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Obstmarkt: So läuft der Früchtehandel

Zwischen 35 000 und 40 000 Tonnen Früchte handelt Fenaco Landesprodukte jährlich. Ein Porträt über diesen fast unbekannten Händler.

«Beim Kernobst hatten wir im Frühling sehr gute Abverkäufe, nicht zuletzt aufgrund der Corona-Krise», resümiert Christian Bertholet, Category Manager Früchte bei Fenaco Landesprodukte. Bei den Beeren seien die Erträge unterdurchschnittlich gewesen, so dass man fast während der ganzen Saison auf ­Importkontingente angewiesen war. «Die Kirschenernte fiel rund 25 Prozent tiefer aus als im Vorjahr», zieht Bertholet Bilanz über die diesjährige Ernte.

Früchte werden früher reif

Die Reife der Früchte schritt rasch voran und die Ernte konnte konzentriert erfolgen. Dies sei für Fenaco Landesprodukte eine grosse organisatorische Herausforderung gewesen – zum Beispiel bei der Kalibrierung. «Dank des frühen Erntebeginns konnten bereits im Juni relevante Mengen im Detailhandel abgesetzt werden», erinnert sich Christian Bertholet. «Wir erwarten 2020 auch eine sehr grosse Zwetschgenernte von rund 4000 Tonnen», blickt er voraus.

Aktuell sei man in der Halbzeit, mit den Absatzzahlen sei er bisher zufrieden. «Es dürfte jedoch eine Herausforderung werden, die ganzen 4000 Tonnen Zwetschgen zu verkaufen», betont Bertholet. Der Klimawandel lasse die Saison früher starten und «daran muss man die Konsumentinnen und Konsumenten erst gewöhnen».

Sursee und Perroy sortieren

Fenaco Landesprodukte hat das Sortieren und Abpacken von Kirschen und Zwetschgen an die zwei Standorte Sursee LU und Perroy VD verlagert. Christian Bertholet zählt die Vorteile dieser Strategie auf:

  • Mit der neuen Standortstrategie wurden die Produktionskapazitäten ausgebaut.
  • Weil sich die Stein- und Kernobstverarbeitung am selben Ort befinden, werden weniger Aushilfen benötigt.
  • Stattdessen kann die Ernte mit dem bewährten Personal bewältigt werden.
  • Das wirkt sich positiv auf die Qualität aus.

«Zudem betreiben wir im Seeland und in der Nordwestschweiz zwei regionale Sammelstellen in Zusammenarbeit mit der Landi», betont Bertholet. Neu gibt es eine «Festigkeitsmessung» für Kirschen. Der Fachmann erklärt die Vorteile:

  • Es hat sich gezeigt, dass die Festigkeit ein wichtiges Kriterium in Bezug auf die Haltbarkeit von Kirschen ist.
  • Zu weiche Kirschen sind weniger lange haltbar und lassen sich im Laden schlechter verkaufen.
  • Mit der Festigkeitsmessung wird beabsichtigt, schwache Posten bei der Warenannahme aussortieren zu können, damit sie gar nicht erst in die Läden kommen und später als Food Waste enden.
  • Es ist sinnvoller, diese Kirschen direkt ab Hof zu verkaufen.

Kirschenproduzenten beklagen, dass Kirschen zu früh und unreif geerntet werden müssten, um die Festigkeitsmessung zu bestehen.

Neues Hydrocooling

«Das stimmt auf keinen Fall», betont Christian Bertholet. Die Konsumentinnen und Konsumenten erwarteten von Schweizer Kirschen eine erstklassige Qualität. «Zu früh und unreif geerntete Früchte entsprechen dieser Erwartung nicht», erklärt er. Die Festigkeitsmessung solle zu einer Qualitätssteigerung beitragen.

Neu wird in Perroy und Sursee das Hydrocooling getestet. «Hydrocooling verlängert die Haltbarkeit der Kirschen im Laden um ein bis zwei Tage und das ist wirklich ein enormer Vorteil», begründet Bertholet. Allerdings werde Fenaco Landesprodukte nie in der Lage sein, alle Posten mit Hydrocooling zu behandeln, betont der Fachmann.

«Steinobststrategie 2022+»

So heisst die neue Strategie der Fenaco Landesprodukte. «Sie umfasst nebst der Verlagerung unserer Produktionskapazitäten nach Perroy und Sursee folgende Kernelemente», erklärt Christian Bertholet:

  • Die Ausarbeitung einer rollenden Sortenliste als Entscheidungshilfe in der Anbau- und Sortenplanung für die Produktion,
  • die Festigkeitsmessung,
  • das Hydrocooling
  • und die Prozessdigitalisierung.

Neue App eingeführt

«Mit dem Start der Saison 2020 haben wir die Tax-App bei der Warenannahme eingeführt. Seither bekommt der Produzent noch am selben Tag automatisch per E-Mail die Taxation seiner Posten zugestellt», erklärt Christian Bertholet. Das sei eine enorme administrative Erleichterung für beide Seiten. Bauern beklagen jedoch, der Sortenwechsel gehe zu schnell. «Die Sortenplanung haben wir mit einem Vorlauf von sechs Jahren publiziert», entgegnet Bertholet. Die Produzentinnen und Produzenten hätten so genügend Zeit, sich auf den Wechsel einzustellen. Obstkulturen hätten einen langen Lebenszyklus und das mache die Planung äusserst herausfordernd.

Die Sortenliste zeige,

  • welche Sorten sich für den Grosshandel und welche für die Direktvermarktung eignen,
  • welche Ware in Zukunft zum Kalibrieren und welche nur noch als Originalware, also fertig verpackt, angenommen werde.

Ausgearbeitet hätten die Sortenliste Fachleute von Fenaco Landesprodukte und Landi, dazu Produzentenvertreterinnen und Spezialisten der kantonalen Fachstellen.

Früchte-Anbauer werden?

Was empfiehlt Christian Bertholet einem Bauern, der in die Produktion von Früchten einsteigen will?

Zuerst solle man sich zwingend einen Vermarktungspartner ­suchen, erklärt Bertholet. Weiter müsse

  • ein Einstieg wohlüberlegt sein,
  • geklärt werden, welche Produkte und Sorten gewählt werden sollen.

«Der Vermarktungspartner kennt die Nachfrage und kann interessierte Landwirtinnen und Landwirte ideal beraten», schliesst er.

Grosse Unbekannte

Die «Fenaco Landesprodukte» ist eine strategische Geschäftseinheit der Fenaco-Genossenschaft und in
vier Warengruppen tätig: Fürchte, Gemüse, Frischkartoffeln sowie Veredelungs- und Pflanzkartoffeln. Zwischen 35 00 und 40 00 Tonnen Kern-, Steinobst und Beeren werden jährlich gehandelt. Anbauplanung, Produktübernahme, Lagerung und Abpacken dieser landwirtschaftlichen Erzeugnisse bilden die Kernkompetenzen. Schweizweit gibt es 14 Aufbereitungs- und Lagerstandorte. Beschäftigt sind rund 400 Mitarbeitende.

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