarmodule wurden von Insolight entwickelt und sind direkt in die Dachelemente integriert.
Die Solarmodule wurden von Insolight entwickelt und sind direkt in die Dachelemente integriert.

«Für mich war von Anfang an klar, dass wir eine Solaranlage auf das Dach bauen», sagt Markus Kobelt, Inhaber und Geschäftsführer der Lubera AG. Man suchte nach einem Hersteller und wurde bei Insolight fündig. Das Unternehmen aus Renens VD hat sich auf Agro-Photovoltaik spezialisiert. Für das 16'000 m2 grosse Dach des Gewächshauses entwickelte Insolight neuartige Solarmodule.

Sie sind im Vergleich zu herkömmlichen Modulen eher klein und hochtransparent. Dadurch gelangt mehr Licht ins Gewächshaus. Die Pflanzen können so 80 Prozent des einfallenden Lichts nutzen. Mit den übrigen 20 Prozent wird Strom produziert. Die Solarmodule verfügen über einen speziellen Rahmen, der eine einfache Integration in herkömmliche Gewächshausprofile ermöglicht. Sie werden also nicht auf dem Dach installiert, sondern sind ein Teil davon.

Produktions- und Züchtungsbetrieb

Die Lubera AG ist ein Fami­lienbetrieb mit Hauptsitz in Buchs. Das Unternehmen züchtet und produziert ein breites Sortiment an Obst-, Beeren- und Gemüse­pflanzen, vor allem für den Hobbygärtnermarkt. Das eigene Sortiment umfasst 1500 verschiedene Pflanzen, im Onlineshop werden 6000 Pflanzen angeboten. In Buchs werden Pflanzen für die Schweiz produziert und direkt an Endkonsumenten versendet. Daneben wird auch die Landi beliefert. In der EU verfolgt die Tochter­firma Lubera GmbH in Niedersachsen (D) das gleiche Geschäftsmodell, eine weitere Tochter in der Nähe von Bamberg produziert kleine Jungpflanzen für Gärtner. Die Züchtungsabteilung ist in Buchs stationiert.

Zuerst Plastik, dann Glas

Die Bauarbeiten sind in vollem Gange. Beim Besuch der BauernZeitung sind nebst Markus Kobelt auch Andreas Rohrer von der Ortsgemeinde Buchs sowie Sandro Spescha und Adrian Bossart vom Elektrizitätswerk Buchs (EWB) dabei. Auch sie sind Teil des Projekts, die Gemeinde als Landbesitzerin und das EWB als Projektpartner.

2012 fanden die ersten Gespräche mit der Gemeinde statt, welche Möglichkeiten der Betriebserweiterung es an diesem Standort gibt, schildert Kobelt, der ursprünglich ein Plastikgewächshaus bauen wollte. Es wurde ein Teilzonenplan ausgearbeitet. Doch die gesellschaftlichen Ansprüche veränderten sich während des Planungsprozesses. «Plastik war nicht mehr beliebt. Also planten wir mit der Variante Glas», sagt Kobelt. Das Vorhaben wurde genehmigt, ohne dass der Zonenplan noch mal geändert werden musste. Im Jahr 2022 stimmte die Bevölkerung dem teilrevidierten Zonenplan zu und gab grünes Licht für den Bau.

Vorbild für andere Gewächshausbauten

Der zweite Partner ist das EWB, das sich mit 1,5 Mio Franken am 9-Millionen-Bau beteiligt. Denn der Strom, den die 6500 Solarmodule produzieren, wird insöffentliche Netz eingespeist. «Für uns ist das Projekt beispielhaft, wie ein privates Unternehmen und ein Energieversorger zusammenarbeiten können», sagt EWB-Direktor Adrian Bossart. 750'000 kWh soll die Anlage dereinst produzieren. Ob diese Leistung tatsächlich erreicht wird, lässt sich noch nicht sagen. Trotzdem war das EWB bereit, dieses Risiko einzugehen.

