Plus

Nachwuchs gesucht: «Nicht zuhause sitzen und fluchen»

An der LOS-Mitgliederversammlung verliessen drei erfahrene Vorstandsmitglieder die Organisation – ersetzt wurde nur eine. Präsident Schlup appelliert an die Jungen.

Die landwirtschaftliche Organisation Seeland (LOS) verabschiedete an ihrer Mitgliederversammlung in Ins drei Mitglieder aus dem Vorstand. Neu zur Wahl stellte sich jedoch nur eine Person. Therese Tschannen und Philipp Laubscher verliessen den Vorstand nach zwölf, Markus Stähli nach acht Jahren. Neu gewählt wurde Cédric Mathys aus Walperswil. Er wird neuer Verantwortlicher im Bereich Bewässerung. Mathys führt mit seinem Vater in Epsach einen Betrieb. Daneben hat er vor zwei Jahren ein Baugeschäft übernommen.

Die Suche blieb erfolglos

Der Präsident der LOS, Martin Schlup, bedauerte, dass sich nicht mehr Personen zur Verfügung stellten: «Wir haben gesucht, aber niemanden gefunden.» An die Jüngeren im Saal gerichtet appellierte er: «Es nützt nichts, zuhause zu sitzen und zu fluchen. Engagiert euch, seid offen für Neues und meldet euch!» Therese Tschannen, die als einzige der Abtretenden vor Ort war und verabschiedet werden konnte, doppelte nach: «Das Amt ist interessant und vom Aufwand her bewältigbar. Das Engagement hat sich gelohnt.» Vieles habe sie zu Beginn ihrer Vorstandstätigkeit nicht gewusst. Aber sie habe in den Jahren sehr viel dazulernen können.

Der eindringliche Aufruf an die Urne zu gehen

Weiter wurde die Wichtigkeit des Ganges an die Urne betont. Ende Monat stehen die Grossrats- und Regierungsratswahlen im Kanton Bern an, im Herbst wird über die Vegan-Initiative abgestimmt. Diese müsse unbedingt «wuchtig» mit über 80 Prozent angelehnt werden, sind sich Martin Schlup und Jürg Iseli, Präsident des Berner Bauernverbands, einig. Sei dies nicht der Fall, könnten Punkte aus der Initiative in die AP 30+ einfliessen, wird befürchtet. Bei den Wahlen müsse eine bürgerliche Mehrheit hingekriegt werden. Denn das neue Parlament verabschiede die AP 30+ definitiv. «Mobilisiert Familie, Freunde und Bekannte», forderte Iseli.

Nachwuchs gesucht: «Nicht zuhause sitzen und fluchen»
Der LOS-Präsident Martin Schlup führte durch die Versammlung.

Die LOS hilft

Im Jahresbericht blickte Martin Schlup auf erfreuliche Entwicklungen zurück. Doch das 2025 habe auch Herausforderungen gebracht und gezeigt, wie verletzlich die Landwirtschaft ist, Stichwort fehlende Paloxen oder Pflanzenschutzmittel, hohe Bürokratie. Die LOS versuche politisch dagegen zu wirken. «Die LOS ist eine starke Stimme für das Seeland. Die Realität verpflichtet uns, uns zu zeigen.» Und das tue die LOS.

Aus finanzieller Sicht steht die Organisation solide da. Die Rechnung 2025 schliesst mit einem kleinen Gewinn von knapp 500 Franken. Das Eigenkapital beläuft sich auf 65 660 Franken. Wie Geschäftsführerin Daria Winkelmann-Rösti ausführte, zähle die LOS 452 Mitglieder und vier Kollektivmitglieder. «Tatsache ist aber, dass wir immer weniger Mitglieder haben», betonte sie. Meist würden Austritte aufgrund einer Betriebsaufgabe erfolgen. Für 2026 wird denn auch mit weniger Mitgliederbeiträgen budgetiert. Vorgesehen ist ein Aufwandüberschuss von 940 Franken, wobei vorsichtig budgetiert worden sei. Das Tätigkeitsprogramm sieht nebst den bekannten Anlässen, auch einen Wasserbau-Anlass vor, der zusammen mit der Pro Agricultura Seeland im Herbst durchgeführt werde.

Die Statuten sind nun angepasst

Die traktandierte Statutenänderung veranlasste die Versammlung zu keiner Diskussion, die Vorschläge wurden einstimmig angenommen. «Die Statutenänderung soll uns die Arbeit erleichtern und effizienter arbeiten lassen», betonte Martin Schlup. Angepasst wurde unter anderem die Amtsdauer. Neu ist eine dreimalige statt wie bisher zweimalige Wiederwahl möglich. Die Amtsdauer des Präsidenten wird auf acht Jahre gekürzt. Die vorherige Vorstandsdauer wird an diese Zeit nicht angerechnet. «Wir wollen nicht Sesselfurzer generieren», erklärte Schlup. Mit dieser Anpassung habe die LOS mehr Spielraum und junge Vorstandsmitglieder mehr Zeit, um sich einzuarbeiten.

Infos aus dem Beratungsring Gemüse

Ausführlich berichtete Martin Keller über die Tätigkeiten des Beratungsrings Gemüse. «Wir betreuen auch Betriebe ohne Gemüse», betonte er. Zu den Dienstleistungen gehören die Vorbereitung auf Kontrollen jeglicher Art und Feldkontrollen. «Wir helfen auch bei der Registrierung der Fachbewilligung Pflanzenschutz und der Zollrückerstattung», erläuterte Keller und machte einmal mehr deutlich: «Bleibt so lange wie möglich beim CH-Login.» Die Hilfe vonseiten des Beratungsrings werde durch das Agov-Login massiv erschwert. Weiter machte er darauf aufmerksam, dass es diverse Aufbrauchfristen von Pflanzenschutzmitteln zu beachten gebe und seit Anfang Jahr eine Melde- und Bekämpfungspflicht für Parzellen mit Erdmandelgras bestehe. Bei der kantonalen Fachstelle für Pflanzenschutz sei das entsprechende Onlineformular zu finden. Auch müssten die Lohnunternehmer benachrichtigt werden.

Zum Formular

Projektideen gesucht

BEBV-Präsident Jürg Iseli machte unter anderem auf das Berner Impulsprogramm Ernährung, Klima, Umwelt (IP EKU) aufmerksam. Gesucht werden Projektideen von Landwirtschaftsbetrieben, die eine Wirkung in den folgenden Bereichen entfalten können. - Umwelt und Biodiversität: Reduktion von Emissionen und Schadstoffen, Steigerung der Biodiversität, Sicherung langfristiger Nutzung von Boden und Wasser. - Nutzung des Energiesparpotenzials sowie Ersatz von fossilen Brenn- und Treibstoffen hin zu erneuerbaren Energien. Projektideen können auf der Website des Berner Bauernverbands eingereicht werden. «Wir helfen, Projekte auszuarbeiten», erklärte Iseli. Die Trägerschaft hat der BEBV zusammen mit dem Kanton Bern inne. Die Programmleitung trägt die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL). Projektideen können bis 30. April, 30. August und 30. November eingereicht werden, heisst es auf der Website.