Michelle Krügel, Mitinhaberin von «üsi Drogerie» in Münsingen BE kommt ins Schwärmen, wenn es um den Thymian geht. Als «Superhero» bezeichnet sie das Kraut gar. Die Blättchen des Zwergstrauchs sind nicht nur für Kälber mit Grippe und Durchfall gut, sondern stärken generell das Immunsystem. Für die nasskalte Winterzeit lohnt es sich also, genügend Thymian im Vorrat zu haben. «Thymian hilft gegen alles, was im Winter droht», sagt sie.
Thymian kommt als Tee, als Tinktur und auch getrocknet (als Pulver) zum Einsatz. Wer Thymian verfüttert, solle das Kraut trocknen und mahlen, rät Krügel. «Der Geschmack ist eigen», sagt sie. Deshalb müssen LandwirtInnen ausprobieren, ob die Tiere das Pulver mögen. In Milch einrühren funktioniere bei Kälbern gut.
Inhalieren ist erlaubt, das ätherische Öl gehört aber auf keinen Fall ins Tier hinein
Kuh und Kalb dürfen die Dämpfe inhalieren: Die ätherischen Öle, die im Thymian enthalten sind, verflüchtigen sich bei dieser Zubereitungsart grösstenteils. Wovon Krügel hingegen mit deutlichen Worten warnt, ist der Einsatz von ätherischem Öl: «Wer nicht ausgebildet ist, lässt die Finger davon!»
Zur Verdeutlichung erklärt sie: In einem Tropfen ätherischem Thymianöl steckt etwa so viel Wirkstoff wie in 70 Litern Tee. Der Inhaltsstoff Thymol kommt zum Beispiel bei der Desinfektion zur Anwendung und kann Vergiftungen auslösen: «Das gehört wirklich nicht ins Tier.»

Als Tee und als Pulver hingegen ist Thymian unbedenklich. Das FiBL-Merkblatt listet den Thymian unter den Top 15 der Pflanzen mit den meisten Anwendungsbeschreibungen auf. Bei Thymian sind es 41 Anwendungen, die historisch belegt sind. Wissenschaftlich belegt sind die Anwendungsempfehlungen zur Unterstützung bei Atemwegserkrankungen, Bronchitis, Husten, Entzündung der Magenschleimhaut und Mundgeruch.
Als Hausmittel führt der Ratgeber «Kräuter für Nutz- und Heimtiere» eine lange Liste auf: Thymian kommt innerlich unter anderem zur Fressluststeigerung, bei Verdauungsstörungen, Darmkrämpfen, Blähungen und Würmern zur Anwendung. Dazu natürlich bei allen Atemwegserkrankungen (Husten, Krampfhusten, zur Auswurfförderung, Katarrh der oberen Luftwege).
Äusserlich sind es besonders eitrige Hauterkrankungen oder schlecht heilende Wunden, die traditionell mit Thymian in Form von Umschlägen oder Waschungen behandelt werden.
Thymian ist eine der wichtigsten Heilpflanzen bei Erkrankungen der Atemwege
Auch der «Kräuter- und Heilpflanzenatlas» lobt den Thymian als eine der wichtigsten Heilpflanzen bei Erkrankungen der Atemwege. Besonders bei krampfhaftem Husten wird er als Tee eingesetzt. Die Pflanze wirkt keimhemmend, antibakteriell, entzündungshemmend, krampflindernd, schleimlösend und stärkt allgemein das Immunsystem.
Michelle Krügel hat gute Erfahrungen damit gemacht, Thymian in der kalten Jahreszeit als Prävention gegen Durchfall und krankmachende Keime einzusetzen: Sind die Tiere häufiger drinnen, wirke das Pulver stärkend und bringe Wärme.
Steckbrief Thymian
(Thymus vulgaris)- Mehrjähriger, bis 30 cm hoher Zwergstrauch mit verholzten Zweigen. - Gedeiht am besten an warmen, sonnigen Standorten, je nach Sorte winterhart. - Mag eher trockene, magere, gut durchlässige und sandige Böden. - In der Heilkunde wird das blühende Kraut verwendet. Dafür maximal ein Drittel der Triebspitzen mit möglichst wenig Holzanteil ernten.
Anwendung
Wissenschaftlich belegt ist, dass Thymian gegen Bakterien wirkt und die Bronchien entkrampft. 1 TL entspricht etwa 1,4 g Thymian. Tee: gegen Husten Pulver: Kälber erhalten 5 bis 10 g getrockneten und gemahlenen Thymian pro Tag als Prävention gegen Durchfall Inhalation: gegen Erkrankungen der Atemwege, wirkt schleimlösend und auswurffördernd Äusserlich: Tee (1 Teil Thymian, 20 Teile Wasser) für Umschläge und Waschungen bei schlecht heilenden Wunden
Quellen
- Ratgeber «Kräuter für Nutz- und Heimtiere» - «Kräuter- und Heilpflanzenatlas» - FiBL-Faktenblatt «Kälber und Ferkel mit Arzneipflanzen stärken»
Haftungsausschluss
Die Informationen zur Pflanze, zu deren Wirkung und das Anwendungsbeispiel sind eine Zusammenstellung aus verschiedenen Quellen. Die Wirkungen und Nebenwirkungen sind nicht vollständig aufgelistet. Die Schweizer Agrarmedien AG übernimmt keinerlei Haftung für die Folgen der Anwendung.

