Wir haben ganz eindeutig ein spezielles Jahr, schreibe ich hier, während ich mir überlege, mitsamt meinem Laptop in den Keller zu verschwinden, um diese Zeilen in einer angenehm kühlen Umgebung schreiben zu können. Da mich die Hitze aber auch etwas träge macht, bleibe ich oben im Büro – vorerst.
Es ist heiss, es ist trocken, und das schon sehr lange. Im Reusstal gehören wir in solchen Fällen üblicherweise nicht zu den grössten Leidtragenden: Unsere Böden sind tiefgründig, die Pflanzen holen Wasser von tief unten, Bewässerungswasser vom Fluss steht noch zur Verfügung (auch zur allabendlichen Abkühlung von uns selbst), wir bauen wärmeliebende Kulturen wie Mais und Süsskartoffeln an und auch dank dem einen oder anderen bescheidenen Spritzer Regen ist es hier noch verhältnismässig grün.
Das ist auch anderen Landwirten nicht entgangen.
Wie reagieren, wenn Berufskollegen nach Futter fragen?
Dass es andernorts schlimmer ist, merke ich, auch ohne die Nachrichten zu lesen. Das Handy hat schon einige Male geklingelt, weil Futter (Gras oder Mais) gesucht wurde. Das ist natürlich legitim, was bleibt einem denn anderes übrig, wenn die eigenen Felder den Farbton bereits auf Braun gewechselt haben? Eben.
Die Frage ist, wie man selber in solchen Situationen entscheiden soll. Man kann es ja bekanntlich nicht allen recht machen. Und diese Frage ist für mich recht einfach zu beantworten: Langjährige Geschäftsbeziehungen werden gestärkt. Dort, wo es schon immer ein Geben und Nehmen bei der Zusammenarbeit war, möchte ich das auch unter besonderen Umständen gerne fortsetzen. Nun in dieser Situation wegen ein paar zusätzlichen Franken die Nachbarn hängen zu lassen und stattdessen schönen Silomais einem Wildfremden, von dem man ziemlich sicher nie wieder etwas hören wird, zu verkaufen, scheint mir nicht ganz die feine Art. Erfreulicherweise handhaben das auch viele andere so.
Alle können ihre Lager nicht füllen
Zu hoffen bleibt allerdings, dass es nicht zu viele Nachbarn und Kollegen sind, die aufgrund des extremen Wetters in Nöte geraten. Die paar Weideflächen und bis jetzt noch schönen Maisfelder in unserer Gegend sind da auch nur ein Tropfen auf den sehr heissen Stein und reichen nicht aus, dass alle ihre Lager füllen können.
Und so droht im dümmsten Fall nebst der Futterknappheit für die Tiere noch der Futterneid unter den Bauern. Und damit ist niemandem geholfen. Denn, wie gesagt: Eine zuverlässige langjährige Zusammenarbeit ist durch fast nichts zu ersetzen.

Hagenbuchs Randnotizen
Sebastian Hagenbuch ist Landwirt und Agronom. Er führt einen Betrieb mit zwei Standorten in Rottenschwil und Unterlunkhofen im Kanton Aargau. Hagenbuch erzählt in seiner Kolumne von Alltäglichem und Aussergewöhnlichem, wechselt ab zwischen Innen- und Aussensicht, immer mit kritischem Blick und einem Augenzwinkern.

