«Es gibt Lichtblicke für den Zuckerrübenanbau». Das sagte Martin Flury, Präsident des SVZ anlässlich der Info-Veranstaltung vom vergangenen Donnerstag am Strickhof. Grund zur Zuversicht geben die beiden Standesinitiativen der Kantone Thurgau und Bern, die in der Wirtschaftskommission im Ständerat beraten wurden. Die Kommission hat den beiden Initiativen Folge gegeben. Diese haben zum Ziel, den Selbstversorgungsgrad der Schweiz beim Zucker auf dem Niveau der letzten Jahre zu halten und Forschungsprojekte zugunsten eines ökologischen Zuckerrübenanbaus zu fördern. Weiter sollen die bis 2026 befristeten Massnahmen zwar nicht unverändert fortgeführt werden, aber der Branche Sicherheit geben. Als nächstes gehen die Initiativen in die nationalrätliche Wirtschaftskommission.
Studie zum Thema Fremdbesatz ist am Laufen
Flury informierte, dass an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) eine Studie zum Thema Fremdbesatz in Arbeit ist. Zahlreiche Sonderproben und Analysen wurden schon gemacht. Der Abschluss und Bericht dieser Analysen würden im Herbst 2024 veröffentlicht, heisst es.
Die Fäule begünstigt die Veratmung von Zucker
Vom Forschungsnetzwerk bestehend aus SFZ, Agroscope, HAFL und FiBL sind vielversprechende Ergebnisse bei den neuen Herausforderungen an den Anbau zu erwarten, Projekte und Ressourcen sind gesichert, so Martin Flury. Luzi Schneider, Geschäftsleiter der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau (SFZ), thematisierte die Erntefakten. So begünstigte z.B. die ab Mitte Oktober herrschende stetige Nässe das Problem mit der Fäule. Eine der Empfehlungen lautet, die angelegten Rübenmieten gut abzudecken, um sie vor Frost zu schützen. Gefriert eine Miete doch einmal, trete das eigentliche Problem erst beim Auftauen der Rüben auf. Die geschädigten Rüben beginnen zu faulen, und durch die Veratmung sinkt der Zuckergehalt.
Welche Sorte für welchen Anbau?
Die Sortenprüfung der SFZ wurde in den letzten Jahren stark ausgebaut. Unter Berücksichtigung der Blattgesundheit und des Bruttogelderlöses wurde die Empfehlung für den Extenso-Anbau im PSB-Programm ohne Fungizid/Insektizid erarbeitet. Für den IP-Suisse-Anbau sind die Sorten Interessa KWS, Novalina KWS, Smart Belamia KWS, BTS 2030, BTS 1740 und Antonica KWS zu empfehlen. Nach dreijähriger Prüfung wurde mit «ST Gotthard» die erste Sorte mit Toleranz gegenüber viröser Vergilbung zugelassen. Diese Sorte wird nur für Flächen mit starkem Blattlaus- und möglichst geringem Zikadendruck in der Westschweiz empfohlen.
Anbaubereitschaft ist erhöht
Für die SBR-Befallsgebiete stehen zwei neue Sorten (Michelangelo, Fitis) zur Verfügung. Die Fachstelle empfiehlt die beiden neuen Sorten sowie die bewährte SBR-Sorte «Xerus» für die Anbauregionen westlich von Rothrist (AG). Im Ausblick auf den Anbau 2024 gelte es unter anderem zu beachten, dass das Nachlaufherbizid «Debut» zur Kontrolle dikotyler Unkräuter per August 2024 in der EU seine Zulassung verliert. Die Produktionssystembeiträge bleiben unverändert. Beim BLV sind einige Anträge für die Zulassung von PSM hängig. Die Fachstelle wird das Monitoring und Versuchswesen von Blattlaus-, SBR- und Blattfleckenbefall weiterführen.
Höherer Rübenpreis ist der Grund dafür
Peter Imhof, Leiter Rübenmanagement, Schweizer Zucker AG, stellte fest, dass 2023 die Anbaufläche mit 16 500 ha wieder leicht erhöht werden konnte. Ein deutlich höherer Rübenpreis (+ 8 Fr./t), eine bessere finanzielle Absicherung möglicher Ertragsausfälle über zusätzliche Prämien sowie standortangepasstere Sorten dürften einige Gründe dafür sein.

Investition im Werk Frauenfeld
Peter Imhof informierte zum «Projekt NTT - Nachhaltigkeit 2024» im Werk in Frauenfeld. Im Rahmen einer Investition von 20 Mio. Franken wird ein Niedertemperatur-Trockner (NTT) für Schnitzel errichtet. «Mit der Nutzung von Abwärme für die Schnitzeltrocknung lassen sich fossile Brennstoffe einsparen. Dieser Investitionsentscheid ist für uns wichtig, denn Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung und wird von unseren Kunden immer stärker gefordert.» Die Tagesleistung des NTT liegt zudem bei rund 200 Tonnen getrockneten Schnitzel.
Letzte Anfuhr voraussichtlich am 28. Dezember
Fabian Brühwiler, Geschäftsführer der Genossenschaft Transportorganisation Frauenfeld (TO) und Maschinenring Ostschweiz informierte, dass für die restliche Kampagne 2023 die Anfuhrplanung überarbeitet und mit den Rayonleitern abgesprochen wurde. Die vermutlich letzte Anfuhr erfolgt am 27./28. Dezember, wobei Verschiebungen durchaus noch möglich sind. Dabei werden die Gewichtsobergrenzen ein Thema bleiben.

Rückmeldungen der Pflanzer kommen zögerlich
Zudem bleibt die Sensibilisierung der Fahrer für die Beachtung der Sicherheit im Strassenverkehr wichtig und soll noch stärker gewichtet werden. Weiter ist eine Weiterbildung der Transporteure bezüglich Kontrolle der Adhäsionsgewichte während der Kampagne in Vorbereitung. Als besondere Herausforderungen an die TO in dieser Kampagne bezeichnete Brühwiler die zögerlichen Rückmeldungen der Pflanzer bei der Datenerfassung sowie die von Woche zu Woche grossen Schwankungen ausgesetzten Erträge.
Die nächsten SVZ-Infoveranstaltungen
Montag, 11. Dezember, 19.30 Uhr: Inforama Seeland, Herrenhalde 80, 3232 Ins Dienstag, 12. Dezember, 19.30 Uhr; Saalbau Kirchberg, Neuhofstr. 33, 3422 Kirchberg

