So, es ist geschafft! Das erste Jahr in Selbstständigkeit ist um. Man kennt es ja aus der Buchhaltung: Zum Jahresende ist die Zeit, um kurz Bilanz zu ziehen.
Es war ein gutes Jahr:
+ Das Wetter hat mitgespielt.
+ Die Preise für unsere Produkte sind grösstenteils stabil geblieben.
+ Im Stall lief es mehrheitlich rund.
+ Alle Kulturen gaben schöne Erträge in guter Qualität (bis auf die Gerste).
+ Es gab keine schlimmen Unfälle und Verletzungen.
+ Ich konnte alle Rechnungen bezahlen.
+ Die Arbeit auf den Feldern und im Stall machte grösstenteils Freude.
+ Viele Projekte konnten realisiert werden (Renovation Küche, Pferderaufe, Stalllüftungen, neuer Traktor, Anbau neue Kultur, Umgestaltung Garten).
+ Wir konnten zahlreiche neue tolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Süsskartoffeln und die Spezialkulturen finden.
+ Wir feierten ein schönes Hoffest mit Freunden und ein tolles Helferfest.
+ Ich bin Onkel geworden.
Nicht alles ist im ersten Jahr gelungen
Es war aber auch ein anstrengendes Jahr:
– Es gab viel Arbeit, vor allem im Büro, wo ich das meiste «zum ersten Mal» machen und nach meinen Vorstellungen gestalten musste und sicher noch nicht maximal effizient war.
– Es ist mir nicht gelungen, ein wöchentliches «Mitarbeiterkafi» einzuführen, welches auch dazu genutzt wird, die kommenden Tage und Wochen zu planen.
– Ich war oft müde.
– Als die Feldarbeit endete, gelang mir die Umstellung und Motivation für die Büroarbeit nur mittelprächtig (aufgerundet).
– Es war des Öfteren ein wenig ein «Gwürg», um das Leben nebst der Landwirtschaft noch zu organisieren.
Das Jahr 2025 schliesst mit einem Gewinn ab
Aus meiner Erstausbildung – ich habe das KV gemacht – glaube ich noch zu wissen, dass es so ist: Wenn auf der Plus-Seite mehr steht als auf der Minus-Seite, dann wird das ausgeglichen über einen Gewinn, der dann auf der Minus-Seite (korrekt nennt sich das «Soll und Haben») aufgeführt wird. Also:
Im Jahr 2025 resultierte folgender Gewinn:
- Festigung der Gewissheit, dass es dann schon immer irgendwie geht (möge sie auch da sein, wenn mich einmal eine Pechsträhne oder mieses Wetter auf die Probe stellt).
- Viel Erfahrung im Umgang mit neuen Herausforderungen.
- Authentische Begegnungen mit vielen tollen Menschen im privaten oder beruflichen Umfeld.
- Vergrösserung des beruflichen Netzwerks und die Gewissheit, dass es viele kompetente Firmen und Personen gibt, die einen unterstützen und vorwärtsbringen.
- Zunahme des Gefühls von Eigenverantwortung und Selbstbestimmung.
- Last, but not least: Ein finanzieller Gewinn.
Ja, das erste Jahr in Selbstständigkeit ist um, beschäftigt aber noch weiter, die Abgrenzung ist nicht ganz messerscharf. Bereits jetzt bin ich aber froh, ist dieser erste Turnus überstanden.
Vom zweiten Jahr erhoffe ich mir, dass mit dem Erfahrungsschatz des ersten Jahres im Gepäck doch das eine oder andere etwas leichter von der Hand gehen wird.
Hagenbuchs Randnotizen
Sebastian Hagenbuch ist Landwirt und Agronom. Er führt einen Betrieb mit zwei Standorten in Rottenschwil und Unterlunkhofen im Kanton Aargau. Hagenbuch erzählt in seiner Kolumne von Alltäglichem und Aussergewöhnlichem, wechselt ab zwischen Innen- und Aussensicht, immer mit kritischem Blick und einem Augenzwinkern.