«Wenn alle Partner nur die Risikoseite betrachtet hätten, wäre das Projekt wahrscheinlich nicht zustande gekommen.»

Adrian Bossart, Direktor EWB

Markus Kobelt sagt zum Gesamtprojekt: «Eine tolle Sache. Wir können die Sonnenenergie doppelt nutzen, einerseits für die Assimilation der Pflanzen und andererseits für die Stromproduktion.» Diese Kombination von Solarenergieerzeugung und landwirtschaftlicher Nutzung sei einzigartig in Europa und eröffne Landwirten neue Perspektiven. Kobelt erhofft sich eine Signalwirkung: «Vielleicht wird es für Bauern dank dieses Projekts einfacher, eine Bewilligung für den Bau von Gewächshäusern zu bekommen.» Bossart sieht weitere Vorteile für die Landwirtschaft. Die zusätzliche «Ernte» trage zur wirtschaftlichen Rentabilität der Betriebe bei und ermögliche eine nachhaltige und effiziente Nutzung der begrenzten landwirtschaftlichen Flächen.

Blick von oben auf den Neubau in Buchs mit den bestehenden Gewächshäusern im Hintergrund.
Blick von oben auf den Neubau in Buchs mit den bestehenden Gewächshäusern im Hintergrund.

Zu Beginn gab es auch Kritik

Im März 2024 soll das Gewächshaus in Betrieb genommen werden. «Was wir auf jedem Quadratmeter machen, wissen wir noch nicht», sagt Markus Kobelt. Er sei einer, der so plane, dass er sich alle Optionen offenlassen könne. Darum wurde das Gewächshaus auch so hoch gebaut, dass eine Nutzung auf zwei Ebenen möglich wäre. Die Frage, ob es auch kritische Stimmen gab, bejaht Kobelt.

«Von unseren Bauernkollegen haben wir vereinzelt gehört, wir würden wertvollen Boden aus der Produktion nehmen. Aber unser Produktionsbetrieb, die Rhein-Baumschule, ist ein Landwirtschaftsbetrieb.»

Markus Kobelt, Inhaber und Geschäftsführer Lubera AG

Kobelt ist froh, dass die Bevölkerung über das Projekt abstimmen konnte. Es könne niemand sagen, er oder sie habe nicht gewusst, was da gebaut werde. «Wir sind stolz darauf, die erste demokratisch legitimierte Baumschule der Welt zu sein», meint er schmunzelnd.

«Kondenswasser war eine Knacknuss»

Was macht die Solar­module von Insolight so einzigartig?David Schuppisser: Ziel dieses Bauprojekts war es, zusätzliche Einnahmen aus der Solarstromproduktion zu generieren, ohne die darunterliegende landwirtschaftliche Tätigkeit zu beeinträchtigen. Die gewählten Module wurden nicht einfach nur in ein neues Gewächshaus eingebaut, sondern ersetzten das Dachglas. Welches waren die Schwierigkeiten bei der Entwicklung und Produktion? Eine Herausforderung bestand darin, Module in unterschiedlicher Grösse und Transparenz für die verschiedenen Zonen des Gewächshauses bereitzustellen. Ein weiterer Aspekt war das Kondenswasser. Damit dieses abfliessen kann, mussten wir während des Baus eine spezielle Rahmenkonstruktion entwickeln. Wie gross ist das Potenzial dieser Module für den Marktdurchbruch in der Schweiz und im Ausland? Durch solche Module lassen sich Glasscheiben von Gewächshäusern problemlos ersetzen. Das ist eine enorme Chance. Die Gewächshaus-fläche in der Schweiz ist in den vergangenen Jahren gewachsen und beträgt knapp 1000 Hektaren. Mit so einem Modell, wie es bei der Lubera AG realisiert wurde, kann der Landwirt einen Teil der Gewächshauskosten decken und zusätzliche Einnahmen mit der Stromproduktion generieren. [IMG 4]