Weinbau legt weiter zu

Zum 40-Jahr-Jubiläum gab es einen Wechsel im Präsidium und im Vorstand. Neu leitet Markus Reinhard den Zentralschweizer Weinbauverein.

Zur Doppel-Generalversammlung 2019 und 2020 sowie zum 40-Jahr-Jubiläum lud vergangene Woche der Zentralschweizer Weinbauverein (ZWV). In seinem Rückblick vor rund 60 Mitgliedern erwähnte der Präsident, Peter Krummenacher, den Ende August 2019 erstmals durchgeführten Tag der Zentralschweizer Weine im KKL Luzern. Das sei mit über 500 Gästen ein sehr erfolgreicher Anlass gewesen, 20 Winzer(innen) präsentierten dort ihre Weine. Der Anlass soll am 23. Oktober 2021 wieder stattfinden.

Die Schweiz entdecken

Schwierig war die Situation vor allem für die beim Absatz auf die Gastronomie ausgerichteten Rebbaubetriebe wegen der Corona-Krise. «Der Umsatz brach weg, Kurzarbeitsprogramme brachten keine Linderung, weil die Arbeit auf den Betrieben trotzdem anfiel und Angestellte somit nicht auf Kurzarbeit gesetzt werden konnten», erklärte Peter Krummenacher. Auch im laufenden Jahr mache Corona den Winzer(innen) noch immer zu schaffen.

Corona habe allerdings auch positive Effekte gebracht, meinte der Luzerner Rebbaukommissär, Beat Felder. «Die Schweizer entdeckten die Schweiz, der direkte Absatz und auch der Online-Verkauf der Weine legte markant zu.»

Piwi-Sorten als Vorteil

Die vergangenen Jahre waren für die Rebbauern witterungsbedingt anspruchsvoll, vor allem aber das aktuelle Jahr. Der Frühjahresfrost, der Hagel und das nass-kalte Wetter der vergangenen Monate machten zu schaffen. Je nach Region sehr hoch war der Befall durch Falschen Mehltau. Dank dem hohen Anteil an pilzwiderstandsfähigen (Piwi) und weissen Sorten sei wohl der Ertragseinbruch aber weniger stark als anderswo, meinte Felder.

Fokus Pflanzenschutz

Im Kanton Luzern beträgt die Rebfläche 76 ha, in der gesamten Zentralschweiz sind es 90 ha, Tendenz weiter steigend. Der Anteil weisser Sorten wächst weiter. Die Region ist schweizweit führend beim Anteil Piwi-Sorten mit 35 Prozent, Bio macht 15 Prozent aus. Eine grosse Herausforderung seien die ungenügenden Verarbeitungskapazitäten, die müssten erhöht werden, wenn möglich durch gemeinsame Strukturen. Die raumplanerischen Hürden seien allerdings hoch, hiess es an der Generalversammlung. Auch der Pflanzenschutz müsse umweltgerechter werden. Und es sollen neue Märkte erschlossen werden. Aktualisiert wurde die Website von Wein Zentralschweiz.

Neuer Präsident gewählt

Peter Krummenacher trat nach elf Jahren als Präsident zurück, ebenso die Vorstandsmitglieder Kurt Huwiler, Hans Barmet und Benno Schwager. Eigentlich sei ein gestaffelter Rücktritt geplant gewesen, wegen der abgesagten letztjährigen GV kam es nun zur grossen Rochade.

Neuer Präsident wird Markus Reinhard aus der Stadt Luzern, neu im Vorstand sind die beiden Luzernerinnen Priscilla Huwiler und Nicole Theiler und der Urner Ruedi Schuler. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden in ihrem Amt bestätigt.

«Niemand muss um den Absatz fürchten.»

Peter Krummenacher ist überzeugt, dass regionale Weine auch künftig gefragt sind.

40 Jahre erfolgreich

Der Zentralschweizer Rebbau habe sich in den vergangenen Jahrzehnten optimal entwickelt. Viele Betriebe stiegen neu ein, wurden grösser, die Nachfolge sei gesichert und die vielen gewonnenen Preise an Weinprämierungen zeugen von der hohen Qualität. «Wer hätte vor 40 Jahren gedacht, wo wir heute stehen», freute sich Peter Krummenacher.

Bei der Gründung des Weinbauvereins 1981 betrug die Rebfläche in der Zentralschweiz 10 ha. Ziel waren damals 16 ha, das war aber nach wenigen Jahren schon erreicht. So wurde zur Zurückhaltung beim Flächenwachstum geraten, weil Absatzprobleme befürchtet wurden. Das rasante Wachstum ging aber weiter, beim 25-Jahr-Jubiläum waren es bereits 30 ha, und heute gegen 90 ha in der Zentralschweiz. «Und kaum jemand muss befürchten, dass die regionalen Weine keine Abnehmer finden», meinte Krummenacher.

Der ZWV zählt derzeit rund 190 Mitglieder, davon sind 55 Erwerbswinzer, der Rest sind Hobby-Rebbauern. Es sei positiv, dass beide Gruppen im gleichen Verein seien, der gegenseitige Austausch sei sehr wertvoll und die Stimmung untereinander gut.

Alternative Weinbau

Hans Dieter Hess, Leiter Luzerner Dienststelle Landwirtschaft und Wald, zeigte sich als Westschweizer beeindruckt von der Qualität und Vielfalt der Zentralschweizer Weine. Das sei nicht ein Zufall, sondern Beweis für den Fleiss und die Tüchtigkeit der Weinbauern. Er wies auf die Luzerner Beratungsoffensive Spezialkulturen hin. Wegen der hohen Tierintensität brauche es Alternativen, der Weinbau habe dabei einen hohen Stellenwert.